Der Operationsstopp am Spital Rorschach polarisiert: «Die politische Diskussion ist noch nicht vom Tisch» - Stadtpräsident rechnet mit Antworten vom Kantonsrat

Am Spital Rorschach wird nicht mehr operiert. Statt mit Ärger reagiert der Stadtpräsident mit Nüchternheit. Die Hausärzte der Hafenstadt sind sich uneins.

Jolanda Riedener
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Die Coronasituation hat das Spital Rorschach zusätzlich geschwächt.

Die Coronasituation hat das Spital Rorschach zusätzlich geschwächt.

Bild: Urs Bucher
Röbi Raths (FDP), ist Stadtpräsident von Rorschach.

Röbi Raths (FDP), ist Stadtpräsident von Rorschach.

Bild: Urs Bucher

Der Operationsbetrieb im Spital Rorschach wird eingestellt, das hat der St.Galler Spitalverwaltungsrat mitgeteilt. Während Guido Etterlin, SP-Kantonsrat und Stadtrat von Rorschach, seine Empörung darüber deutlich zeigte, äussert sich Stadtpräsident Röbi Raths (FDP) differenzierter:

«Ich nehme den Entscheid entgegen. Die politische Diskussion ist aber noch nicht vom Tisch.»

Im September soll die Spitaldebatte im St.Galler Kantonsrat geführt werden.

Ob er den Entscheid der Spitalleitung nachvollziehen könne und wie er diesen bewerte, will Raths nicht sagen. «Die Spitaldiskussion hat eine Vorgeschichte. Vieles hängt zusammen», sagt er. Jetzt brauche es eine politische Diskussion. Es handle sich hierbei nicht um ein Problem, das nur die Standortgemeinden angehen müssten. Sicher ist für Raths:

«Rorschach darf nicht leer ausgehen.»

Den Beschluss, dass in Rorschach nicht mehr operiert werde, habe Stadtpräsident Raths dahin gehend überrascht, als dieser recht schnell und ohne Ankündigung gefasst wurde. Die Ausgangslage und Diskussionen ums Spital seien hingegen natürlich nicht neu. In der Vergangenheit äusserten sich neben Politikern auch Hausärzte zur Spitalstrategie.

Spitalleitung stellt Spital Rorschach vor Tatsachen

Kritisiert hat die Schliessung des Spitals Rorschach unter anderem Thomas Chlibec. Für den Arzt kommt der Operationsstopp nicht überraschend. Er sagt:

«Die Spitalleitung nimmt den politischen Prozess vorweg und schafft Tatsachen.»

Werde der Betrieb einmal heruntergefahren, könne man diesen Prozess nur schwer wieder rückgängig machen. Andererseits sei die Entscheidung konsequent. Offensichtlich wolle die Spitalleitung das Spital Rorschach nicht erhalten. Der Abbau sei ein schwerer Schlag, da dadurch eine qualitative und kostengünstige Versorgung verloren gehe.

Andreas Hartmann ist Arzt und FDP-Alt-Kantonsrat.

Andreas Hartmann ist Arzt und FDP-Alt-Kantonsrat.

Bild: Benjamin Manser

Für den Rorschacher Arzt und ehemaligen FDP-Kantonsrat Andreas Hartmann steht nicht der Standort, sondern die Dienstleistung im Vordergrund. Hartmann sagt:

«Für meine Patienten ist wichtig, dass sie zeitnah behandelt werden und die Qualität stimmt.»

Daran ändere sich nichts, wenn in Rorschach keine Operationen mehr durchgeführt werden, denn spitalintern funktioniere der Betrieb nach wie vor – unabhängig vom Standort.

Über 1000 Unterschriften für den Spitalerhalt

Benedict Wasmer will das Rorschacher Spital retten.

Benedict Wasmer will das Rorschacher Spital retten.

Bild: Nik Roth

Seit März sammelt der Rorschacher Benedict Wasmer Unterschriften für den Erhalt der St.Galler Regionalspitäler. Inzwischen hat er seine angestrebten 1000 Unterschriften erreicht: Bisher hat er 1030 gesammelt. «Auch wenn ich mein persönliches Ziel erreicht habe, werde ich mich weiter darum bemühen, so viele Unterschriften zusammenzutragen wie möglich», schreibt der Petitionär in einer Mitteilung. Er habe viel Zuspruch für sein Engagement erhalten und es würden sich immer mehr Freiwillige melden, die sich an der Unterschriftensammlung beteiligen wollten. Er sagt:

«Je mehr Unterschriften wir sammeln können, umso mehr Gewicht hat unser Anliegen.»
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