«Die Eisheiligen sind zur unzuverlässigsten Wetterregel geworden» – das erwartet die Bodenseeregion laut Meteorologe im Mai

Überdurchschnittlich warm und am Bodensee selten frostig – das sind die Wetterprognosen für den Mai.

Rudolf Hirtl
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Christoph Frauenfelder betreibt die Wetterstation Fürstenland in Niederuzwil.

Christoph Frauenfelder betreibt die Wetterstation Fürstenland in Niederuzwil.

Urs Bucher

Der Monat Mai hat auch in der weiteren Region Rorschach kühl und regnerisch begonnen. OT-Meteorologe Christoph Frauenfelder erklärt im Kurzinterview, wieso er dennoch der Lieblingsmonat hochzeitswilliger Pärchen ist, weshalb er seinen Podestplatz in der Jahresreihenfolge verloren hat und welche Besonderheiten der sogenannte Wonnemonat sonst noch zu bieten hat.

Weshalb heisst der Mai Mai?

Christoph Frauenfelder: Der Mai ist nach dem Gott Maius, oder auch nach der Göttin Maia, Beschützer/Beschützerin des Wachstums, benannt. Der Ursprung des Wortes «Mai» wird mit Wachstum und Vermehrung in Verbindung gebracht.

Weshalb ist der Mai als Wonnemonat bekannt?

Das hat mit der angenehmen frühlingshaften Wärme zu tun, die im Mai ihren Anlauf nimmt. Die Obstbäume blühen, die Zugvögel kommen zurück, die Vegetation erwacht mit einem Paukenschlag, die Blumen leuchten und duften. Die Liebe erwacht.

Wieso war der Mai früher der dritte Monat im Jahr?

Im vorjulianischen römischen Kalender war der Maius der dritte Monat. Nach der julianischen Kalenderreform 45 v.Chr. und der damit verbundenen Einführung der Monate Januar und Februar wurde er dann an die fünfte Stelle verschoben und das Schaltjahr fand Einzug.

Macht er seinem Namen in der Region Rorschach weiterhin Ehre, wie hat er sich in den vergangenen Jahren entwickelt?

Statistikgemäss ist der Mai in den vergangenen Jahrzehnten massiv wärmer und sonniger geworden. Damit wird er seinem Anspruch als Wonnemonat in den allermeisten Fällen gerecht. Jedenfalls, wenn wir vom Klimamittel (langjähriger Durchschnitt) ausgehen.

Kann dieser Monat auch noch Frost bringen?

Das kann er. Das hängt aber massgeblich von der Höhenlage ab. Am Bodensee mit seinem milden Klima liegt die Wahrscheinlichkeit äusserst tief. Nur alle zehn Jahre einmal wird hier im Mai noch ein Frost registriert. Und wenn, dann Anfang Monat. Während der Eisheiligen (12. bis 15.Mai) ist in den vergangenen 30 Jahren kein Frost mehr aufgetreten. Die Eisheiligen sind damit jene Wetterregeln, die einerseits am tiefsten im Volksglauben verwurzelt ist, anderseits die unzuverlässigsten aller Wetterregeln geworden ist.

Welche klimatischen Ausreisser hatte er in der Vergangenheit hier am See?

Beispielsweise fiel der Mai vergangenes Jahr gänzlich aus dem Rahmen. Er war der einzige Monat des Jahres, der zu kalt ausfiel. Also weit und breit kein wonniges Wetter. Das tiefste Monatstemperaturmittel seit Messbeginn lag bei 8 Grad, das höchste bei 18 Grad. Der maximal mögliche Temperaturumfang bewegte sich bisher zwischen -1 und 32 Grad. Die Monatssummen der Niederschläge schwankten zwischen 2 und 305 Liter pro Quadratmeter.