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Lukas Schneeberger: Der St.Galler Künstler als Bauarbeiter

Lukas Schneeberger gestaltet seine Bilder mit Dachlatten, Baustellenfarben und Holzschablonen. Die grossformatigen Werke des St. Galler Künstlers sind derzeit im Schloss Dottenwil ausgestellt.
Urs-Peter Zwingli
Lukas Schneebergers Werke sind bis Anfang Juli im Schloss Dottenwil zu sehen. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Lukas Schneebergers Werke sind bis Anfang Juli im Schloss Dottenwil zu sehen. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Bei der Anordnung der 24 Bilder in der Kellergalerie von Schloss Dottenwil liess sich Lukas Schneeberger von seiner Intuition leiten: Ein beige-braun gestreiftes Bild etwa liegt auf dem Boden unter einem Fenster. «Mir gefiel, wie das Licht dort in den Raum fällt», sagt der 36-Jährige. Seit diesem Monat ist eine Auswahl seiner Bilder im Wittenbacher Kulturschloss zu sehen.

Das Experimentelle und der Zufall sind für das kreative Wirken des St. Galler Künstlers prägend, wie er erklärt. So bemalt er beispielsweise eine Leinwand mehrfach und verwischt dann die Farbe mit einem Pinsel. Oder er nimmt die Kante einer Dachlatte und verwendet sie als Stempel, der raue Linien hinterlässt. «Meine Malerei ist sehr physisch, vielleicht eher eine Art Bauarbeit. Ich brauche Platz beim Malen, und wenn ich fertig bin, herrscht in meinem Atelier das Chaos.»

Mit seiner Lederjacke, einem groben Jeanshemd und den kräftigen Händen gibt man Schneeberger den «Bauarbeiter» und Werkler sofort. Folgerichtig findet er die Materialien, aus denen seine Bilder und manchmal Skulpturen entstehen, auch im Baumarkt. «Ich liebe Baumärkte, bin ausserdem gerne auf Baustellen, Fabriken oder Industriegeländen.» Dazu passt der Charme der Kellergalerie: Wände und Decken sind in Weiss gehalten, an der Decke zeigen sich Rohre und Leitungen. Schneebergers Bilder bestehen zwar ebenfalls weitgehend aus senkrechten und waagrechten Strukturen – und doch brechen sie in ihrer Rauheit und Tiefe die optische Kühle der Galerie.

Landschaften und Zellstrukturen

Die Bilder tragen keine Titel. Mit ihren klaren, fast rhythmisch angeordneten Linien und meist eckigen Formen wirken sie beruhigend und organisch. In einem Moment sieht man in ihnen vielleicht Landschaften und Gewässer, genauso gut könnten sie aber auch mikroskopische Aufnahmen von Zellstrukturen zeigen. «Ich male ohne feste Themen oder Absichten. Was der Betrachter in meinen Bildern sieht, ist letztlich ihm überlassen», sagt Schneeberger. Seine Bilder seien abstrakt und er sei ein Autodidakt, sagt der gelernte Lehrer. Gezeichnet habe er schon immer gerne. Anfangs habe er noch in seiner Wohnung gemalt, später dann ein kleines Atelier im St. Galler Kulturbüro gemietet. 2016 folgte die erste Einzelausstellung in der Galerie Paul Hafner im St. Galler Lagerhaus, wo sich heute sein Atelier befindet.

In der Kellergalerie zeigt Schneeberger vor allem seine grossformatigen Werke. Die auf Holzrahmen gespannten Leinwände messen bis zu 1,8 auf 1,5 Meter. Bei diesen ausladenden Massen entfalten die wilden Farbflächen ihre Wirkung am besten. «Ich hatte in der Gestaltung der Ausstellung freie Hand und wollte die grosszügigen Räume nutzen», sagt er dazu.

Alte Bilder werden recycelt

In seinem Atelier lagerten derzeit rund 30 Bilder, viele davon im Grossformat. «Wenn ein Bild einige Jahre rumsteht, kann es sein, dass ich es recycel», sagt Schneeberger. Das heisst: Er zieht die Leinwand ab, entsorgt diese und verwendet den Rahmen erneut. Auch diese unsentimentale Einstellung gegenüber den eigenen Bildern macht seinen Zugang zum Kunstschaffen deutlich: Er probiert aus, erschafft etwas aus unterschiedlichsten Materialien, im Zentrum steht aber der freie Arbeitsprozess. «Natürlich freue ich mich, wenn ein Bild fertig ist. Aber in der Kunst gilt für mich: Der Weg ist das Ziel», sagt Schneeberger.

Die Ausstellung ist bis am 7. Juli jeden Samstag von 14 bis 20 Uhr und jeden Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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