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Der Hausrat unterm Hammer - fast kam es in Gossau zur grössten Versteigerung seit Jahren

Fast hätte Gossau die grösste betreibungsrechtliche Versteigerung seit Jahren erlebt. Doch in letzter Sekunde kam es zur Einigung. Obwohl die Anzahl Betreibungen tendenziell zunimmt, sind solche Auktionen selten.
Adrian Lemmenmeier
138 Gegenstände hätten vergangenen Freitag in Gossau versteigert werden sollen. (Bild: Getty)

138 Gegenstände hätten vergangenen Freitag in Gossau versteigert werden sollen. (Bild: Getty)

Ein Kronleuchter aus Messing, ein samtüberzogenes Sofa und ein dunkelbraun gebeizter Holzsekretär. Diese und 135 weitere Gegenstände hätten vergangenen Freitag in Gossau versteigert werden sollen. Es wäre die grösste betreibungsrechtliche Sachversteigerung der letzten zehn Jahre gewesen. Doch am Abend bevor die Sachen unter den Hammer kamen, hat das Betreibungsamt die Gant abgeblasen. Gemäss Mitteilung der Stadt hatten sich Schuldner und Gläubiger geeinigt.

Es kommt nicht oft vor, dass die Mitarbeiter des Gossauer Betreibungsamtes solche Versteigerungen organisieren. «Das wäre erst die zweite Sachversteigerung in meiner Zeit in Gossau gewesen», sagt Tanja Tatić, Leiterin des Betreibungsamtes. «Und ich bin schon seit zehn Jahren hier.» Das heisst allerdings nicht, dass in Gossau wenig Leute gepfändet werden. Die Prozedur ist aber üblicherweise eine andere.

Stete Zunahme an Lohnpfändungen

«In Gossau haben wir vor allem Einkommenspfändungen», sagt Tanja Tatić. Das heisst, den Leuten, die ihre Schulden nicht bezahlen, wird ein Teil von ihrem Einkommen direkt abgezogen. «380 solche Dossiers laufen derzeit.» Eine solche Lohnpfändung dauert maximal ein Jahr. Sind die Schulden dann nicht beglichen, erhält der Gläubiger einen Verlustschein. Damit kann er das Verfahren wieder aufnehmen. «Dies kann dazu führen, dass bei einem Schuldner dauernd eine Lohnpfändung besteht.»

Wenn ein Gläubiger den säumigen Schuldner betreibt, schicken Tanja Tatić und ihre Mitarbeiter diesem umgehend einen Zahlungsbefehl. Den kann der Schuldner innerhalb von zehn Tagen anfechten. Gleichzeitig läuft die Zahlungsfrist von 20 Tagen. Die jährlich verschickte Anzahl solcher Zahlungsbefehle hat in Gossau in den letzten Jahren von 3328 auf 4675 zugenommen. Das ist eine Steigerung um 40 Prozent. Kantonal und landesweit gesehen ist die Anzahl Zahlungsbefehle im selben Zeitraum hingegen um weniger als 20 Prozent gestiegen (siehe Grafik).

«Versuchen Sie mal, so eine Wohnung zu finden»

Tanja Tatić hat diese Zunahme in den letzten Jahren mitverfolgt. «Heute wird viel schneller betrieben als vor zehn Jahren», sagt sie. Auch würden heute öfter professionelle Inkassobüros eingesetzt. Ausserdem sei es auffällig, dass mehr junge Leute betrieben würden, sagt Tatić. Mögliche Ursachen für die Verschuldung könnten ihr zufolge Online-Käufe sein, genauso wie die Verlockung, mit Kreditkarte zu bezahlen oder Kleinkredite aufzunehmen. «Viele junge Menschen sind sich nicht bewusst, was das für Auswirkungen auf ihr späteres Leben haben kann.» Denn wenn man mit 18 Jahren einen Verlustschein im Betreibungsregister eingetragen hat, bleibt dieser zwanzig Jahre dort aufgeführt. «Versuchen Sie mal so, eine Wohnung zu finden.»

Nicht immer gelangt der Gläubiger über die Betreibung an den geforderten Betrag. «Letztes Jahr wurden in Gossau 54 Prozent aller Forderungen aus Pfändungen beglichen», sagt Tatić. Das entspricht 3,7 Millionen Franken.

In der Schweiz kann jeder jeden betreiben. Das Betreibungsamt darf nicht prüfen, ob die Forderung tatsächlich besteht. Deshalb kommt es auch in Gossau gelegentlich vor, dass Leute andere ohne begründete Forderungen betreiben. «Vielleicht nutzen diese Leute Betreibung, um ihre persönliche Streitigkeiten auszutragen», sagt Tatić. Pro Jahr käme das zwei bis drei Mal vor. Viel häufiger also als eine Versteigerung von Gegenständen, wie sie vor einer Woche hätte stattfinden sollen.

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