«Auch wenn es abgedroschen klingt, vermisse ich am meisten den Bodensee» - heute wohnt der Goldacher Komiker Renato Kaiser in Bern

Renato Kaiser ist als Slam Poet über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Davon zeugt auch der Salzburger Stier, mit dem er ausgezeichnet wurde. Derzeit schreibt er an seinem neuen Soloprogramm.

Lisa Wickart
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Der Goldacher Renato Kaiser lebt seit einigen Jahren in Bern.

Der Goldacher Renato Kaiser lebt seit einigen Jahren in Bern.

Johanna Bossart

Angefangen hat alles auf einer kleinen Bühne in Sirnach. «Ich kann mich noch gut erinnern, wie nervös ich war», sagt Renato Kaiser. Eigentlich wollte der Goldacher Poetry Slam nur mal so ausprobieren: «Ich dachte, dass auf der Bühne zu stehen mein Ding sein könnte.» 15 Jahre später kann sich der Komiker und Satiriker nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu machen: «Es ist das schönste, dass ich das machen kann, was ich liebe.»

Heute hat Renato Kaiser kaum mehr Zeit für Poetry-Slam-Auftritte. Unter anderem schreibt er Kolumnen, ist regelmässig im Radio zu hören und hat seine eigene Fernsehsendung. Am liebsten tritt der 34-Jährige jedoch nach wie vor mit seinem Soloprogramm auf: «Auf der Bühne zu stehen ist wie Ferien», sagt er. Mit neu produzierten Radiokolumnen oder Sendungen könne man nie wissen, wie sie ankommen. Auf der Bühne sei das anders: «Es ist viel weniger stressig, da das Programm bei jedem Auftritt ungefähr gleich ist». Zudem interagiert er gerne mit dem Publikum:

«Man sieht bei jeder Pointe eine Reaktion, egal, ob es ein Lachen ist oder ein Stirnrunzeln.»

So nervös wie bei seinem ersten Auftritt in Sirnach werde er heute nicht mehr. Trotzdem lässt ihn das Lampenfieber nicht kalt: «Ich bin immer nervös vor einem Auftritt», sagt er. Früher sei er bereits eine Stunde, bevor er auf die Bühne musste, aufgeregt gewesen, heute seien es aber nur noch wenige Minuten davor.

Den Bodensee vermisst er am meisten

Der gebürtige Goldacher lebt seit einigen Jahren in Bern. Weil er so viel arbeite und unterwegs sei, habe er aber nicht viel mit der Stadt zu tun. In seiner alten Heimat am Bodensee ist Kaiser nicht mehr oft: «Ich besuche meine Eltern ab und zu, aber weniger als ich eigentlich sollte», sagt er. Trotzdem gebe es Momente in denen ihm die alte Heimat fehle. Jedes Mal, wenn er wieder in Goldach sei, merke er, wie schön es hier sei:

«Auch wenn es abgedroschen klingt, vermisse ich am meisten den Bodensee.»

Vor kurzem ist Kaiser mit einem der bedeutendsten Kleinkunstpreise im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet worden – dem Salzburger Stier. Er habe sich sehr gefreut, aber eigentlich würden ihn Auszeichnungen nicht allzu sehr beschäftigen: «Ich erwarte nicht, Preise zu gewinnen, weil ich nicht jemand bin, der viele Ambitionen oder Ziele hat», sagt er. Der schönste Preis sei, dass er das tun könne was ihm Spass mache. Alles was dazu kommt, sieht er als Bonus: «Und der Salzburger Stier ist natürlich ein grosser Bonus.»

Seine eigene Sendung über Tabus und Humor

Seit rund zehn Jahren lebt Kaiser vom Komikerdasein. Als stolz über seine Karriere würde er sich jedoch nicht bezeichnen: «Ich habe mir nichts von all dem vorgenommen, darum kann ich auch nicht richtig stolz sein.» Wenn er jedoch etwas nennen müsste, wäre es seine Fernsehsendung Tabu, die vor etwa einem halben Jahr zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. «Tabu war bisher meine schwierigste Aufgabe», sagt er. In der Sendung geht es darum, dass Kaiser Menschen aus Randgruppen kennen lernt und seine Erlebnisse mit Humor wiedergibt. Tabus und Comedy miteinander zu verbinden, sei eigentlich einfach. Das Schwierigste sei den Leuten zu versichern, dass es ok ist über Tabus Witze zu machen, sofern man sich Mühe gebe und gut zuhöre. Randgruppen sollten nicht auch noch vom Humor ausgeschlossen werden.

Auf die Frage was ihm am besten daran gefällt Komiker zu sein, reagiert er mit einem Lachen. «Dass ich nichts anderes machen muss», sagt er. Sonst wäre er wohl Lehrer oder Journalist geworden – was er auch gerne gemacht hätte – aber halt auch nicht ganz so gerne, wie auf der Bühne zu stehen. Als Komiker kann Renato Kaiser genau das machen, was er am liebsten macht – nachdenken und darüber schreiben: «Ich werde dafür bezahlt mir Gedanken zu machen», sagt er. Ihm sei klar, dass das ein grosser Luxus sei. Aber er finde auch, dass es ihn, stellvertretend für alle Komiker, durchaus brauche.

Ein Lieblingsthema für seine Witze habe er noch nicht gefunden. Bekannt ist Renato Kaiser aber dafür, dass er gerne die Ostschweiz auf die Schippe nimmt. Ostschweizer würden oftmals denken, dass andere ihre Aussprache schrecklich finden würden: «Dabei haben wir einfach einen lustigen Dialekt und sollten aufhören uns dafür zu schämen.» Am liebsten rede er über Dinge, die er absurd oder erstaunlich finde. Er sagt:

«Ich bin ein rationaler Mensch und habe es gerne vernünftig und normal.»

Darum liege der Reiz seiner Texte darin, dass er absurde Sachen sehr nüchtern auseinandernehme.

Bald kommt sein neues Soloprogramm

Neben seinen Auftritten im Radio, Fernsehen und auf der Bühne arbeitet Kaiser an einem weiteren grossen Projekt: «Ich bin gerade dabei ein neues Soloprogramm zu schreiben», sagt er. Bis zur Premiere im Herbst im Casinotheater Winterthur soll dieses fertig sein. Eine neue Sendung hingegen werde noch eine Weile auf sich warten lassen: «Planerisch geht Tabu dieses Jahr leider nicht auf.» Das Ziel sei jedoch, im nächsten Frühjahr eine neue Staffel zu produzieren.

Wie Kaiser sagt, sei er nicht jemand, der sich gerne allzu viel vornehme. «Was ich aber weiss, ist, dass ich auch in Zukunft an so coolen Projekten wie Tabu mitarbeiten will.» Wenn es so weiter gehe wie bisher, dass er vom Schreiben und Auftreten leben könne, dann sei er wunschlos glücklich.