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Er flickt uralte Autos: Der Oldtimer-Fachmann aus St.Gallen

Sepp Egger ist mit seiner Oldiwerkstatt weit über die Landesgrenzen bekannt. Kein Problem, das er nicht beheben kann, und sei der Veteran 100-jährig.
Peter Hummel
Sepp Egger hat ein Flair für alte Autos – und lebt dieses voll aus. (Bild: Peter Hummel)

Sepp Egger hat ein Flair für alte Autos – und lebt dieses voll aus. (Bild: Peter Hummel)

Sein Lachen ist ansteckend, sein Humor unübertrefflich. Sepp Egger ist die gute Laune in Person – er findet für alles eine Lösung. Ein Besuch in der Oldiwerkstatt erspart eigentlich den Gang zum Psychiater. Kunststück, bei so schönen Dingen wie Oldtimern: Da man alles handwerklich reparieren kann, ist auch ein unmittelbares Erfolgserlebnis garantiert.

Weil die Eltern Sepp Eggers Lieblingsberuf, Automechaniker, nicht zuliessen, wählte er das nächst nähere – bei den FFA Altenrhein machte er eine Lehre als Flugzeugmechaniker; Ende der 1960er-Jahre wurden dort das Trainingsflugzeug Bravo und Flügelbleche für den Starfighter hergestellt.

Seine Frau brachte ihn aber doch noch ins geliebte Metier und den Romanshorner Seebub nach St.Gallen: 1979 übernahm er die Shell-Tankstelle an der Erlachstrasse. 15 Jahre später die Agrola-Tankstelle im Riethüsli und 2008 die ehemalige Stadtgarage anfangs Teufener Strasse, wo er erstmals unter dem Namen «Die Oldiwerkstatt» firmierte. Wegen Aufhebung der Schutzwürdigkeit musste er aber schon nach einem Jahr ins jetzige ­Domizil umziehen, in die ehemalige Porsche-Garage im Heiligkreuz.

Weltweites Aufspüren von Ersatzteilen

Offiziell nennt sich «Die Oldiwerkstatt» Kompetenzzentrum für Oldtimer und klassische Automobile. Wohlan: «Kompetenz und Leidenschaft» werden nicht nur Reparaturen und Unterhalt zuteil, sondern auch stilgetreuen Rekonstruktionen und Veteranisierungen. Da kommen das ganze mechanische Geschick und die lebenslange Erfahrung Eggers zum Tragen.

Gleichwohl setzt er auch auf die digitale Welt – wenn’s um das weltweite Aufspüren von Ersatzteilen geht, ist er manchmal wochenlang online am Suchen. Und was wirklich nirgends zu finden ist, wird einfach selbst angefertigt: Wer ins Untergeschoss steigt, fällt in eine eigentliche Zeitmaschine; da finden sich nicht nur Hunderte von Schachteln mit Ersatzteilen aus dem ganzen letzten Jahrhundert, da stehen auch noch zwei Drehbänke, ein Bohrwerk und eine Zylinderschleifmaschine. Kurz: Die Oldiwerkstatt macht bis auf Carrosserie- und Sattlerarbeiten alles – und vor allem bei allen Marken.

Auch ausgestorbene Marken

Sepp Egger schätzt, dass er schon weit über 50 Marken in der Werkstatt hatte, darunter mehrere 100-jährige Veteranen, wie etwa einen Rolls-Royce Silver Ghost mit Baujahr 1918. Neben den obligaten Luxuskarossen wie Rolls-Royce, Bentley oder Jaguar fahren bei ihm auch längst ausgestorbene Marken wie Alvis, De Soto, Facel Vega, Packard oder Studebaker vor.

Eine solche Generalität kann keine Oldtimer-Werkstätte in der Ostschweiz bieten; Egger schätzt, dass es in der ganzen Schweiz höchstens noch eine Handvoll ähnlicher Betriebe gebe. Kein Wunder kommen Kunden innert eines Radius von 300 Kilometer weit her.

Sepp Egger (links) und Moritz Kind vor einem Rolls Royce Phantom 1, einem besonderen Prunkstück.

Sepp Egger (links) und Moritz Kind vor einem Rolls Royce Phantom 1, einem besonderen Prunkstück.

In der Ausbildung tätig

Natürlich findet Sepp Eggers immense Expertise auch offizielle Wertschätzung: Beim Rolls-Royce-Enthusiasts-Club fungiert er als Technical Director und bei der Swiss Historic Vehicle Federation als Experte. Dazu amtet er als Inspektor bei der FIVA, einer Organisation, welche die internationalen Originalitätsnachweise herausgibt.

Sein Wissen wird inzwischen auch zur Ausbildung genützt: An der Technischen Berufsschule Zürich erteilt Egger Praxisunterricht für angehende Fahrzeugrestauratoren. Von den jährlich ein bis zwei Dutzend Teilnehmern brächten leider selten mehr als eine Handvoll das Flair mit, um dem Oldtimer-Metier langfristig erhalten zu bleiben – viel zu wenige, um den steigenden Oldtimer-Bestand professionell unterhalten zu können.

Zwei Starrköpfe als Team

Für den eigenen Betrieb ist Gott sei Dank vorgesorgt: Nachdem Egger vor sieben Jahren Moritz Kind «widerwillig» als frischgebackenen Maturanden vom Institut Rosenberg für ein Praktikum akzeptierte, hat sich der Oldtimer-Fan im Nu zum Glücksfall entwickelt. Wie für Sepp Egger selber ist dieser Beruf für Moritz Kind eine Berufung – zwei «Starrköpfe» haben sich gefunden ...

Allerdings kann sich Egger auch mit 68 noch kein Kürzertreten vorstellen; immerhin erlaubt er sich heute, auch mal Zeit in ein Hobby zu investieren: Seit Monaten restauriert er einen Datsun Cherry von 1974 zu einer Rennfeile – in Erinnerung an seinen ersten frisierten Cherry in den 1970er-Jahren. Jetzt weiss er, wie man das richtig macht. Und hat damit erst noch eine Kontrastbeschäftigung neben all den Luxuskarossen.

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