Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der Lämmlerbrunnen kehrt auf den Kornhausplatz zurück

Während der Neugestaltung des Bahnhofplatzes und des Kornhausplatzes in St.Gallen weilte der Lämmlerbrunnen im Sittertobel. In der Kunstgiesserei ist er in den vergangenen drei Jahren aufgefrischt worden. Am Donnerstag kehrt er nun zurück an seinen alten Platz.
David Gadze
Restaurator Peter von Bartheld führt vor der Kunstgiesserei letzte Arbeiten am Lämmerlerbrunnen aus. (Bild: Benjamin Manser)

Restaurator Peter von Bartheld führt vor der Kunstgiesserei letzte Arbeiten am Lämmerlerbrunnen aus. (Bild: Benjamin Manser)

Das Bild ist vertraut – und gleichzeitig ungewohnt. Majestätisch steht der Lämmlerbrunnen draussen vor der Kunstgiesserei. Auf den ersten Blick sieht er aus wie eh und je. Und doch wirkt er riesig, jedenfalls viel grösser, als man ihn in Erinnerung hat. Vielleicht liegt es am Podest, das die etwa neun Meter hohe Skulptur um einen weiteren Meter erhöht, vielleicht auch an der Umgebung. Hier im Sittertobel gibt es keine grossen Gebäude, die ihn umgeben und überragen. Das wird sich jedoch bald wieder ändern: Am Donnerstag kehrt der Lämmlerbrunnen aus der Kur in der Kunstgiesserei an seinen angestammten Platz auf dem Kornhausplatz zurück. Inzwischen sind beide renoviert worden. Der zwischen 1978 und 1980 von Köbi Lämmler erstellten Bronzeskulptur sieht man dies im Unterschied zum Kornhausplatz jedoch kaum an.

Dasselbe Problem wie bei Vadian

Projektleiter Peter von Bartheld war bereits für die Restaurierung der Vadian-Statue zuständig. Und er hatte beim Lämmlerbrunnen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie beim St. Galler Stadtvater. Der untere Teil des Brunnens war – wie Vadians Beine – bei der Montage auf dem Kornhausplatz 1980 mit Beton aufgefüllt worden, um die Stabilität zu erhöhen. «Das ist eine bequeme, aber schlechte Lösung. Sie macht die Figur kaputt», sagt von Bartheld. Denn zwischen dem Beton und der Skulptur sammelt sich Wasser an. Und indem es sich beim Gefrieren beziehungsweise Auftauen ausdehnt, bilden sich Risse im Metall. Die Restauratoren mussten das Tuch also flicken. Zunächst galt es jedoch, die jeweils rund 60 Zentimeter Beton aus dem Inneren der beiden Tuchhälften herauszuspitzen.

Die beiden Hälften des Lämmlerbrunnens waren unten mit Beton verfüllt, um die Stabilität zu erhöhen. (Bild: Michel Canonica, 1. April 2015)

Die beiden Hälften des Lämmlerbrunnens waren unten mit Beton verfüllt, um die Stabilität zu erhöhen. (Bild: Michel Canonica, 1. April 2015)

Ausserdem mussten sie sich etwas einfallen lassen, damit der etwa drei Tonnen schwere Brunnen auch ohne die Betonfüllung künftig stabil steht. «Es war eine Herausforderung, eine Lösung zu finden, bei der zum einen das Brunnen- und Kondenswasser im Inneren abfliessen kann und zum anderen die Stabilität erhalten bleibt.» Nach der Rückkehr auf den Kornhausplatz wird der Lämmlerbrunnen nun mit grossen Schrauben festgemacht. Von diesen führen Metallstäbe ins Innere der Skulptur, an die wiederum Bronzestege angeschweisst sind.

Erschwerend kam hinzu, dass das Bronzetuch beim Abtransport Ende März 2015 beim Falt oben in zwei Teile geschnitten werden musste. Diese so zusammenzusetzen, dass sie wieder genau so zueinander passen wie vorher, sei ebenfalls schwierig gewesen, sagt von Bartheld. Vor dem Auseinandertrennen habe man an verschiedenen Punkten des Brunnens Masse genommen, die Abstände festgehalten und die exakten Positionen erfasst.

Das Wasser fliesst jetzt gleichmässig hinab

Auch das Wassersystem des Lämmerbrunnens haben die Restauratoren der Kunstgiesserei angepasst. Früher spritzte das Wasser oben aus einem horizontal eingebauten und längs mit Löchern versehenen Rohr heraus. Dadurch sei es nicht schön gleichmässig hinabgeflossen, sagt von Bartheld. Der Versuch, das Wasser beim Austritt mit einer Art Haube zu bändigen, habe nie richtig funktioniert. Deshalb brauchte es eine neue Lösung: Von Bartheld und sein Team haben am Scheitel des Tuchs eine Chromstahlwanne eingebaut, die etwa 20 Liter fasst. Pro Sekunde fliessen etwa fünf bis acht Liter Wasser in die Wanne. Dieses ergiesst sich durch einen Schlitz wie ein dünner Film über das Tuch – genau so, wie es Lämmler einst geplant hatte. Am oberen Ende des Tuchs bleibt vorerst eine kleine Narbe dieses Eingriffs. Von unten sei sie aber nicht sichtbar. Und mit der Zeit werde sie verschwinden.

Bis zur Rückkehr des Lämmlerbrunnens auf den Kornhausplatz gibt es aber immer noch ein paar Dinge zu tun. An der Oberfläche sind einzelne Schäden sichtbar, die es noch zu beheben gilt, etwa Löcher im Metall. Die Flickstellen werden anschliessend patiniert, also mit Chemikalien retouchiert, so dass sie nicht mehr zu sehen sind. «Unregelmässigkeiten, die bereits bei der Produktion des Brunnens entstanden sind, lassen wir bestehen, damit die Patina des Brunnens erhalten bleibt», sagt von Bartheld.

«Das schönste Kompliment für einen Restaurator»

In den etwas mehr als drei Jahren, die der Lämmlerbrunnen im Exil in der Kunstgiesserei verbracht hat, habe das Team von rund zehn Personen – Restauratoren, Statiker, Patineure, 3D-Gestalter, Schweisser – immer wieder am Brunnen gearbeitet, wenn es das Wetter und die Zeit zugelassen hätten. Zusammengezählt seien es drei bis vier Monate gewesen. Nach so langer Arbeit fühle er sich emotional mit dem Kunstwerk verbunden, sagt Peter von Bartheld. Dennoch spüre er Vorfreude auf die Rückkehr des Lämmlerbrunnens auf den Kornhausplatz. Und er freut sich auf die Reaktionen der Bevölkerung, auf deren Auseinandersetzung mit dem restaurierten Werk.

«Wenn mir jemand sagt, dass man gar nicht sieht, was wir in den drei Jahren am Brunnen gemacht haben, ist es das schönste Kompliment, das man einem Restaurator machen kann.»

Der Kampf um den "Lämmler"

Der Lämmlerbrunnen stammt vom Ostschweizer Künstler Jakob «Köbi» Lämmler (1934–1989). Dieser hat die knapp neun Meter hohe und rund drei Tonnen schwere Bronzeskulptur «Textil» zwischen 1978 und 1980 erschaffen. Das hängende Tuch ist ein Symbol für die St. Galler Textilindustrie.

Im Zuge der Neugestaltung des Bahnhofplatzes und des Kornhausplatzes hatte der Stadtrat entschieden, den Lämmlerbrunnen durch ein Wasserspiel zu ersetzen. Obwohl die Stimmbürger das Projekt im Juni 2013 mit knapp 54 Prozent Ja-Stimmen angenommen hatten, formierte sich Widerstand gegen das Verschwinden des Brunnens, zumal es der Stadt nicht gelang, einen passenden Ersatzstandort zu finden. Also beschloss sie, auf das Wasserspiel zu verzichten und den Brunnen an seinem angestammten Platz zu belassen. Dieser Entscheid führte wiederum zu einer Anzeige eines Bürgers gegen den Stadtrat, weil er den Volkswillen verletzt sah. Er blitzte jedoch beim Kanton ab. (dag)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.