Region Gossau: Der neue Fahrplan polarisiert

Die Reaktionen der Pendler auf den neuen Fahrplan fallen in der Gossauer Peripherie verschieden aus. Während in Waldkirch viel Positives zu hören ist, gibt es in Andwil kritische Stimmen.

Yann Lengacher
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«In der ersten Woche habe ich nur geflucht»: Manche Passagiere finden zum Fahrplanwechsel deutliche Worte. (Bild: Urs Bucher)

«In der ersten Woche habe ich nur geflucht»: Manche Passagiere finden zum Fahrplanwechsel deutliche Worte. (Bild: Urs Bucher)

Das Arnegger Bahnhofsgebäude will mit seiner schmucken Bauart irgendwie so gar nicht zu den modernen Einfamilienhäusern passen, die jenseits der Gleise liegen. Um den Bahnhof ist es an diesem Montagmorgen ruhig. Die Meinung einer Passagierin zum neuen Busfahrplan passt aber nicht in das morgendliche Idyll: «In der ersten Woche habe ich nur geflucht», erinnert sich die 92-Jährige. Sie pendle seit 30 Jahren regelmässig zwischen Gossau und Waldkirch. Mittlerweile habe sie sich aber an den neuen Fahrplan gewöhnt und findet, dass sich für sie sogar eine Verbesserung ergeben habe. Da sie nun jeweils mit dem Zug statt mit dem Bus an den Arnegger Bahnhof gelange, wo sie auf das Postauto umsteigt, sei sie schneller in Waldkirch.

Eine Studentin, die in Richtung St.Gallen unterwegs ist, zieht ebenfalls ein positives Fazit, besonders die neue Verbindung in die Stadt über Wittenbach finde sie toll. Gemeindepräsident Aurelio Zaccari ist mit dem Fahrplan grundsätzlich zufrieden: «Die Mehrheit der Rückmeldungen ist sehr positiv ausgefallen. Viele Vorschläge des Gemeinderates wurden damals berücksichtigt, zum Beispiel die bessere Erschliessung des Oberwaldes, sowie die Verdichtung des Angebotes auf der Linie 154.» In den ersten Wochen hätten nur zwei Bürger geklagt, dass einige Anschlussverbindungen noch nicht optimal funktionierten.

Arnegger sind geteilter Meinung

«Der neue Fahrplan gefällt mir definitiv nicht», echauffiert sich eine Pendlerin aus Arnegg, die mit ihrem Mann auf den Zug wartet. Auf dem Heimweg von Herisau habe sie nun eine längere Reisezeit. Zufriedener sind zwei Kanti-Schülerinnen, die auch in Arnegg wohnen: Es sei zwar schade, dass sie am Morgen entweder eine halbe Stunde zu früh oder knapp zu spät in der Schule ankämen, aber dafür seien die Verbindungen immerhin genauso schnell wie vor dem Fahrplanwechsel. Für Markus Giger, den Präsidenten der Arnegger Dorfkorporation, ist es schwierig, die ÖV-Situation der Gemeinde zu beurteilen. Er habe noch keine Rückmeldungen erhalten.

Auch in Andwil hat man sich mit dem neuen Fahrplan befasst. Gemeindepräsident Toni Thoma hat in den ersten Wochen kritische Stimmen gehört: «Das Feedback, das ich bekommen habe, war eher negativ. Manchen Leuten gefällt die neue Buslinie 159 nicht. Nüchtern betrachtet kann man sagen, dass das Angebot für Andwil nicht mehr ganz so gut ist.» Thoma bedauert, dass das kantonale Amt für Verkehr nicht die vom Gemeinderat bevorzugte Variante für den neuen Fahrplan berücksichtigte. Dennoch sei er überzeugt, dass Andwil nach wie vor über ein gutes ÖV-Angebot verfüge.

Längere Reisezeit von Andwil nach Gossau

Bemängelt worden sei hauptsächlich die Erschliessung des Gossauer Bahnhofs. Entweder fährt man via Mettendorf, inklusive Umsteigen, oder wie bisher über Arnegg, wobei sich die Reisezeit auf diesem Weg verlängert hat.

Zwei Pendler aus Andwil, ein Student und ein Bankangestellter, nennen auf Nachfrage diesen Negativpunkt. Der Student vermutet: «Wahrscheinlich wollte man, dass weniger Busse durch das Gossauer Zentrum fahren. Aus diesem Grund wurden wohl die Andwiler Buslinien angepasst. Das kostet uns jetzt mehr Zeit.» Er sei insgesamt dennoch zufrieden mit den neuen Verbindungen: Die Frequenz der Busse habe sich erhöht und was die anderen Änderungen betreffe, sei vieles auch Gewohnheitssache.