Der Kantischüler Oliver Wick aus St.Georgen will hoch hinaus – im Kantonsrat und als Kampfjetpilot

Der St.Geörgler Oliver Wick ist der jüngste Kandidat für den Kantonsrat. Heute feiert er seinen 18. Geburtstag.

Sandro Büchler
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Oliver Wick absolviert die Kantonsschule am Burggraben bilingual.

Oliver Wick absolviert die Kantonsschule am Burggraben bilingual.

Bild: Benjamin Manser

Eigentlich stünde Englisch auf dem Stundenplan. «Aber für das Interview darf ich mir die Zeit nehmen», sagt Oliver Wick. Die Kantonsschule am Burggraben sei grosszügig, unterstütze sein politisches Engagement. Denn am 8. März will der Gymnasiast für die Jungfreisinnigen in den Kantonsrat einziehen. Er ist der jüngste aller 311 Kandidaten im Wahlkreis St.Gallen-Gossau. Heute wird er 18 Jahre alt.

Er freue sich auf die Volljährigkeit, aufs Stimmcouvert. «Ich kann endlich ankreuzen, was ich will.» Mündig sein, sei ein neuer Lebensabschnitt. Wick freut sich auch auf die Rechte und Pflichten: «Steuern zahlen und Autofahren.» Die Theorieprüfung hat er schon.

Kanada ist seine zweite Heimat

Der St.Geörgler steht im dritten von vier Jahren an der Kanti. Er absolviert das Gymnasium zweisprachig – Deutsch und Englisch. Wick hat ein Jahr bei einer Gastfamilie in Kanada gelebt. Sein Hintergrundbild auf dem Handy zeigt die kanadische Flagge, sein Rucksack ziert ein Aufnäher mit dem rot-weissen Ahornblatt.

«Aber auch die Flagge der Schweiz
ist aufgenäht.»

Kanada sei seine zweite Heimat, sein Herz schlage für zwei Nationen. Die Zeit in einer kanadischen Provinzstadt hat Wick geprägt. «Die Mentalität der Leute und ihr Zusammenhalt haben mich beeindruckt. Bei einem Schneesturm unterstützt man sich gegenseitig.» Dadurch habe sich auch sein Blick auf die Schweiz verändert.

An Wicks Rucksack hängt auch ein Wimpel von «Sphair». Es ist die vormilitärische Selektion für Pilotenanwärter. «Ich will Kampfjetpilot werden», sagt Wick. Seit dem Kindergarten sei er von der Aviatik fasziniert. Der 18-Jährige will bald die Eignungsprüfung machen. Ob er sie besteht, weiss er nicht. «Wie will ich das wissen, wenn ich es nicht einfach probiere.» So wie Wicks Berufswunsch früh feststand, war auch sein politische Interesse schon früh geweckt. Mit neun Jahren beginnt er, die Tagesschau zu sehen. Als er älter wird, kommt die Lektüre des «Tagblatts» hinzu – aber auch die «WOZ» und die «Weltwoche». «Man sollte sich nicht nur auf ein Medium beschränken.» Wozu das führt, habe er in Amerika gesehen. «Viele sehen FOX News als einzige Informationsquelle.»

Ein weiterer Katalysator für Wicks politische Ambitionen ist die Klasse, in die er nach seinem Aufenthalt in Kanada kam. In seiner Klasse ist auch Miriam Rizvi, das Gesicht der St.Galler Klimabewegung. Sie kandidiert zusammen mit einem weiteren Klassenkamerad ebenfalls für den Kantonsrat – allerdings für die Juso. Wick sagt: «Der Klimastreik ist wichtig, aber ich teile nicht all ihre Forderungen.»

Sein Thema ist vielmehr die Altersvorsorge. Die AHV habe ein strukturelles Problem: Immer mehr Pensionäre und weniger Arbeitstätige. «Deshalb sollten die Jungen über deren Finanzierung entscheiden können.» Bei den Jungfreisinnigen ist Wick deshalb verantwortlich für die Renteninitiative.

«Wenn es einen Klimastreik gibt, müsste es auch einen AHV-Streik geben. Beide Themen betreffen die Nachhaltigkeit.»

Junge müssten sich für ihre Anliegen einsetzen. «Nicht umfassendes Fachwissen kompensiere ich dabei mit Engagement und Leidenschaft.»

Kein Streber: «Ich mache das, was nötig ist»

Neben der Politik ist Wick auch sportlich aktiv. Er zählt auf: Eishockey, Volleyball, regelmässig trainiere er im Kraftraum, dazu kommt Wandern und Bergsteigen. Er fährt Ski – am liebsten Freeride, im Tiefschnee – vor Kurzem hat er den J+S-Skilehrer-Kurs abgeschlossen. Wick betreibt Schneesport mit seinem Vater und hat Gleitschirmfliegen ausprobiert. «Das hat Überwindung gekostet. Ich hab geschrien in der Luft – vor Freude.»

Ja, er sei abenteuerlustig, aber kein Adrenalinjunkie. «Ich bin gern in der Luft.» Und die Aufzählung täusche, denn er bringe Schule und Hobbys gut unter einen Hut. Das vergangene Schuljahr habe er mit einem Fünfer-Schnitt abgeschlossen. Geschichte und Wirtschaft interessiert ihn, Französisch und Biologie hingegen etwas weniger. Seine Mutter sage manchmal, er tue zu wenig. «Ich mache das, was nötig und wichtig ist für eine gute Note», sagt Wick.

Was viele nicht von ihm erwarten würden, ist, dass er Hackbrett spielt.

«Ich bin zwar ein Stadtkind,
urban geprägt – und spiele
trotzdem Hackbrett.»

Ebenfalls eine Passion, die Wick seit jungen Jahren pflegt. Begegnungen bei Auftritten von ihm in Altersheimen seien stets «wahnsinnig berührend» und geben ihm Elan beim Üben.

Seine Wahlchancen schätzt Wick auf etwa 1:50. Er hat zwei Plakate im Garten der Eltern aufgestellt, verteilt «ein paar Flyer» und nutzt seine Onlinekanäle. «Viel Geld kann ich nicht ausgeben. Aber ich will die Jungen einfach dazu animieren, aktiv zu werden und wählen zu gehen.»