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Bildhauer Urs Koller über das Rorschacher Sandskulpturen-Festival: «Man hat nicht oft die Möglichkeit, einem Künstler über die Schulter zu schauen»

Urs Koller organisiert seit 21 Jahren das Sandskulpturen-Festival in Rorschach. Der Bildhauer aus Thal stellt nicht nur dort die Kunst in den Mittelpunkt.
Marco Cappellari
Sein Reich ist sein Atelier: der Rorschacher Bildhauer Urs Koller. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)

Sein Reich ist sein Atelier: der Rorschacher Bildhauer Urs Koller. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)

Das Atelier von Urs Koller liegt direkt an der viel befahrenen Rorschacher Hauptstrasse, gleich neben dem Rathaus. Es ist eine zentrale Lage mitten in der geschäftigen Hafenstadt. Doch wer durch die schwere Holztüre zur ehemaligen Hafenkneipe schreitet, taucht in eine andere Welt ein. Das Licht ist gedämpft, aus der Mitte des lang gezogenen Raums dringt Musik. Die voll ausgestattete Bar und die Möbel aus Holz erinnern an den Gastronomiebetrieb vergangener Tage. Doch dann steht da vor dem Billardtisch auch ein Konzertflügel. An den Wänden hängen zahlreiche Ölbilder. Ganz hinten sitzt Urs Koller vor einer Staffelei und malt an einem rosaroten Frauengesicht. Ganz klar: Hier lebt ein Künstler.

Der 1968 in Thal geborene Urs Koller ist Bildhauer, «glücklicher Vater von drei wunderbaren Kindern» und organisiert seit über 20 Jahren das Rorschacher Sandskulpturenfestival. Am 11. August findet es zum 21. Mal statt.

Bild: Jolanda RiedenerBild: Jolanda Riedener
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16 Bilder

Sandskulpturen-Hochburg Rorschach

70 bis 80 Anmeldung pro Festival

Während einer Woche erschaffen Künstler aus aller Welt dabei Meisterwerke aus Sand, die Jahr für Jahr Tausende Besucher begeistern. Jedes Jahr gehen zwischen 70 und 80 Anmeldungen ein, aus denen Koller 10 Künstlerteams aussucht. Das Thema ist jeweils vorgegeben, was die Künstler daraus machen, ist aber gänzlich ihnen überlassen. Das diesjährige Motto lautet:

«Werden wir Helden sein, in der Welt von morgen?»

Am Festival werden die Künstler in den Fokus gestellt, sagt Koller. «Sie sollen sich während der ganzen Woche nur auf ihre Arbeit konzentrieren können.» So erhalten die internationalen Künstler gar pauschal 1000 Franken Lohn für ihre Arbeit. «So können sie sich ganz auf die Kunst konzentrieren und es entstehen regelrechte Meistwerke.» Bei deren Entstehung können die Besucher live dabei sein.

«Man hat nicht oft die Möglichkeit, einem Künstler bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.»

Feste im Atelier

Während Koller über «sein Baby», wie er das Sandskulpturen-Festival auch nennt, spricht, ist unschwer zu erkennen, dass es nicht nur den Besuchern, sondern auch ihm grosse Freude bereitet. «Das ist das Wichtigste, es muss Spass machen. Und solange wird es das Festival auch geben», sagt Koller. Er schätzt besonders den Austausch mit den internationalen Kunstschaffenden, für die er sich auch jedes Jahr einen ganzen Tag Zeit nimmt, gemeinsam Zeit zu verbringen und seinen Gästen die Stadt und die Region zu zeigen, Ausflüge in die Stiftsbibliothek inklusive. Diese Tage würden oft mit einem Fest im Atelier enden. «Das ist zwar kein Pflichtprogramm, aber jeder, der das verpasst, bereut es hinterher», sagt Koller.

Wer Koller reden hört, den überrascht es nicht, dass er Künstler geworden ist. Bereits früh in seiner Kindheit sei er mit Kunst in Berührung gekommen. Gezeichnet, gemalt und gebastelt habe er schon immer. Kollers Vater, ein gelernter Elektriker, arbeitete als Bühnentechniker im Zürcher Opernhaus, wo der junge Koller zwischen den Vorstellungen im Theater «rumgestreunt» sei, wie er sagt.

«Erst wollte ich Maskenbildner werden, aber ich hatte keine Lust, zuerst vier Jahre eine Coiffeur-Lehre zu absolvieren.»

Durch einen glücklichen Zufall fand er mit 15 schliesslich eine Schnupperlehre bei einer Bildhauerin in der Gegend. Die Passion hat er sich bis zum heutigen Tag erhalten.

«Ich möchte einen Gegenentwurf zum klassischen Kinohelden anregen»

«Ich vergleiche den Unterschied zwischen der Arbeit mit Stein und mit Sand gerne mit dem Unterschied zwischen Graffiti und einem Gemälde», sagt Koller. «Wenn du mit Stein arbeitest, kannst du dir Zeit lassen, es ist eine gewisse Langsamkeit dabei.» Anders bei Sand: Das Material ist flüchtig, die Werke zerfallen bald wieder. «Weil Sandskulpturen nicht lange bestehen, kann ein Künstler auch mal frecher sein, etwas ausprobieren», sagt Koller.

Diese Idee steht auch hinter den alljährlichen Themen des Sandskulpturen-Festivals. «Sie sollen den Künstlern eine Richtung vorgeben, aber offen sein. Damit sie es auf ihre eigene Art verwirklichen können.»

Die Inspiration zum diesjährigen Motto «Werden wir Helden sein, in der Welt von morgen?» stammt laut Koller aus dem oberflächlichen Hollywood. «Dort sehen die Helden immer gleich aus. Ich möchte einen Gegenentwurf zum klassischen Kinohelden anregen.» Denn Helden, so Koller, finde man an vielen Orten. «Der Theologe Max Schär etwa, der nach dem Tod sein Haus zur Nutzung für Flüchtlinge vermacht hat, ist in meinen Augen ein Held.» Wen die Festivalteilnehmer als Helden sehen, zeigt sich im August.

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