Der Pilotversuch war ein Erfolg: Jetzt soll die Street-Art- und Graffitiwand vorerst auf die Kreuzbleiche zurückkehren

Während drei Monaten konnten Sprayerinnen und Sprayer vergangenes Jahr auf der Kreuzbleiche legal ihre Künste unter Beweis stellen. Jetzt liegt das Baugesuch für eine Weiterführung auf.

Sandro Büchler
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Der Stadtsanktgaller Versuch mit einer Holzwand, auf der sich Sprayerinnen und Sprayer legal austoben dürfen, war ein voller Erfolg. Die Wand zwischen Reithalle und Skateranlage am Rand der Kreuzbleiche wurde im vergangenen Sommer während dem dreimonatigen Pilotbetrieb rege benutzt.

Darum will die Dienststelle «Kinder, Jugend, Familie» der Stadt St.Gallen die Street-Art- und Graffitiwand künftig permanent anbieten. Vorderhand nochmals auf der Kreuzbleiche, bevor die als «Hall of Fame» bezeichnet Kreativwand voraussichtlich im Frühling 2021 ins Areal Bach hinter den Bahnhof St.Fiden zügeln kann.

Ende Juni sollen die Wände aufgebaut werden

Bis 10. Juni liegt das Baugesuch für die Spraywand auf der Kreuzbleiche öffentlich auf. Gehen keine Einsprachen ein, könne sie vermutlich Ende Juni aufgebaut und der Sprayercommunity übergeben werden, sagt Daniela Epple von der Offenen Jugendarbeit der Stadt.

«Sobald wir grünes Licht haben, geben
wir Gas und besorgen so schnell wie möglich die Holzwände.»
Daniela Epple, Offene Jugendarbeit der St.Gallen

Daniela Epple, Offene Jugendarbeit der St.Gallen

Bild: PD

Die Holzwand für Sprayerinnen und Sprayer werde analog dem letztjährigen Versuchsbetrieb aufgebaut. Sie werde identisch wie im Vorjahr rund 40 Meter lang und von Montag bis Samstag, 8 bis 22 Uhr, sowie am Sonntag, 9 bis 21 Uhr, zugänglich. Voraussetzung ist allerdings, dass es keine Terminkollisionen zwischen dem Betrieb der Street-Art- und Graffiti-Plattform und anderen Veranstaltungen auf der Kreuzbleiche gibt. Es existiert ein Belegungsplan für den Kiesplatz vor der Reithalle. An reservierten Daten soll der Betrieb der Spraywand falls nötig eingeschränkt oder gar eingestellt werden.

Da die Anti-Corona-Massnahmen gestern vom Bundesrat gelockert wurden, sind Treffen von mehr als fünf Personen wieder möglich. So steht auch einem spontanen Treffen von Sprayerinnen und Sprayern nichts mehr im Weg.

Die Aufsicht über den Zustand der Wand hat die Offene Jugendarbeit Zentrum. Gedacht ist die Wand für kunstvolle Graffiti- und Street-Art-Zeichnungen; Schmierereien oder gar diskriminierende Parolen werden nicht toleriert und übermalt.

Ab 2021 soll auf Beton gesprayt werden

Im Projektbeschrieb für die Graffiti- und Street-Art-Plattform wird das Bedürfnis danach betont. St.Gallen sei die einzige grössere Schweizer Stadt, die keine öffentlichen Wände zur Verfügung stelle, auf denen legal, ohne Bewilligung und Voranmeldung gesprayt werden könne. Dies habe zur Folge, dass Graffiti in der Öffentlichkeit oft mit illegalen Schmierereien in Zusammenhang gebracht würden. Epple sagt:

«Dass Street-Art eine eigene Kunstform darstellt, die viel künstlerisches
Geschick voraussetzt, rückt dabei
in den Hintergrund.»

Der Tenor aus der Bevölkerung gegenüber der Spraywand war 2019 stets positiv. Von den Senioren aus dem nahen Altersheim kam ebenso Lob wie von zahlreichen Eltern, deren Kinder die Wand in der Kreuzbleiche für erste Gehversuche beim Graffitisprayen nutzten.

Dauerhaft ist aber auch die Graffitiwand in der Kreuzbleiche nicht. Im «Areal Bach» soll ab 2021 eine permanente Lösung mit einer Betonwand entstehen. Offen ist laut Epple deren Finanzierung. «Die Wand in der Kreuzbleiche ist eine Zwischenlösung. Wichtig ist uns, dass wir eine legale Plattform anbieten können und die jungen Kunstschaffenden unterstützen.»