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«Es war keine Liebe auf den ersten Blick»: Wie ein Seebub das Schloss Wartegg in ein Schlosshotel verwandelte

Christoph Mijnssen gehört das Schloss Wartegg in Rorschacherberg. Auch leitet er den gleichnamigen Kulturverein. Er spricht darüber, wie es ist, im Schloss zu wohnen und welchen Musiker er am liebsten im Programm haben würde.
Lisa Wickart
Christoph Mijnssen ist Hotelunternehmer und Programmleiter des Kulturvereins Schloss Wartegg. (Bild: Urs Bucher (6. September 2019))

Christoph Mijnssen ist Hotelunternehmer und Programmleiter des Kulturvereins Schloss Wartegg. (Bild: Urs Bucher (6. September 2019))

«Es war keine Liebe auf den ersten Blick», sagt Christoph Mijnssen. Als er vor rund 25 Jahren das Schloss Wartegg in Rorschacherberg besichtigte, hingen Plastikblachen an den Fenstern und das Gebäude war marode. Es habe zahlreiche Gründe gegeben, sich nicht für das Schloss zu interessieren: «Aber dann habe ich gedacht, dass ich es bereuen würde, wenn ich es nicht tue», sagt der 60-Jährige. So gelangte das Schloss Wartegg in den Besitz von Christoph Mijnssen und seiner Frau Angelika und sie verwandelten das alte Gemäuer in ein Schlosshotel.

Erholungsort, auch für Kinder

Während Mijnssen von seiner «ersten Begegnung mit dem Haus» erzählt, wie er es nennt, sitzt er nicht wie erwartet in seinem Büro an einem edlen Schreibtisch, sondern im Kinderspielzimmer des Hotels auf einem Schemel inmitten von Bauklötzen. Hier sei es gerade frei, meint er. Auch sonst gibt er sich als bodenständig. «Von Anfang an war klar, dass wir kein Luxushotel sein möchten», sagt er. Seine Frau und er hätten einen Erholungsort schaffen wollen, wo auch Kinder herzlich willkommen seien. So gehört auch seine Familie seit Beginn zum Schloss. «Es war sicher speziell für meine Kinder hier aufzuwachsen», sagt er. Mit seiner Frau und einem der drei Söhne wohnt und arbeitet er im obersten Stock des Schlosses. Es sei nicht ohne im gleichen Gebäude das Büro und die Wohnung zu haben:

«Aber es ist halt einfach wahnsinnig schön.»

Das Ehepaar betritt das Hotel genau gleich wie die Gäste durch den Haupteingang: «Es ist kein Problem für mich jeden Tag eine halbe Stunde mit Mitarbeitern oder mit Gästen ins Gespräch zu kommen, aber auf Dauer muss man dies strukturieren.»

Als Hotelunternehmer ist er unter anderem für das Team, das Marketing und bauliche Massnahmen zuständig. Mittlerweile könne er die Arbeit gut vom Wohnen trennen, das sei mit der Erfahrung gekommen. «Wären wir jedoch die Hoteliers an der Front, würde jedes Problem per Klingeln gelöst werden», sagt er. Als Kompromiss sei er dafür unter anderem der Notfallabwart des Hotels. «Manchmal bekomme ich nachts einen Anruf, dass es Wasser im Keller hat oder dass eine Leitung kaputt ist.» Der Schlossbesitzer habe auch schon ein WC in einem der Hotelzimmer entstopfen müssen. «Mein Job hat eine sehr hohe Flughöhe, aber auch eine sehr bodennahe Komponente», sagt er mit einem Schmunzeln.

Musik ist seine grosse Liebe

Mijnssen ist nicht nur Hotelunternehmer, sondern auch Programmleiter des Kulturvereins Schloss Wartegg. Er sucht Künstlerinnen und Künstler, antwortet auf Anfragen und stellt das Veranstaltungsprogramm zusammen. «Um den Saal einigermassen füllen zu können, braucht es bekannte Musiker oder eine Verbindung zur Region», sagt er. Die meisten Veranstaltungen, die er organisiert, sind Jazz- oder Klassikkonzerte. Anfragen von Musikern würden von überall her kommen:

«Besonders im Jazz haben wir oft Leute, die national oder international bekannt sind», sagt er.

Im Dezember spiele zum Beispiel Matthieu Michel, ein Flügelhornist, der vor drei Jahren den Schweizer Musikpreis gewonnen hat. Bei der Zusammenstellung des Programms spiele nicht nur das persönliche Empfinden mit: «Ich muss immer auch daran denken, wie es beim Publikum ankommen wird.»

Klassik, Jazz und British Pop

Der nächste Anlass des Kulturvereins Schloss Wartegg ist ein Konzert mit der Sopranistin Agnes Hunziker und dem Pianisten Riccardo Bovino am 22. September um 17 Uhr. Weiter geht es am 20. Oktober um 17 Uhr mit den Musikern von Corretto. Cool Jazz ist ebenso vertreten wie British Pop und Italianità. Lotus Crash spielt am 3. November um 17 Uhr Creative Jazz. Am 10. November um 17 Uhr zeigen Musikschulen aus der Region ihr Können.

In über 13 Jahren sind bereits viele Musiker im Schloss Wartegg aufgetreten. Trotzdem gibt es einen Wunschgast, den Mijnssen unbedingt noch im Programm sehen will – die Kruger Brothers. «Die sind in der USA ganz gross im Blue Grass, ich verehre sie», schwärmt er. Der Schweizer Singer-Songwriter Faber sei auch ein Wunschgast gewesen, den der Kulturverein bereits vor einem Jahr für sich gewinnen konnte: «Den steuern wir aber auch wieder an.» Mijnssen hat nicht nur beruflich viel mit Kultur zu tun, sondern auch in seiner Freizeit:

«Musik ist für mich eine Art Lebenselixier.»

Er selbst spielt Klarinette und Saxofon, zudem ist er Teil einer Blasmusikgruppe: «Ich bin zwar manuell nicht der Schnellste, dafür habe ich eine starke Beziehung zum Klang des Instruments.»

Stimmung unter den Ästen

Sein Lieblingsort auf dem Hotelgelände liegt nicht etwa im Schloss, sondern in der englischen Parkanlage. «Ich habe eine grosse Verbundenheit zur Natur», sagt er. Besonders die Weide im Park hat es ihm angetan: «Ich liebe die Stimmung unter den Ästen des Baumes.» Wenn er vorbei spaziere, sei es für ihn, als ob er sich mit einem alten Freund treffe und sie sich mit einem Augenzwinkern begegnen würden. Obwohl er selten Zeit für einen Spaziergang im Park finde, sei er sehr gerne draussen im Grünen.

Bei der ersten Besichtigung des Schlosses seien ihm und seiner Frau klar geworden, dass der Ort öffentlich zugänglich sein sollte: «Ich habe auch befürchtet, dass der bisherige Besitzer aus dem Park Golf- oder Tennisplätze machen will und darum wollte ich eingreifen.» Die Natur ums Schloss herum habe sie schlussendlich davon überzeugt, dass es das Richtige sei, das alte Gebäude zu kaufen.

Als Seebub zurück zum Wasser

Auch der Bodensee hat eine besondere Bedeutung für ihn: «Wir sind in die Ostschweiz gekommen, weil es uns wichtig war, einen Ort an einem See zu finden.» Bevor die Familie nach Rorschacherberg kam, wohnte sie in Basel. Er selbst sei am Zugersee aufgewachsen und lange Zeit passionierter Surfer gewesen. Mittlerweile fehle ihm dafür die Zeit: «Heute bin ich eher ein Couch-Potato. Aber das Sausen vom Wind auf dem See, das gibt mir immer noch viel.»

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