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Stapi-Wahl in Rheineck: Urs Müller, Kandidat der Findungskommission und humorvoller Wanderer

Urs Müller hat früh Verantwortung übernommen. Er heiratete mit 22, war zweifacher Vater schon während des Studiums und stand der Jung-FDP-Regionalpartei vor. Sein drittes Studium begann er mit 47.
Gert Bruderer
Urs Müller, Kandidat fürs Rheinecker Stadtpräsidium: «Mit Humor lässt sich viel aufbrechen.» (Bild: Gert Bruderer)

Urs Müller, Kandidat fürs Rheinecker Stadtpräsidium: «Mit Humor lässt sich viel aufbrechen.» (Bild: Gert Bruderer)

Der Sohn des früheren Thaler Gemeinderatsschreibers ist im regionalen Pflegeheim zur Welt gekommen, als es noch ein Spital war. Er war der jüngste von vier Buben.

Selbst hat er mit seiner Frau Susanne, einer Kinderkrankenschwester, vier Töchter im Alter von 26 bis 31. Mit Bezug auf seinen Onkel, der fünf Töchter hat und schliesslich auch noch Vater eines Buben wurde, meint Urs Müller lächelnd: «Ich wollte nicht weiter probieren.»

Seit Oktober 2016 fährt der 53-Jährige täglich mit seinem Fiat Cinquecento von Thal nach Diepoldsau, wo er im zweiten Stock des Gemeindehauses sein Büro hat. Urs Müller ist Geschäftsführer des Zweckverbandes Rheintaler Binnenkanalunternehmen und hat in dieser Funktion oft mit Gemeindepräsidenten und kantonalen Fachstellen zu tun. Noch vor fünf Jahren wäre er nicht auf die Idee gekommen, irgendwo als Gemeinde- oder Stadtpräsident zu kandidieren, doch die aktuelle Tätigkeit hat ihn am Beruf des leitenden Exekutivpolitikers Gefallen finden lassen.

Dreimal studiert, aber nicht am Stück

Früher hatte sich Urs Müller vorgestellt, einmal Lehrer zu werden. Aber die Aussicht auf sechsjähriges Lernen am Stück bedeutete die Abkehr vom Traumberuf. Heute ist Müller froh. Er sagt, er wisse nicht, ob er ein guter Lehrer wäre. Was Geduld betrifft, meint Müller: «Ich arbeite daran.» Seine Ausbildung nahm weit über zehn Jahre in Anspruch, doch der Thaler, ein zielstrebiger Mann schon in jungen Jahren, lernte in Etappen.

Der Lehre als Tiefbauzeichner in Heerbrugg folgte ein Bauingenieur-Studium in Rapperswil, ehe Müller während vier Jahren für ein Zürcher Bauunter­- nehmen tätig war. 1994, zurück in Thal mit allen vier Töchtern, arbeitete er nochmals so lange in einem Ingenieurbüro. Nebenberuflich absolvierte er ein Studium zum Wirtschaftsingenieur an der Fachhochschule St. Gallen. Erst viel später, mit 47, liess er ein Nachdiplomstudium folgen: In Vaduz erlangte er den Titel Executive MBA. Er habe sehen wollen, ob er auch im Kopf noch fit genug sei, sagt er.

In der Leitung der Freikirche

Seit gut zwei Jahren ist Urs Müller in Thal Mitglied der Geschäftsprüfungskommission. Er ist Verwaltungsratspräsident eines Gartenbauunternehmens, gehört dem Leitungsteam der überkonfessionellen Freikirche ICF St. Gallen (International Christian Fellowship) an und betätigt sich im Vereinsvorstand des ICF Cambodia Campus Kinderhilfswerk.

Als Geschäftsführer des Binnenkanal-Zweckverbandes hat Urs Müller keine Mitarbeiter. Führungserfahrung eignete er sich früher an, als Bauführer mit 20 bis 30 Mitarbeitenden, und bei seiner 15-jährigen Tätigkeit bei Jansen, als er sich mit einer Kollegin die Leitung einer Division mit 120 Mitarbeitenden teilte. Auch einem vier- oder fünfköpfigen Team stand er bei einer kleineren Firma schon vor.

Mit Witz und Ehrlichkeit

Die paar wenigen Stapel in seinem sonst aufgeräumten Büro nennt Urs Müller fast liebevoll Sedimente. Es gebe diese «Biegeli» eben. Statt mit der Ernsthaftigkeit, die oft genug in die Gesichter von Kandidaten gemeisselt ist, bestreitet Müller seinen Alltag mit fast permanentem Lächeln. Ob Urs Müller auch ein Dasein als Comedian beglücken könnte? Er lacht laut heraus und sagt: «Ja.» Abwegig sei das nicht, er lache in der Tat sehr gern, «mit Humor lässt sich viel aufbrechen».

Er lache auch gern über sich selbst, zuwider sei ihm allerdings die seiner Ansicht nach zunehmende Tendenz, die Gürtellinie zu unterschreiten. Hingegen gefällt ihm Humor in Verbindung mit gewisser Gesellschaftskritik. Müller hat auch die Neigung, mit geistreichem Witz ein kleines Manko wettzumachen: Denn der beste Diplomat sei er wohl nicht, stattdessen aber «gern mit Anstand ehrlich», was er umgekehrt auch an den andern schätze, sagt er. Was er gut oder schlecht findet, bringt Müller am liebsten sogleich auf den Punkt.

Seit knapp zwei Jahren ist Urs Müller Grossvater. Eine seiner vier Töchter hat einen Sohn bekommen – Noah. Den wird freuen, dass der Opa nicht nur einen alten Traktor für seine 2000 Quadratmeter Wald in Thal besitzt, sondern seit dem Herbst auch einen älteren Campingbus, in dem er mit der Gattin schon mal Norditalien bereiste. Urs Müller interessiert alles, was mit Sport zu tun hat. Seit der zweiten Klasse ist er im Turnverein Thal. Er teilt die Leidenschaft fürs Wandern mit seiner Frau.

Lieber Krimis als Kultur

Müller liest gern Krimis, das Kulturelle weckt sonst jedoch nicht unbedingt sein Interesse, wie er sagt. Das habe mit seinem mehrjährigen musikalischen Wirken am Klavier zu tun, das wenig erfolgreich gewesen sei und in ihm selbst keine Begeisterung ausgelöst habe. In Rheineck sei der kulturelle Stellenwert allerdings bedeutsam, und dem werde er sehr wohl mit Anerkennung Rechnung tragen.

Als kommunikativer Mensch, der gern unter Leuten ist, hat Müller für Rheineck den frühen Einbezug der Bürgerschaft im Sinn, er spricht von partizipativer Planung. Weniger geschwollen ausgedrückt schiebt Müller nach, ihm widerstrebe jegliche Vogel-friss-oder-stirb-Politik.

Was käme für ihn als Stadtpräsidenten nicht in Frage? Sicher, sagt er, würde er nie seine Aufgaben mit persönlichen Interessen vermischen. «Transparente, saubere Prozesse sind für das A und O.»

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