Der St. Galler Wald im Wandel der Zeit

Die St. Galler Wälder spüren den Klimawandel. Lange Trockenperioden machen einheimischen Baumarten zu schaffen. Deshalb müssen die Förster in Zukunft stärker auf resistentere Arten ausweichen.

Christoph Renn
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Der Berneggwald ist in Besitz der Ortsbürgergemeinde St. Gallen. (Bild: Urs Bucher ( 14. Dezember 2018))

Der Berneggwald ist in Besitz der Ortsbürgergemeinde St. Gallen. (Bild: Urs Bucher ( 14. Dezember 2018))

Zwei heftige Stürme, Borkenkäfer und lange Trockenheitsperioden: 2018 war für die Förster der St. Galler Wälder ein turbulentes Jahr. Der Klimawandel macht einigen Baumarten stark zu schaffen. «Die St. Galler Wälder werden aber sicher noch lange erhalten bleiben», sagt Urban Hettich, der bei der Ortsbürgergemeinde den Bereich Forst und Liegenschaften leitet. Sie würden in Zukunft aber auf andere Baumarten setzen müssen. «In diesem Jahr sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen. Wir hatten im sonst trockenen Sommer dank einiger Gewitter immer wieder etwas Niederschlag.»

Lang anhaltende Trockenheit bringt für die St. Galler Wälder aber ein weiteres Problem mit sich: Die Buchdruckerpopulation – eine Art Borkenkäfer, der ausschliesslich Rottannen befällt – ist stark gestiegen. Wegen des Befalls hätten sie rund 300 Kubikmeter Rottannen ernten müssen. «Das ist deutlich mehr als in den Vorjahren.» Herumliegendes Sturmholz begünstige die Ausbreitung der Borkenkäfer.

Sturm Burglind hinterlässt seine Spuren

Urban Hettich, Leiter Forst und Liegenschaften bei der Ortsbürgergemeinde

Urban Hettich, Leiter Forst und Liegenschaften bei der Ortsbürgergemeinde

2018 startete mit dem heftigen Sturm Burglind am 3. Januar, der über die gesamte Schweiz fegte. Im Herbst folgte der zweite Sturm Vaia. Beide haben in den St. Galler Wäldern deutliche Spuren hinterlassen. «Insgesamt sind bei den Stürmen 5500 Kubikmeter Holz gefallen, die wir in der Folge verwerten mussten», sagt Urban Hettich. Das ist mehr als die Hälfte des Holzes, das die Ortsbürgergemeinde in den St. Galler Wäldern pro Jahr insgesamt erntet. Eine weitere Folge der Stürme für die Waldbesitzer ist ein wirtschaftliches Defizit. «Das Sturmholz ist vor allem wegen der entstandenen Risse und Brüche qualitativ etwas schlechter», sagt Hettich. Sprich, es bringt weniger Geld ein.

Sowieso war 2018 laut Hettich für die Waldbesitzer in ökonomischer Hinsicht schwierig gewesen. Wegen der Trockenheit sei viel Holz derselben Art in kurzer Zeit auf den Markt gekommen. Regionen, die noch stärker von der Trockenheit und den Stürmen betroffen waren. «Deshalb ist der Preis stark gesunken.»

Der Klimawandel wird die Förster auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Oder wie es im Jahresbericht 2018 der Waldregion 1 des Kantons heisst: In Zukunft wird es keinen waldbaulichen Entscheid mehr geben ohne den Klimawandel im Hinterkopf. Doch was bedeutet das? Die Förster müssen immer stärker auf trockenheitstolerante Baumarten ausweichen – unter anderem sind das Traubeneichen, Linden oder Föhren. «Unser Ziel bleibt, dass wir in der Stadt und der Umgebung vielfältige Wälder haben, mit standortgerechten Arten», sagt Hettich. Nur mit einem gezielten Umbau und einer vorausschauenden Pflege könne der Wald fit für den Klimawandel gemacht werden. «Mit der Erhöhung der Baumarten- und Strukturenvielfalt minimieren wir beispielsweise das Risiko, dass Waldteile absterben.» Deshalb werde die Waldpflege in Zukunft immer wichtiger.

Das Wild soll mehr Lebensraum erhalten

Neben den normalen Forstaufgaben gab es 2018 für Hettich und sein Team viel zusätzliche administrative Arbeit. Es wurde ein Betriebsplan für die rund 1050 Hektaren Waldfläche im grünen Ring ausgearbeitet. Dieser hält fest, wie sich der Wald der Ortsbürgergemeinde in den nächsten 15 Jahren entwickeln soll. «Wir streben auf dem ganzen Waldgebiet einen naturnahen Waldbau an», sagt Hettich. Seltene, einheimische Baumarten würden gezielt gefördert, und der Lebensraum für das Wild aufgewertet werden.