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Evergreen: Vom Kapitän zum Buhmann –als Davide Callà das sinkende Schiff verliess

Davide Callà kam zum FC St. Gallen als Hoffnungsträger – und wurde nach seinem Abgang zum Buhmann. Die Fans haben ihm nie verziehen, dass er den Club nach dem Abstieg 2008 verliess.
David Gadze
Das letzte Spiel von Davide Callà im Espen-Trikot endete mit dem Abstieg im Jahr 2008. (Bild: Ralph Ribi)

Das letzte Spiel von Davide Callà im Espen-Trikot endete mit dem Abstieg im Jahr 2008. (Bild: Ralph Ribi)

«Man steht im Leben oft am Scheideweg», sagt Davide Callà. Er sagt diesen Satz, um seinen Wechsel vom FC St. Gallen zu den Grasshoppers zu erklären, damals, im Sommer 2008. Den Wechsel, den ihm die Fans nie verziehen und auch zehn Jahre später mit Pfiffen und Schmähgesängen quittiert haben. Denn der Club hatte den Vertrag des Kapitäns vorzeitig verlängert, als er sich das erste Mal schwer verletzte. Und dann war ausgerechnet er der erste Leistungsträger, der nach dem Abstieg seinen Abschied bekannt gab.

Der Satz beschreibt aber auch den Rest der Karriere von Davide Callà sehr gut. Trotz aller Erfolge, die er in den vergangenen Jahren feiern durfte, war sie ein stetes Auf und Ab. Der Winterthurer spricht reflektiert darüber, er wägt ab, und er passt so gar nicht ins Rollenbild des Fussballers, der nur auf sich selber schaut.

Durch Verletzungen aus der Bahn geworfen

Callà ist für den FC St. Gallen ein Glücksgriff. Seine Qualitäten hat der talentierte U21-Nationalspieler bereits beim FC Wil unter Beweis gestellt, mit dem er 2004 gegen seinen Jugendclub GC den Cup gewinnt. Infolge der finanziellen Turbulenzen verlässt er jedoch den Absteiger und wechselt zu Servette. Nach dem Konkurs der Genfer ein halbes Jahr später ist er gratis zu haben – und entsprechend begehrt. Ein Angebot von GC schlägt der damals 20-Jährige aus. Er sagt:

«Ich war noch jung und hatte in den Jahren zuvor mehr mit Anwälten zu tun gehabt als mit Trainern.»

Deshalb habe er ein Umfeld gesucht, in dem «das Gesamtpaket stimmte» – und in dem er eine Schlüsselrolle einnehmen konnte. Und diese nimmt er auch ein: Callà entwickelt sich innert kürzester Zeit zum Leistungs- und Hoffnungsträger, wird Kapitän und Integrationsfigur.

Doch beim Auftakt in die Saison 2006/07 reisst sich Callà das Kreuzband im rechten Knie und fällt für den Rest der Vorrunde aus.

Schwer verletzt: Davide Callà wird im Juli 2006 vom Platz getragen. (Bild: Keystone)

Schwer verletzt: Davide Callà wird im Juli 2006 vom Platz getragen. (Bild: Keystone)

Kaum nimmt er das Training im Januar 2007 wieder auf, reisst das Kreuzband erneut. Erst im November gibt er sein Comeback in der ersten Mannschaft. In die Rückrunde startet der FCSG auf dem letzten Platz. Und Callà ist bereits wieder mittendrin ohne richtiges Aufbautraining.

«Ich stand in jedem Spiel auf dem Platz, doch irgendwann spürte ich, dass ich dem Team nicht helfen konnte. Ich war nicht mehr derselbe Spieler.»

So kann auch der Kapitän das Ruder nicht mehr herumreissen. Der FC St. Gallen steigt ab. «Für mich ist das bis heute die grösste sportliche Enttäuschung meiner Karriere.» Danach sei sein Rucksack mit zu viel Negativem gefüllt gewesen. «Ich musste mich damals entscheiden – und ich entschied mich für einen kompletten Neuanfang.»

Von der Arbeitslosigkeit in die Champions League

Doch auch die Zeit bei den Grasshoppers ist für Callà unbefriedigend. Verletzungen werfen ihn immer wieder zurück. «Ich war in einem desolaten Zustand.» Nach vier Jahren, in denen er nur etwa ein Drittel der Spiele absolviert, verlängert GC seinen Vertrag im Sommer 2012 nicht. «Plötzlich war ich arbeitslos – mit 27», sagt der Italo-Schweizer. Er steht erneut am Scheideweg, denkt daran, die Fussballschuhe an den Nagel zu hängen, selbst als er ein Angebot des FC Aarau aus der Challenge League erhält – auch aus finanziellen Gründen. «Meine Frau hat mich schliesslich darin bestärkt, meinen Weg weiterzugehen.» Unter Trainer René Weiler, der ihn einst als Sportchef zum FCSG geholt hatte, blüht Callà nochmals auf. Er ist der Schlüsselspieler beim Aufstieg der Aarauer 2013 und in der folgenden Super-League-Saison. Der Lohn folgt im Winter 2014: Der FC Basel holt ihn als Ersatz für Mohamed Salah. Obwohl der Wechsel von vielen kritisch beäugt wird, setzt sich Callà auch beim FCB durch. Und erlebt eine sehr erfolgreiche Zeit mit vier Meistertiteln, einem Cup-Sieg und zwei Champions-League-Teilnahmen. Callà sagt rückblickend:

«Das war die schönste Zeit in meiner Karriere.»

Nachdem er in der vergangenen Saison in Basel aufs Abstellgleis geraten ist, wechselt Callà im Sommer zum FC Winterthur in die Challenge League. Ein Kreis habe sich für ihn geschlossen. «Für mich hat das etwas sehr Fussballromantisches. Ich spiele in meiner Stadt, vor meinen Freunden.» Sein Vertrag läuft bis 2020, diesen will er auf jeden Fall erfüllen. Was danach kommen werde, müsse man sehen. «Ich will dem Fussball verbunden bleiben», sagt Davide Callà, der heute seinen 34. Geburtstag feiert. Er absolviert bereits die Trainerausbildung und ist Co-Trainer der U13 des FCW. Wehmut, dass er auf der grossen Fussballbühne keine Rolle mehr spielt, ist bei ihm nicht zu spüren, vielmehr Stolz und Dankbarkeit. «Ich bin mit mir im Reinen.»

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