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Der polternde Buchhändler

Sein Herz schlägt für Musik, Fussball und Bücher: Jörg Caluori war Geschäftsführer bei Musik Hug, beim FC St.Gallen und Filialleiter im Rösslitor. Und er ist ein Gewerbevertreter, der kein Blatt vor den Mund nimmt.
Christina Weder
«Was soll ich lesen?»: Jörg Caluori, ehemaliger Filialleiter im Rösslitor. (Bild: Ralph Ribi)

«Was soll ich lesen?»: Jörg Caluori, ehemaliger Filialleiter im Rösslitor. (Bild: Ralph Ribi)

Jörg Caluoris Blick streift über die Regale in den neuen Räumen der Buchhandlung Rösslitor. «Was ist die permanente Überforderung des Buchhändlers?», fragt er und gibt die Antwort gleich selbst: «Er ist ständig mit der Frage konfrontiert: was soll ich lesen?» Die Auswahl ist überwältigend.

14 Jahre war Caluori von Büchern umgeben. So lange hat der 65-Jährige die Filiale der Orell Füssli Thalia AG geleitet. Kurz vor der Eröffnung am neuen Standort an der Marktgasse ist er pensioniert worden. Doch er denkt nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. «Ich bin ein Macher und werde immer arbeiten», sagt er. Im Mandatsverhältnis ist er weiterhin für Orell Füssli tätig.

«Ich habe einfach gerne ein Buch in der Hand»

Als er die Stelle als Filialleiter antrat, dachte Caluori nicht im Traum daran, welch schwierige Zeiten auf den Buchhandel zukommen würden. Der Kostendruck und die Konkurrenz aus dem Internet stiegen stetig. Doch Caluori war und ist ein Fürsprecher des Buches: «Ich habe einfach gerne ein Buch in der Hand.» Oft war er persönlich in der Buchhandlung anzutreffen. Und er fiel auf: Bäriger Typ, Kraushaar, Brille, wacher Blick.

Seine Karriere hat er in einer anderen Branche begonnen. Caluori, der in St. Gallen aufgewachsen ist, hat eine Lehre als Chemielaborant in Basel gemacht. Später arbeitete er länger in der Informatikbranche, bevor er mit seiner jungen Familie vor 30 Jahren nach St.Gallen zurückkehrte – zunächst als Leiter von Musik Hug, dann als Geschäftsführer des FC St.Gallen und schliesslich als Filialleiter im Rösslitor. Ob Musik, Fussball oder Bücher – er sei flexibel, sagt Caluori. Er interessiert sich allgemein für die Dinge um ihn herum, kommt schnell ins Gespräch, erzählt gerne, springt von einem Thema zum nächsten, lacht immer wieder. Er ist offen und direkt – manchmal zu direkt, wie er sagt.

Tatsächlich ist Caluori mehrfach als Vertreter des Gewerbes in Erscheinung getreten, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Er kann poltern und anderen gar an den Karren fahren. Er wählt einen englischen Ausdruck dafür. Er sei «unpolite», also unhöflich. «Ich mag nicht immer allen alles recht machen.»

Was ihn besonders in Rage bringt, sind die vielen Auflagen und Vorschriften. «Wir Gewerbler werden nur behindert», schimpft er. Und bringt ein Beispiel: Einmal wollte er eine Kundenaktion durchführen und allen, die ein Buch kauften, eine Bratwurst in die Hand drücken. Aus der Idee wurde nichts. Denn Caluori erhielt keine Bewilligung. Noch heute empört er sich darüber. Ins Feuer redet er sich auch bei Themen wie der Gestaltung des Marktplatzes oder der Parkplatzbewirtschaftung. Wenn er sich engagiert, dann tut er das aus persönlichem Antrieb und nicht als Mitglied einer Partei. In seiner Lehrzeit hatte er sich einer linken Partei angeschlossen, doch im Laufe seiner Karriere sei er liberaler und offener geworden.

Fussball und Fernweh

Rückhalt findet Caluori in seiner Familie, vor allem bei seiner Frau, die er vor über 40 Jahren kennengelernt hat. Sie sei die Konstante in seinem Leben, sagt er. Die beiden haben zwei erwachsene Söhne und einen einjährigen Enkel.

Als weitere Konstante könnte man den Fussball bezeichnen. Caluori ist ein «Ur-Fan des FC St.Gallen» und erinnert sich, wie er als 16-Jähriger 1969 am Cupfinal in Bern mitfieberte – im selbst bemalten grün-weissen Pyjama. Im Jahr 2000 organisierte er in der Stadt die Meisterfeier und wurde noch im selben Jahr Geschäftsführer des Clubs. Heute zählt er sich nicht mehr zu den treuen Match-Besuchern. Er ist einer von denen, die den alten Stadion-Zeiten im Espenmoos nachtrauern. Sein Herz schlägt nun für den FC Liverpool. Der englische Fussball sei emotionaler, da gingen die Wogen noch hoch. «Für die Engländer ist Fussball das Leben. Bei uns ist es eine nette Nebenbeschäftigung.»

Nicht nur für Fussball hat er künftig wieder mehr Zeit. Er schmiedet weitere Pläne und träumt davon, einen Teil des Jahres auf der Südhalbkugel zu verbringen. Er sei gerne in der Natur. «Im afrikanischen Busch vergesse ich die Sorgen des Alltags und kann wunderbar abschalten.»

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