Der pensionierte Gossauer Pfarrer Hermann Hungerbühler widmet sich in seinem neuen Buch alltäglichen Wundern

Soeben ist «Mosaik der Wunder-Welten» von Hermann Hungerbühler erschienen. Der 87-Jährige hat mehr als zehn Jahre an seinem neuen Werk gearbeitet.

Marion Loher
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Seit bald sieben Jahren lebt Hermann Hungerbühler wieder in Gossau.

Seit bald sieben Jahren lebt Hermann Hungerbühler wieder in Gossau.

Bild: Urs Bucher (2. März 2020)

Hermann Hungerbühler ist stolz. Sehr stolz sogar, wie er mit breitem Lachen anfügt. Soeben ist sein neues Buch «Mosaik der Wunder-Welten» erschienen. Darin erzählt der pensionierte Pfarrer, der in Gossau wohnt, von Personen und Phänomenen verschiedener Zeiten und Weltanschauungen.

Hungerbühler sieht vielerorts Wunder, am oberen Zürichsee, wo er einst wohnte, wie bei den Menschen der Steinzeit, bei den verschiedenen Religionen genauso wie bei den «glaubenden Atheisten». Über diese «Wunder-Welten» hat der 87-Jährige zehn Geschichten geschrieben, die viel mit Mystik, Lyrik und dem Glauben zu tun haben. Der Theologe sagt:

«Das Buch soll zum Nachdenken sowie zur kritischen Auseinandersetzung mit alten, teils festgefahrenen Traditionen anregen.»

Mehr als zehn Jahre hat er an seinem neuen Werk gearbeitet, das eine rund 250 Seiten umfassende Sammlung seiner Erfahrungen, seines Wissens und seiner Begegnungen ist. So schreibt Hungerbühler beispielsweise, dass eines Morgens, als er noch in Bollingen am Zürichsee wohnte, ein Student aus Prag an seiner Tür klingelte und wissen wollte, wo der berühmte Professor gelebt habe.

Dies sei ein deutliches Zeichen dafür gewesen, dass er den bisher unbeachteten Winkel in unmittelbarer Nähe nicht mehr länger ignorieren sollte. Das Versteck war das Refugium von Carl Gustav Jung und es sollte sich als «eine Welt voller Wunder» herausstellen.

Ruhestand: Zeit zu schreiben

Die Begegnung mit dem Studenten, die entdeckte Wunderwelt und vor allem die Ausstellung «Die Sehnsucht nach dem Absoluten» im Rietbergmuseum Zürich hätten den Ausschlag gegeben, das Buch zu schreiben. Allerdings ist es nicht sein erstes.

Hungerbühler hat bereits mehrere Publikationen herausgebracht, zum Beispiel «Jahrzeitessen – vom heidnischen Totenmahl zum Ahnengedenken» oder «St.Galler Patres im Mailand des 18. Jahrhunderts».

Zudem hat er seinen Familiennamen unter die Lupe genommen und nachgeforscht, woher der Name kommt, was er bedeutet und welche bekannten Personen ihn schon trugen.

Hungerbühler selbst wuchs in Arnegg mit sechs Geschwistern auf. Nach der Primar- und Sekundarschule absolvierte er eine Kaufmännische Lehre bei einer Holz- und Baufirma in Gossau. Das Militär war für den damals 20-Jährigen keine gute Erfahrung und der Gedanke, den Beruf zu wechseln, wuchs.

Er wurde Priester und arbeitete daraufhin in verschiedenen Pfarreien in der Ostschweiz. Dazwischen – von 1986 bis 1991 – war er Rektor der Deutschsprechenden Gemeinde in Lissabon. Die letzte Station vor seiner Pensionierung war die Doppelpfarrei Niederbüren-Oberbüren, wo er sieben Jahre blieb.

Umzug nach Gossau als Rückkehr zu den Wurzeln

Für seinen dritten Lebensabschnitt wünschte er sich, mehr tun und lassen zu können, wie er es wollte. «Ich träumte von einem ruhigeren Leben mit weniger öffentlicher Verantwortung.» Er zog nach Bollingen, kümmerte sich um seinen Garten, pflegte seine kulturellen Interessen und begann zu schreiben. «Endlich hatte ich Zeit.» Daneben blieb er seelsorgerisch tätig und machte mit 74 Jahren sein Theologisches Lizenziat in Chur.

«Der aktive Ruhestand bot mir Gelegenheit, nochmals in die Phänomene Gott, Kirche und Welt einzutauchen.»

Mittlerweile wohnt Hungerbühler in Gossau, leicht erhöht, mit herrlichem Blick auf den Säntis. «Einmal zu den Wurzeln, in die mir vertraute Umgebung zurückzukehren, war ein grosser Wunsch von mir.»

Und den hat er sich vor bald sieben Jahren erfüllt. Der pensionierte Pfarrer ist viel in der Natur unterwegs, vor allem im Andwiler Moos, aber auch in der Stadt St.Gallen.

Seine Einkäufe erledigt der 87-Jährige noch selbst. «Ich bin gerne unter Leuten. Nur so bleibe ich am Puls der Zeit.» Gibt es bereits Ideen für ein neues Buch? «Die gibt es», sagt er und lächelt spitzbübisch. Mehr will er nicht verraten.

Hinweis: «Mosaik der Wunder-Welten», ISBN: 978-3-905724-67-7, Verlagshaus Schwellbrunn.