Porträt

Der Grüne Richard Faust will mit Biogemüse in den Mörschwiler Gemeinderat

Der Grüne Richard Faust ist der älteste Kandidat für den Mörschwiler Gemeinderat und unterstützt die Klimajugend. Nachdem er die Wahl in den Kantonsrat knapp verpasst hat, will er seine freie Zeit auf Gemeindeebene einsetzen.

Johannes Wey
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Für seine Sonnenkollektoren musste Richard Faust vor vielen Jahren kämpfen.

Für seine Sonnenkollektoren musste Richard Faust vor vielen Jahren kämpfen.

Johannes Wey (12. August 2020)

Biogemüse hat er in Mörschwil keines gefunden. Darum wird Richard Faust und seine Partei nun eben Gemüse aus der Region anbieten. Ab Ende August stellen sie an vier Samstagen einen Marktstand beim alten Gemeindehaus auf.

Ein lebendiges Dorf, in dem man die Grundbedürfnisse vor Ort befriedigen kann, sei ihm wichtig, sagt Faust. Deshalb lanciere er im Wahlkampf den Marktstand-Testbetrieb.

Einkaufsmöglichkeiten würden den Zusammenhalt im Dorf auch unter denjenigen Bewohnern stärken, die wie er nicht in Vereinen engagiert seien. Solche Begegnungsorte seien mit der Manser Molki und der Post weggefallen. Gespannt ist er darum auf die Ausstellung zur Dorfkernüberbauung und wie viel Gewerbefläche vorgesehen ist.

Beflügelt von den Kantonsratswahlen

Er lebe seit über 40 Jahren in Mörschwil, sagt Faust, und sei mittlerweile «bekannt wie ein bunter Hund». Für die Sonnenkollektoren auf seinem Dach habe er damals noch mit den Gemeindebehörden streiten müssen. Und als 2016 die «Aktion Zunder» im Dorf für bessere Bedingungen in der Asylunterkunft demonstrierte, war Faust als einer von wenigen Mörschwilern dabei.

Richard Fausts Parteikollegin Jeannette Losa nach ihrer Wahl in den Kantonsrat.

Richard Fausts Parteikollegin Jeannette Losa nach ihrer Wahl in den Kantonsrat.

Ralph Ribi (8. März 2020)

Zur Kandidatur für den Gemeinderat habe ihn das gute Abschneiden seiner Partei bei den Kantonsratswahlen ermutigt. In Mörschwil erreichten die Grünen einen Wähleranteil von über zehn Prozent und stellen mit Jeannette Losa erstmals eine Kantonsrätin. Richard Faust lag zwei Stimmen hinter ihr. Nun rechnet er sich intakte Chancen auf den freien Gemeinderatssitz aus:

«Ein grosser Teil der Zuzüger der letzten Jahre denkt sehr urban. Das spricht für die Grünen.»

Politik beginnt im Dorf

Lange galt Richard Fausts Interesse in erster Linie der Politik auf nationaler und kantonaler Ebene. Auch heute engagiere er sich für die Konzernverantwortungsinitiative und unterstütze die Klimajugend.

«Doch bei mir hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Politik in der Gemeinde anfängt.»

Die Umsetzung der Energiestrategie beispielsweise beginne im Kleinen. Im Weiler Horchental, wo der 66-Jährige sich ein Haus mit dem Sohn und dessen Frau teilt, sei er zum Beispiel auf ein Auto angewiesen. Dieses hängt vor der Garage an der Steckdose.

«Für die Randgebiete gibt es wohl keine bessere Lösung als die Veloverbindungen zu den ÖV-Haltestellen zu verbessern.»

Der ÖV funktioniert, zumindest im Dorf

Das Aufkommen von E-Bikes und zuletzt die Coronakrise hätten dem Velo einen Schub gegeben. Aus seiner Sicht würde der Ausbau der Velowege nun auch die Gemeinden besser untereinander vernetzen.

Aber abgesehen von den Weilern sei die Gemeinde mit dem Viertelstundentakt und den Buslinien gut angebunden. Er sieht in der Ablösung der VBSG durch das Postauto eine Verbesserung, da die Verbindungen an den See besser geworden seien.

Ein Schwerpunkt liegt auf Energiefragen

Was erneuerbare Energien angeht, sieht er auf Gemeindeseite Nachholbedarf. Von der Energiekommission höre man zu wenig. Anlagen mit Wärme-Kraft-Koppelungen könnten Eigenheimbesitzer beispielsweise kaum alleine realisieren. Darum ist es für Faust eine Gemeindeaufgabe, diese anzustossen. «Gerade in Energiefragen wäre ich ein sehr engagierter Gemeinderat.»

Jeder Hausbesitzer soll auf seinem Grundstück verdichten dürfen, findet Richard Faust.

Jeder Hausbesitzer soll auf seinem Grundstück verdichten dürfen, findet Richard Faust.

Benjamin Manser (6. April 2019)

Ein anderes Anliegen ist ihm die Revision der Ortsplanung. Faust findet, dass jeder Hausbesitzer die Möglichkeit haben soll, sein Grundstück besser auszunützen.

Mindestens eine Legislatur

Im Falle einer Wahl würde er die Legislatur sicher durchziehen und allenfalls noch eine anhängen, sagt Richard Faust, angesprochen auf sein Alter. Präsident der Kreispartei wolle er weiterhin bleiben, bei der Wahl in ein kommunales Amt sehe er da keine Konflikte.

Faust bezeichnet sich als teilpensioniert, in seinem Softwareunternehmen arbeitet er noch in einem 40-Prozent-Pensum. Die freie Zeit, die er sich im Hinblick auf eine mögliche Wahl in den Kantonsrat verschafft habe, könne er nun in die Kommunalpolitik investieren.

Ein anderes Projekt, das er mit seiner Familie ins Auge gefasst hat, ist ein Umbau: Das Wohnhaus soll nachhaltiger werden.

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