Der nationale Verein Umverkehr reicht in St. Gallen seine Stadtklima-Initiativen ein – das Motto: «Bäume statt Asphalt!»

Für zwei Umweltinitiativen wurden innerhalb drei Wochen je 1500 Unterschriften gesammelt. Dienstag wurden nun beide Volksbegehren offiziell im St. Galler Rathaus eingereicht.

Theepan Ratneswaran
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Die Stadtklima-Initiativen werden unterstützt von den Grünen, dem VCS St. Gallen/Appenzell, der Politischen Frauengruppe, den Jungen Grünen, der Juso, der Integralen Politik, dem WWF und der SP von einer breiten Trägerschaft unterstützt.

Die Stadtklima-Initiativen werden unterstützt von den Grünen, dem VCS St. Gallen/Appenzell, der Politischen Frauengruppe, den Jungen Grünen, der Juso, der Integralen Politik, dem WWF und der SP von einer breiten Trägerschaft unterstützt.

Bild: Arthur Gamsa (17. November 2020)

Am Dienstag hat der Verein Umverkehr in St. Gallen die Zukunfts-Initiative und die Gute-Luft-Initiative mit je 1500 Unterschriften eingereicht - als erste Stadt in der Schweiz. In Bern, Genf, Winterthur und Zürich werden die Initiativen im kommenden Frühling lanciert.

«Es freut mich sehr, dass wir die sogenannten Stadtklima-Initiativen heute hier in St. Gallen einreichen können», sagt Franziska Ryser, Co-Präsidentin Umverkehr und St. Galler Nationalrätin der Grünen. Umverkehr ist ein nationaler Verein, welcher sich seit 1992 für einen nachhaltigeren Verkehr einsetzt und nun mit den zwei neuen Initiativen schweizweit Akzente setzen möchte.

Franziska Ryser mit einem Cargo-Bike, das einen Baum transportiert: Die Initianten unterstreichen ihre Forderung nach mehr Platz für Bäume sowie nach einer klimafreundlichen Mobilität mit einer symbolischen Aktion.

Franziska Ryser mit einem Cargo-Bike, das einen Baum transportiert: Die Initianten unterstreichen ihre Forderung nach mehr Platz für Bäume sowie nach einer klimafreundlichen Mobilität mit einer symbolischen Aktion.

Bild: Arthur Gamsa (17. November 2020)

Mehr Bäume, weniger Asphalt

Beide Initiativen ergänzen sich laut Ryser. Die «Initiative für eine zukunftsfähige Mobilität» (Zukunfts-Initiative) will den öffentlichen Verkehr und den Velo- und Fussverkehr stärken und den Autoverkehr in den Städten reduzieren. Der konkrete Plan: Während zehn Jahren sollen jährlich 0,5 Prozent der Verkehrsfläche umgenutzt werden und dem Langsamverkehr zugutekommen. Somit könne dem CO2, der Ursache des Klimawandels, entgegengewirkt werden, sagt Franziska Ryser.

«30 Prozent der CO2-Emissionen entstehen durch den Verkehr, grösstenteils durch den motorisierten Individualverkehr.»

Die «Initiative für ein gesundes Stadtklima» (Gute-Luft-Initiative) wiederum steht für ein grüneres Stadtbild. Das erklärte Ziel hier: Jährlich sollen 0,5 Prozent Grau- zu Grünflächen umgenutzt werden – ebenfalls während zehn Jahren. Die Grüne Nationalrätin sagt, dass mit dieser Massnahme die Auswirkungen des Klimawandels bekämpft werden sollen.

Die Sommer werden immer heisser

Im Sommer kommt es vermehrt zu Hitzeinseln, wo sich die Wärme staut. Es gäbe viele Stellen in der Stadt, die sehr grosszügig für den Verkehr ausgestaltet und mit Beton zugepflastert seien. Die Begrünung des Strassenraums könne da Gegensteuer geben, sagt Ryser. Dank besserem Klima und besserer Luftqualität werde zudem ein Beitrag an die Gesundheit der Bevölkerung geleistet.

Ein Vorschlag von Umverkehr: Die Schützengasse könnte mit weniger Parkplätzen und mehr Bäumen umweltfreundlicher werden.

Ein Vorschlag von Umverkehr: Die Schützengasse könnte mit weniger Parkplätzen und mehr Bäumen umweltfreundlicher werden.

Bild: PD/Umverkehr

Der Veloverkehr würde durch mehr oder breitere Velospuren attraktiver werden. Die Menschen seien klimabewusster, sagt Ryser. Der Anteil autofreier Haushalte nehme zum Beispiel zu. Dieser Trend gehe weiter und müsse sich nun auch in einem Ausbau von Fuss- und Velowegen niederschlagen.

Für Umweltthemen herrsche Akzeptanz, sagt die Co-Präsidentin Umverkehr. In St. Gallen werden die Initiativen mit den Grünen, dem VCS St. Gallen/Appenzell, der Politischen Frauengruppe, den Jungen Grünen, der Juso, der Integralen Politik, dem WWF und der SP von einer breiten Trägerschaft unterstützt. Ob die angestrebten Massnahmen die richtigen seien, das werde jedoch sicherlich bald rege diskutiert, sagt Ryser.