Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der Hellseher und sein Pudel: Mike Shiva war in St.Gallen

Der bekannteste Schweizer Wahrsager hat sein erstes Buch im Rösslitor vorgestellt und vor dem Publikum in die Karten gesehen. Mike Shiva kam nicht allein: Mit dabei war Pudeldame Chocolat.
Seraina Hess
Die Winkekatze aus dem TV fehlt, dafür ist Pudeldame Chocolat dabei: Wahrsager Mike Shiva im Rösslitor. (Bild: Michel Canonica)

Die Winkekatze aus dem TV fehlt, dafür ist Pudeldame Chocolat dabei: Wahrsager Mike Shiva im Rösslitor. (Bild: Michel Canonica)

Zehn Brillenträgerinnen mittleren Alters besetzen die erste Reihe vor dem Transparent und warten auf den Mann, den sie seit Jahren im Fernsehen und in den Illustrierten des Landes verfolgen. «Seine Nummer habe ich noch nie gewählt», sagt eine Endvierzigerin mit besonders ausgefallener Sehhilfe, «aber ich möchte erfahren, wie er in natura wirkt». Das können Gleichgesinnte am vergangenen Mittwochabend im Rösslitor gegen ein Entgelt von 15 Franken. TV-Wahrsager und Unternehmer Mike Shiva ist aus Basel angereist und stellt das literarische Werk vor, das seine exzentrische Figur in den Mittelpunkt rückt: «Ich, Mike Shiva». Das erste Buch, das Shiva geschrieben hat – und das erste, das er nach eigener Aussage zu Ende gelesen hat.

Sonnenbrille, Haarband und Glitzerschmuck

Der Beifall im Rösslitor ist laut und die «Jöö»-Rufe sind zahlreich, als Shiva mit Pudeldame Chocolat auf dem Arm die Treppe hinuntersteigt, als wäre ihm zu Ehren der rote Teppich ausgerollt worden. Shiva sei gemäss einer Umfrage die zweitbekannteste Persönlichkeit der Schweiz und besetze damit den Rang direkt hinter Roger Federer, hält Verleger Gabriel Palacios fest. Der Wahrsager mit Louis-Vuitton-Täschli, Sonnenbrille, Haarband und Glitzerschmuck zelebriert seinen Auftritt, und das nicht nur am Mittwochabend. Shiva ist Stammgast in der Klatschpresse und war diesen Sommer sogar im Container von «Promi Big Brother» im deutschen Fernsehen zu sehen. «Der blanke Horror. Körper, Seele und Geist waren danach nicht mehr im Einklang», quittiert Shiva die Erfahrung und erntet mitleidvolles Nicken aus der ersten Reihe.

Mike Shiva tourt mit seinem Buch durch die Orell-Füssli-Filialen der Schweiz. (Bild: Michel Canonica)

Mike Shiva tourt mit seinem Buch durch die Orell-Füssli-Filialen der Schweiz. (Bild: Michel Canonica)

Eins mit sich selbst ist Shiva im Normalfall immer. Sonst könnte er seiner Berufung, der Hellseherei, nicht nachgehen. Seine Spiritualität sei aber nicht mit Esoterik gleichzusetzen, mahnt er das Publikum: «Esoterik ist eine Religion, die sich der Spiritualität bedient, so wie das Christentum auch.» Soll heissen: Shiva nutzt zwar spirituelle Elemente, gehört aber keiner Religion an. Auch sein Metier teilt er in Humbug und ehrliches Handwerk. Die Zukunft sei nicht vorbestimmt, wie manche Branchenkollegen zu behaupten pflegten. Die Prognosen, die Shiva erstellt, beruhten auf ausgeprägter Menschenkenntnis und seien jederzeit beeinflussbar. Verantwortlich für seine Kunden fühlt sich der Hellseher aber nicht: «Ich bin knallhart: Wer fragt, bekommt seine Antworten.»

Gespräch mit Shiva kostet 4.50 Franken pro Minute

Mike Shivas Buchpräsentation vereint seine Geschichte mit einer Spur Rechtfertigung. Nicht, dass letztere vor dem geneigten Publikum nötig wäre, denn Zweifel an den Fähigkeiten des Schweizer Wahrsagers hegt hier offenbar niemand. «Ich glaube fest daran, dass es etwas Übersinnliches gibt. Deshalb kontaktiere ich auch immer wieder ein Medium», erklärt die Dame mit der markanten Brille. Die Prognosen würden stets zutreffen und ihr helfen, die Lebenseinstellung anzupassen. Auch wenn das seinen Preis hat.

Wer wie Mike Shiva mit 4.50 Franken pro Gesprächsminute teurer ist als der Therapeut mit Hochschulabschluss, fühlt sich wohl in der Pflicht, sich zu erklären. Vor allem der Konsumentenschutz hat dem Kartenleger immer wieder vorgeworfen, verzweifelte Personen zu hintergehen, indem er sie abzocke und Binsenweisheiten weitergebe. «Was vergessen geht: Den Grossteil des Geldes streicht die Telefongesellschaft ein. Auch die Produktion der Sendungen kostet.» Am Ende blieben ihm pro Minute zehn Rappen fürs eigene Portemonnaie, sagt der Kartenleger. Etwas mehr Geld dürfte es sein, wenn Shiva sein aktuelles Ziel erreicht:

«Stellt euch vor, ich würde Bestsellerautor und hätte irgendwann einen Auftritt im SRF-Club am Dienstagabend: Ich fühlte mich mega!»

Bevor ihn seine Fans in diesem Vorhaben unterstützen können, indem sie sich mit einem Exemplar des Erstlingswerks in die Reihe stellen, mischt der Hellseher seine Karten. Er zieht eine aus dem Stapel, richtet die Handykamera auf sich und offenbart die Bedeutung auf seinem Snapchat-Kanal live aus St. Gallen: Es ist die Karte der Beständigkeit und der Geduld. Oder, wie Shiva mit einem Lächeln zusammenfasst: «Sei geduldig, nimm’s easy, dann kommt alles gut für dich.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.