Der Klosterplatz schwingt schweizweit oben aus – zumindest bei den Webcam-Besuchern

Eine Website listet 1844 Webcams, die unter anderem das Matterhorn zeigen. Eine der beliebtesten ist aber jene, die den St.Galler Klosterplatz zeigt. Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee Tourismus, ist stolz darauf, will aber noch mehr von St.Gallen zeigen.

Marlen Hämmerli
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Die Webcam am linken Fensterrand liefert Livebilder vom Klosterplatz.

Die Webcam am linken Fensterrand liefert Livebilder vom Klosterplatz.

Bild: Nik Roth

Ferien vor dem Bildschirm: Die Schweiz kann man auch per Webcam bereisen. Das zeigt ein Blick auf www.swisswebcams.ch. Wer nach Webcams sucht, landet irgendwann unweigerlich auf dieser Website. Sie listet derzeit nach eigenen Angaben 3500 Kameras, davon 1844 aktive. Die Kapellbrücke in Luzern, das Matterhorn im Wallis oder der Jet d’eau in Genf. Zu den beliebtesten Webcams gehört jedoch eine andere: Jene, die den Klosterplatz St.Gallen zeigt. Sie befindet sich konstant unter den 25 der meistbesuchten Webcams, meistens sogar auf Platz 1 bis 3.

Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee Tourismus, sagt:

«Das kommt nicht ganz unerwartet. Es mangelt an Alternativen.»

Er sei stolz und froh, dass die Kamera am Klosterplatz existiere. Doch: «Aus touristischer Sicht möchten wir weitere Standorte zeigen und weitere Aspekte der Stadt ins Bild rücken. Das hat Potenzial.»

Bedeutung von Webcams könnte zunehmen

Ideen dazu existieren. Bereits Anfang Jahr hat Kirchhofer das Thema mit dem Leiter der Standortförderung, Samuel Zuberbühler, besprochen. Dieser sagt, die Standortförderung setzte heute die Webcams nicht spezifisch ein.

«Jene am Klosterplatz wird von der Standortförderung jedoch sehr geschätzt, da damit interessierte Besucherinnen und Besucher Liveaufnahmen von St.Gallen anschauen können.»

Zudem könnte die Bedeutung der Kameras zunehmen, etwa bei Livebildern von öffentlich relevanten Baustellen oder Sehenswürdigkeiten.

Spruchreif ist jedoch noch nichts, auch wenn Kirchhofer sagt: «Ich plädiere schon lang dafür, dass Städte Webcamstandorte prüfen.» Dazu komme, dass die Webcam auf dem Klosterplatz nicht mehr den heutigen Anforderungen genüge. Farbbrillanz und Auflösung lassen zu wünschen übrig.

Leute wollen sich einen Überblick über die touristischen Highlights verschaffen

Ausserdem ist es laut Kirchhofer inzwischen möglich, Daten von Webcams mit Wetterdaten und Veranstaltungshinweisen zu ergänzen. «Doch eine Webcam ist nicht gerade günstig. Auch deshalb sind wir an die Standortförderung herangetreten, um zusammen schöne spektakuläre Standorte zu finden.»

Als ehemaliger Tourismusdirektor von Pontresina wisse er: Die Leute wollen die Wolkendecke sehen und sich einen Überblick über die touristischen Highlights verschaffen.

«Das A und O jeder Tourismusseite ist jene mit den Webcams.»

Abrufzahlen variieren

Nicht überraschend gehört die Übersichtsseite von St.Gallen-Bodensee Tourismus mit Wetter und Webcams zu den zehn am meisten abgerufenen Unterseiten. Die Besucherzahlen variieren jedoch sehr. Eine Theorie lautet, dass Anlässe die Abrufzahl nach oben schiessen lassen. Besucherinnen und Besucher einer Veranstaltung oder des Klosterplatzes informieren sich vorab über das Wetter und landen auf der Website von St.Gallen-Bodensee Tourismus.

Aktuell listet www.swisswebcams.ch sieben weitere Webcams in St.Gallen, zwei davon blicken jedoch in Richtung Appenzellerland. Darüber hinaus sind der Tunneleingang an der Ruckhalde zu sehen, die Busendhaltestelle Riethüsli, die Baustelle des HSG-Learning-Centers und der Kybunpark. Zusätzlich gibt es auf der Solitüde eine Kamera.

Im Vergleich mit anderen Städten sei das Durchschnitt, sagt Felix Mätzler, Betreiber der Webcam am Klosterplatz. Was jedoch fehlt, sind Kameras mit Panoramablick, wie Thomas Kirchhofer bemängelt.

Fotograf stieg für Sujet in den Estrich

Die Webcam am Klosterplatz steht hinter einer Scheibe im Haus zur Rose, das Mätzler und seinen Brüdern gehört. Er hat sie dort vor über 15 Jahren aufgestellt:

«zu einer Zeit, als es noch kaum Webcams gab.»

Denn der Klosterplatz mit Kathedrale sei das Postkartensujet schlechthin. Tatsächlich läutete vor vielen Jahren ein Fotograf an der Tür und bat darum, vom Estrich aus ein Bild schiessen zu dürfen. «Also hab ich die Kamera aufgestellt und verlinkt.» Irgendwann befand sie sich auf der Website mit den Schweizer Webcams in den Top 25, dann in den Top 10 und inzwischen zählt sie zu den Beliebtesten.

Leute, die auf der Klosterwiese picknicken, auf der Mauer sitzen oder einfach die Gallusstrasse entlang flanieren, müssen jedoch nicht befürchten, ihr Bild lande unbewusst im Internet. Personen sind auf der Webcam unkenntlich. Generell ist es jedoch tatsächlich schwierig, den Datenschutz bei Webcams zu gewährleisten.

Datenschutz bei Webcams: Diese Regeln gelten

Webcam-Bilder sind weltweit abrufbar und können problemlos gespeichert, ausgedruckt oder weitergegeben werden. Gleichzeitig bemerken Personen, die von einer Kamera erfasst werden, dies häufig nicht. Grundsätzlich dürfen Personen auf den Bildern nicht erkennbar sein. Sind sie es, gilt gemäss dem Eidgenössischen Datenschutz und Öffentlichkeitsbeauftragten Folgendes: Für die Betroffenen muss ersichtlich sein, dass sie aufgenommen werden. Der Wille, nicht gefilmt zu werden, muss jederzeit respektiert werden. Und die gefilmten Personen müssen einwilligen. In der Praxis ist dies alles jedoch kaum möglich. (mha)

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