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Der «Kubaner» ist zurück: Jedes Jahr steht Auswanderer Vicente Molina an der Olma im Grillwagen

Der Engelburger Dorfmetzger wohnt seit 2009 in Kuba. Während der Olma arbeitet er jeweils für die Metzgerei Schär. Doch dieses Jahr ist alles anders.
Alexa Maier
Wenn Vicente Molina nicht gerade in Kuba ist, arbeitet er in der Metzgerei Schär. Bild: Lisa Jenny

Wenn Vicente Molina nicht gerade in Kuba ist, arbeitet er in der Metzgerei Schär. Bild: Lisa Jenny

Emotional bewegt erzählt der frühere Engelburger Dorfmetzger von seinen ereignisvollen letzten zehn Jahre. Vicente Molina wanderte 2009 nach Kuba aus – das Land von Oldtimern, Zigarren und Rum. Die Schweiz lässt er aber nicht vollkommen hinter sich. Immer während der Olma und Offa reist Molina zurück in sein Heimatland und hilft der Metzgerei Schär in St.Fiden aus. «Dort bin ich mit Herz und Seele dabei», sagt Molina. Viele Kunden seien erfreut, ihn wieder zu sehen.

«Diese Anerkennung ist für mich mehr wert als 100 Franken.»

Während der Olma und Offa brät Molina jeweils im Grillwagen auf dem Messegelände. Doch dieses Jahr ist alles anders. «Weniger Angestellte als üblich arbeiten momentan beim Schär.» Die Metzgerei braucht deshalb während der Messe Unterstützung in ihrer Filiale in St.Fiden. Folglich kann Vicente Molina an dieser Olma ausnahmsweise nicht im Grillwagen stehen.

«Das macht mich sehr traurig.»

Er geniesse es immer, an der Olma zu arbeiten. «Ich sehe dort viele alte Bekannte wieder.»

Das Leben in zwei verschiedenen Welten

Das Geld sei für den 58-Jährigen kein Anreiz, in die Schweiz zu kommen. «In Kuba braucht man nicht viel zum Leben.» Er wohne dort bescheiden, ohne jeglichen Luxus. Nach dem Motto «weniger ist mehr».

Eigentlich wollte Molina vor zehn Jahren auf der Insel nur Ferien machen. Doch dann lernte er seine zweite Frau kennen. Nach der Heirat zog sie mit ihrem Sohn zu ihm nach Engelburg. Seine Dorfmetzgerei lief gut. Jedoch machten ihm beruflicher Stress und familiäre Probleme zu schaffen. Er litt unter Darmbeschwerden. «Mein Arzt riet mir, es ruhiger anzugehen.» Der spanisch-schweizerische Doppelbürger nahm sich die Worte des Arztes zu Herzen und krempelte darauf sein Leben komplett um. Er wanderte mit seiner Frau und ihrem Sohn in die Karibik aus.

Seither sind zehn Jahre vergangen. Eine Veränderung in der Schweiz stellt Vicente Molina fest:

«Hier wird alles immer materieller und die Wertschätzung an gewissen Sachen nimmt ab.»

In Kuba würden auch die kleinen Dinge geschätzt. «Wenn man beispielsweise ein Tomatenpüree in einem Laden findet, ist das ein Erfolgserlebnis.» Im kommunistisch regierten Kuba seien Lebensmittel, aber auch Benzin und Seife rare Güter.

Die Kinder aus erster Ehe blieben in der Ostschweiz

Vicente Molina hat noch eine 29-jährige Tochter und einen 30-jährigen Sohn aus erster Ehe, die in der Ostschweiz leben. «Wenn ich in Kuba bin, telefonieren wir regelmässig. Und hier sehe ich sie oft.» Vicente Molina, der mittlerweile Grossvater geworden ist, wohnt während seines Aufenthalts in der Schweiz jeweils bei seinem Sohn.

Neuanfang im kubanischen Vertientes

Die Ehe mit seiner zweiten Frau ging 2015 in die Brüche. Seine Frau wurde Molina zu materialistisch. «Es war ihr immer zu wenig, was wir hatten.» Die Finca, in der er unter anderem Schafe, Hühner, Schweine und Pferde hielt, überliess er seiner Ex-Frau. Nach der Trennung liess sich Vicente Molina in Vertientes nieder, einer kubanischen Stadt, die rund 50000 Einwohner zählt.

Dort wagte er einen Neuanfang. 2018 heiratete der Ostschweizer ein drittes Mal. Momentan verdient er sein Geld als Kleinbauer. «100 Hasen und zwei Schweine leben in meiner bescheidenen Zucht.» Zukunftssorgen habe er keine.

«In Kuba lebe ich meinen Traum.»

Doch an der nächsten Olma wird der «Kubaner» wieder im Grillwagen von Schär stehen.

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