Der Lärm entlang der Gossauer Strassen bleibt grenzwertig

Der Grenzwert wird bei 54 Häusern an Gossauer Gemeindestrassen überschritten. Nur an einem wird nachgebessert.

Johannes Wey
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Bei vielen Häusern an der Weideggstrasse in Arnegg wird der Immissionsgrenzwert überschritten.

Bei vielen Häusern an der Weideggstrasse in Arnegg wird der Immissionsgrenzwert überschritten.

Bild: Benjamin Manser (21. Oktober 2019)

Das Bewusstsein, dass Lärm die Gesundheit belastet, ist in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen. Im Alltag wird man so oft mit Lärm konfrontiert, dass er einem oft erst auffällt, wenn er abklingt und Ruhe herrscht. Besonders der Strassenlärm ist im städtischen Raum zu einem permanenten Hintergrundgeräusch geworden, zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Mit der Lärmschutzverordnung verpflichtet der Bund Kantone und Gemeinden, die Bevölkerung vor Lärm zu schützen. Mit ihrem Lärmschutzprojekt, das vom 30. Januar bis zum 28. Februar aufgelegt ist, zeigt die Stadt Gossau auf, wie das an ihren Gemeindestrassen geschehen soll. Entlang der Kantonsstrassen, zu denen etwa die viel befahrene St.Gallerstrasse zählt, hat der Kanton schon vorgelegt.

Der Kanton ist fast fertig

Mit der St. Gallerstrasse fällt eine der Gossauer Verkehrsachsen mit den stärksten Lärmemissionen in die Verantwortung des Kantons, wie auch die Herisauer-, Flawiler-, Wiler-, Bischofszeller- und Andwilerstrasse.

Sam Lanners ist Projektleiter bei der Fachstelle Immissionen im Baudepartement. Er ist auch der Verantwortliche, wenn in Gossau entlang von Kantonsstrassen im Zuge eines Lärmsanierungsprojekts Schallschutzfenster eingebaut werden müssen.

Diese Sanierungen seien weitgehend abgeschlossen, sagt Lanners, um sogleich zu relativieren: «Was aber nicht heisst, dass es deswegen keine Lärmbelastung mehr gibt.» Auf der St.Gallerstrasse beispielsweise, wo praktisch immer viel Auto- und Schwerverkehr herrsche, sei es fast unmöglich, den Immissionsgrenzwert einzuhalten.

Wo nötig, subventioniert der Kanton Schallschutzfenster. Diesbezüglich wurde in Gossau vieles schon vor 20 Jahren gemacht. Sofern sinnvoll, würden bei Strassensanierungen auch Flüsterbeläge eingebaut.

Weitere Schallschutzfenster werden derzeit entlang von Abschnitten der Herisauer- und Bischofszellerstrasse eingebaut – obwohl der Kanton bei den meisten Liegenschaften nicht dazu verpflichtet wäre, sagt Lanners. Aus Kulanz geschehe das auch dort, wo die Alarmwerte nur beinahe überschritten werden. Einzig für die Andwilerstrasse bestehe derzeit noch kein Projekt. (jw)

Neuere Häuser sind kein Thema

Im Projekt wurden die Liegenschaften entlang von Gemeindestrassen unter die Lupe genommen, die vor 1985 bewilligt worden sind. «Bei neueren Häusern wurde der Lärmschutz bereits im Baubewilligungsverfahren berücksichtigt», sagt Stadträtin Gaby Krapf-Gubser.

Gaby Krapf, Stadträtin.

Gaby Krapf, Stadträtin.

Ralph Ribi

Die Abklärungen haben ergeben, dass die Immissionsgrenzwerte bei insgesamt 54 Liegenschaften auf Gossauer Stadtgebiet überschritten werden. Betroffen sind etwa Häuser an der Weideggstrasse in Arnegg, der Hirschenstrasse und der Industriestrasse. Die Grenzwerte sind in der Lärmschutzverordnung definiert. Dabei handelt es sich um je einen Jahresdurchschnittswert für die Tages- und Nachtstunden, die je nach Zone unterschiedlich ausfallen – so darf der Strassenlärm im Industriegebiet tagsüber lauter sein als im Wohnquartier.

Eine Lärmreduktion ist schwierig zu erreichen

Doch obwohl die Grenzwerte bei 54 Liegenschaften überschritten werden, will die Stadt nur bei einem Haus Massnahmen ergreifen. Die anderen wurden entweder nach 1985 gebaut oder erschlossen oder es wäre laut Krapf nicht verhältnismässig oder erst gar nicht möglich, den Lärm an der Quelle zu reduzieren. So könnte beispielsweise der Verkehr durch eine Einbahnstrasse reduziert werden, was in vielen Fällen aber an einer anderen Stelle zu einer Zunahme führen würde. Tempo 30 sei vielerorts bereits umgesetzt, der Bau von Lärmschutzwänden im städtischen Raum kaum umzusetzen. Und der Einbau sogenannter Flüsterbeläge ist kostspielig und je nach Steigung nicht sinnvoll.

Die Stadt beantragt deshalb beim Kanton für 53 Liegenschaften eine Erleichterung der Vorschriften. Trotzdem soll sich die Situation punktuell bessern, beispielsweise an der Hirschenstrasse, wo im Zuge einer bereits genehmigten Strassensanierung auch Lärmschutzmassnahmen ergriffen werden.

Nahe am Alarmwert gibt es neue Fenster

Das Wohnhaus, bei dem die Stadt direkt tätig werden will, liegt an der Mooswiesstrasse. Hier soll freiwillig ein Beitrag an Schallschutzfenster gesprochen werden, weil nicht nur der Immissionsgrenzwert überschritten wird, sondern der Lärm nahe an den sogenannten Alarmwert heranreicht, bei dessen Überschreitung die Stadt handeln müsste. Diese Praxis hat sich die Stadt Gossau beim Kanton abgeschaut.