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Nach dem Rücktritt von Reinhard Rüesch gibt es keinen Wittenbacher Kantonsrat mehr

Reinhard Rüesch sass 18 Jahre im Kantonsrat und prägte ihn unter anderem als FDP-Fraktionspräsident. Dass er der letzte Vertreter aus Wittenbach war, machte ihm den Rücktritt nicht leichter.
Johannes Wey
Reinhard Rüesch war zu gerne Augenarzt, um für die Regierung zu kandidieren. (Bild: Ralph Ribi)

Reinhard Rüesch war zu gerne Augenarzt, um für die Regierung zu kandidieren. (Bild: Ralph Ribi)

Sein letztes Votum im Kantonsrat hielt Augenarzt Reinhard Rüesch zu einem Thema der Gesundheitspolitik: In der Spitaldebatte seien die Kosten nur eine Seite der Medaille. Die Qualität, die in einem Spital mit tiefen Frequenzen nur schwierig zu halten sei, eine andere. Sein Beruf verhelfe ihm in dieser Frage zu einer gewissen Glaubwürdigkeit, glaubt der stellvertretende Chefarzt der Augenklinik am Kantonsspital St.Gallen.

Wenn kommende Woche der Kantonsrat erneut in der Pfalz zusammenkommt, wird Susanne Vincenz-Stauffacher Rüeschs Platz einnehmen. Der letzte Wittenbacher im Kantonsrat machte nach der Junisession jemand jüngerem Platz. «Dass Wittenbach nach meinem Rücktritt nicht mehr im Kantonsrat vertreten ist, hat mir den Entscheid nicht leichter gemacht. Für eine so grosse Gemeinde finde ich das nicht gut», sagt der 60-jährige FDPler.

Natürlich sei man in erster Linie Kantonsrat und erst in zweiter Gemeindevertreter. Aber man könne sich zumindest zugunsten einer Gruppe vergleichbarer Gemeinden einsetzen. «Ich konnte bei mehreren Gelegenheiten auf Verbesserungen für Gemeinden wie Wittenbach hinwirken», sagt Rüesch, und nennt den Finanzausgleich, der Streit um die Ausfinanzierung der Pensionskasse des Staatspersonals oder die kantonalen Sparprogramme als Beispiele.

Als einziger nicht abgewählt

Das war offenbar auch den Wählerinnen und Wählern in der Heimatgemeinde bewusst: «Ich habe bei jeder Wahl relativ viele Panaschierstimmen aus Wittenbach erhalten. Auch deswegen konnte ich im Kantonsrat verbleiben», sagt Rüesch. Etwa, als das Parlament vor zehn Jahren verkleinert wurde – Gemeindepräsident Fredi Widmer schaffte dabei die Wiederwahl nicht. Oder vor sechs Jahren, als es mit Marlies Lorenz die zweitletzte Wittenbacherin im Kantonsrat erwischte.

Zweiter Kantonsratssitz für Gaiserwald

Für Reinhard Rüesch rückt Susanne Vincenz-Stauffacher in den Kantonsrat nach. Damit erhält die Gemeinde Gaiserwald nebst Gemeindepräsident Boris Tschirky (CVP) eine weitere Vertretung im Parlament. Die 51-Jährige arbeitet seit 1993 als selbstständige Rechtsanwältin und Notarin mit eigener Kanzlei in St.Gallen. Von 1996 an war sie Vorstandsmitglied der FDP Abtwil-St.Josefen, von 2000 bis 2004 Vizepräsidentin. Nach der Fusion mit der Ortspartei Engelburg präsidierte sie zwei Jahre lang die FDP Gaiserwald. Zudem war sie Mitglied der Parteileitung und Vizepräsidentin der Kantonalpartei, wie es in einer Mitteilung heisst. Vincenz ist ausserdem Präsidentin der Stiftung Opferhilfe SG-AR-AI sowie Ombudsfrau Alter und Behinderung. Zudem ist sie Vizepräsidentin des Vereins Hölzli, der die soziale, schulische und berufliche Eingliederung junger Menschen aus schwierigen Verhältnissen unterstützt. (jw)

Rüeschs 18-jährige Laufbahn im Kantonsrat begann im Jahr 2000, als er für den damaligen Wittenbacher Gemeindepräsidenten Willi Haag, der den Sprung in die Kantonsregierung geschafft hatte, nachrückte. Rüeschs Frau hatte wenig Freude daran, dass dem Ehemann damit noch weniger Zeit für die fünfköpfige Familie blieb. 2011 wurde Rüesch Fraktionspräsident. In seine fünfjährige Amtszeit fiel der Betreibungsskandal um den damaligen Kantonsratspräsidenten Paul Schlegel.

«Das war der schwierigste Moment meiner politischen Laufbahn.»

Doch Rüesch ist noch heute zufrieden, wie die Partei die Krise bewältigte: «Am Mittwochabend haben wir von der Angelegenheit erfahren. Und am Freitag ist Schlegel von allen Ämtern zurückgetreten.»

Nicht in die Fussstapfen des Vaters getreten

Zwei Anfragen für eine Regierungsratskandidatur habe er abgelehnt. «Ich mache meinen Beruf viel zu gerne.» Damit hat Reinhard Rüesch einen anderen Weg eingeschlagen als sein Vater Ernst, der es vom Regierungs- auch in den Ständerat schaffte. Im Kantonsrat hat Rüesch während 18 Jahren keinen einzigen eigenen Vorstoss eingereicht.

«Wenn so ein Geschäft nach drei Minuten abgeschrieben ist, hat man nichts bewirkt ausser Kosten von 3000 bis 4000 Franken.»

Aber an Vorstössen der Fraktion oder über deren Grenzen hinaus habe er oft mitgewirkt. Die Zeit im Kantonsrat sei für ihn ein Privileg gewesen. «Ich traf dadurch ganz andere Menschen und gewann einen anderen Blick auf die Welt als in meinem Elfenbeinturm.» Damit meint Rüesch das Haus 4 des Kantonsspitals, in dessen 17. Stock er arbeitet.

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