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Mörschwil: Hochstammpapst Guido Schildknecht tritt kürzer

Der Mörschwiler Landwirt Guido Schildknecht gibt sein Amt als Präsident des Vereins Hochstammobstbau Schweiz ab. Für die Bäume will er sich aber weiterhin einsetzen. Bis zum Umfallen.
Adrian Lemmenmeier
Guido Schildknecht im Geäst eines Apfelbaumes. (Bild: Thomas Hary)

Guido Schildknecht im Geäst eines Apfelbaumes. (Bild: Thomas Hary)

Fast wäre Guido Schildknecht zum Bauer des Jahres gewählt worden. Der Mörschwiler war nominiert für die Auszeichnung Agro-Star Suisse, die jeden Februar an der Messe Tier und Technik in der Olma-Halle verliehen wird (siehe Kasten). Doch für die Trophäe hat es nicht gereicht, was den 77-Jährigen nicht überraschte: «Mit dem Agro-Star werden meist innovative Bauern ausgezeichnet», sagt Schildknecht. Er aber steht für traditionelle Landwirtschaft. Statt Digitalisierung predigt er Handarbeit.

«Kühe mit einem Roboter melken? Lieber würde ich sterben!»

Nominiert war Schildknecht für seinen Einsatz für den Erhalt der Hochstammobstbäume. Als Präsident des Vereins Hochstammobstbau Schweiz hat er sich zusammen mit seinen Vorstandskollegen vor zwölf Jahren dagegen gewehrt, dass vom Feuerbrand befallene Bäume flächendeckend gerodet wurden. «Der Kampf für die Bäume ist mein Lebenswerk», sagt Schildknecht heute.

Agro-Star Suisse

Mit dem Agro-Star Suisse wird jedes Jahr eine Person ausgezeichnet, die sich um die Landwirtschaft verdient gemacht hat. Dieses Jahr ging die Auszeichnung an Judith Pfefferli aus Wangen bei Olten. Sie bietet auf ihrem Hof landwirtschaftliche Bildung für Kinder an. Der Preis wird von der Zeitschrift «Schweizer Bauer» und der Mobiliar getragen. (al)

«Die Natur hat uns Recht gegeben»

Diesen Kampf hat Schildknecht akribisch dokumentiert. Auf seinem Stubentisch liegen blaue Bundesordner, voll mit Notizen und Zeitungsartikeln zum Feuerbrand. Daneben eine Bastflasche mit Süssmost, an der Wand prangt das Kruzifix. Schildknecht zeigt Fotos von Baumstrünken im thurgauischen Erlen, neben denen Holzkreuze in der Wiese stecken – Grabstätten gefällter Birnbäume.

2000 bis 2007 wütete in der Schweiz der Feuerbrand, eine Bakterienkrankheit, die sich bei warmem und feuchtem Wetter während der Blüte ausbreitet. Um Niederstammplantagen vor dem Erreger zu schützen, ordneten Bund und Kantone die Rodung befallener Hochstamm-bäume an. Schweizweit wurden über 400000 Obstbäume gefällt, die meisten davon im Jahr 2007 – dem «Katastrophenjahr», wie Schildknecht sagt.

Auch auf dem Hof seines Sohnes hatten kantonale Kontrolleure eine Zwangsrodung verordnet. «200 Apfelbäume wollten sie umtun.» Schildknecht ging auf die Barrikaden. Er jagte die Kontrolleure vom Hof, was ihm eine Busse einbrachte. Mehr Erfolg hatte er auf dem Rechtsweg. Mit zwei anderen Bauern zog er den Rodungsentscheid bis ans Bundesgericht weiter, wo sie Recht bekamen.

Schildknecht und seine Mitstreiter waren sich sicher, dass die Hochstammbäume den Feuerbrand selber überstehen würden. Erfahrungen aus Deutschland bestärkten ihre Ansicht. In Baden-Württemberg etwa hatte man darauf verzichtet, befallene Bäume zu roden. Es zeigte sich, dass sie von alleine gesundeten. Jahre später brachten sie wieder reichen Ertrag. Heute sind die einst befallenen Hochstämme auf dem Hof der Schildknechts kerngesund. «Die Natur hat uns Recht gegeben», sagt Schildknecht. Seit 2007 hat der Feuerbrand in der Schweiz nicht mehr grossflächig gewütet.

Ein zweites Buch ist in Planung

Guido Schildknecht kennt man nicht nur wegen seines Engagements für Obstbäume. Zwischen Bodensee und Säntis gibt es kaum eine politische Veranstaltung, an welcher der Landwirt nicht im Publikum sitzt. Oft tut er dabei seine naturschützerische, traditionell-bäuerliche Haltung kund. Unlängst forderte er an einem Podium zur Ersatzwahl in den Ständerat, es brauche jemanden wie Greta Thunberg im Stöckli. Schildknecht predigt «Ehrfurcht vor der Schöpfung», den schonenden Umgang mit «gottgegebenen Ressourcen». Vor zehn Jahren pilgerte er von Mörschwil nach Rom und schrieb ein Buch über seine Wallfahrt. Die Mörschwiler nennen ihn den Hochstammpapst.

Doch Schildknecht legt Wert darauf, nicht als katholischer Fanatiker dargestellt zu werden. Er respektiere auch andere Religionen und freue sich immer, Menschen zu begegnen, die seine Liebe zur Natur teilen.

Am 8. März gibt Guido Schildknecht das Präsidium des Vereins Hochstammobstbau Schweiz ab. Doch zur Ruhe setzen wird sich der umtriebige Mörschwiler nicht. Er werde weiter arbeiten, Bäume schneiden, andere Obstbauern unterstützen. Wenn er sich seinen Tod aussuchen könnte, würde er am liebsten vor Müdigkeit einschlafen. «Doch noch fühle ich mich wie 50», sagt der 77-Jährige. Diese Energie will Schildknecht nutzen, um ein zweites Buch zu schreiben. Thema: der Feuerbrand.

Hinweis
Veranstaltung zur Zukunft Hochstammobst Schweiz, 8. März, 13.30 Uhr, Freihof, Gossau.

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