Der Kopf will weitermachen, doch der Fuss kann nicht mehr – die Wirtin des «Löwen» in Mörschwil hört auf: «Was bleibt, sind die vielen schönen Erinnerungen»

Nach 14 Jahren schliesst Monika Capaul den «Löwen» in Mörschwil. Was danach aus dem Restaurant wird, ist unklar.

Sheila Eggmann
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Monika Capaul im «Löwen»: «Ich wäre gerne noch ein wenig geblieben.»

Monika Capaul im «Löwen»: «Ich wäre gerne noch ein wenig geblieben.»

Bild: Benjamin Manser

Der Kopf will weitermachen, doch der Fuss kann nicht mehr. Monika Capaul muss schliessen. Die Wirtin des Restaurants Löwen hört am kommenden Freitag nach exakt 14 Jahren in Mörschwil auf. Sie sagt:

«Das muss ich jetzt einfach akzeptieren.»

Aus ihrer Wohnung über dem Restaurant sind bald alle Möbel gezügelt. Vor dem Restaurant weist die Wirtschaftstafel auf die Schliessung hin. Drinnen ist eine Woche vor dem Räumungsverkauf noch alles beim Alten: An den Wänden hängen Bilder von Leuten in Appenzellertrachten, ein geschnitzter Alpabzug schmückt einen Durchgang, an den Lampen baumeln Holzhexen aus den Dolomiten.

Im Stübli hängt vor allem Dekoration aus den Dolomiten und dem Appenzell.
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Im Stübli hängt vor allem Dekoration aus den Dolomiten und dem Appenzell.
Im Stübli hängt vor allem Dekoration aus den Dolomiten und dem Appenzell.
Im Stübli hängt vor allem Dekoration aus den Dolomiten und dem Appenzell.

Im Stübli hängt vor allem Dekoration aus den Dolomiten und dem Appenzell.

Benjamin Manser

Der «Löwen» liegt an einer Hauptstrasse und mitten im Mörschwiler Industriegebiet. Die Lastwagen brausen in hohem Tempo am Haus vorbei, manchmal dringt der Lärm von hämmernden Maschinen hinein. Doch drinnen, da hat Capaul zusammen mit ihrem Lebenspartner Jakob Fuchs mit viel Liebe zum Detail einen Ort geschaffen, der für viele ein zweites Zuhause geworden ist. Auch für die örtlichen Vereine, die zu den Stammgästen zählen.

«Irgendwie hat es uns hier einfach gepasst»

Einer dieser Vereine ist der Grund, weshalb Capaul im «Löwen» gelandet ist. Ein Mitglied der Frauenriege habe sie auf das Restaurant aufmerksam gemacht, als Capaul noch im «Steig» im Rorschacherberg gewirtet hat. Sie solle doch einmal im «Löwen» anrufen, habe es geheissen. Capaul sagt:

«Ich wollte eigentlich ein kleineres Restaurant, aber irgendwie hat es uns hier einfach gepasst.»

Aus der Turnerin wurde später eine gute Freundin. Ihr Verein kam regelmässig nach dem Training vorbei. «Wir hatten öppe einen lustigen Abend.»

Zu den Stammgästen zählen auch das Jodelchörli, die Feuerwehr, Handwerker und viele Chauffeure. Den Kontakt mit den Leuten werde sie wohl am meisten vermissen, sagt die 64-Jährige. «In 14 Jahren wachsen einem diese oder jene Kunden ans Herz.» Nur ein einziges Mal musste sie einen Gast aus dem Haus werfen. Dieser habe sich unsittlich gegenüber der Serviertochter benommen.

«Doch was bleibt, sind die vielen schönen Erinnerungen.»

Es gibt keine Austrinkete

Monika Capaul wollte so ruhig aufhören, wie sie begonnen hat: mit einem Inserat in der Zeitung. «Ich habe versucht, das möglichst lange im Stillen zu behalten», sagt sie. Ihre Stammgäste habe sie bereits an Weihnachten über die Schliessung informiert. Mit ihnen will sie den Abschluss ein wenig feiern. «Das gibt aber nichts Verrücktes, nichts Grosses.» Eine Austrinkete, das will sie nicht. Weil dann Leute kommen würden, die sonst nie hier waren.

Wenn Capaul spricht, schwingt Wehmut in der Stimme mit. Dass sie den «Löwen» aufgeben muss, fällt ihr nicht leicht. Doch es gibt Dinge, auf die sie sich freut: auf die Ruhe, zum Beispiel. Und auf den Garten, den sie bei ihrer neuen Wohnung haben wird.

Was aus dem «Löwen» wird, ist noch nicht bekannt. Das Grundstück gehört dem Bauunternehmen Moag. Der Verwaltungsrat werde sich erst Ende März treffen, um über die Zukunft des Gebäudes zu entscheiden.

Hinweis: Räumungsverkauf: Samstag, 14. März, 10 bis 16 Uhr im «Löwen».