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Der grosse Blonde mit den langen Haaren geht: Rorschacherberger Leiter des Einwohneramts übt Kritik

Eigentlich ist Ruedi Tobler aus dem Gemeindehaus in Rorschacherberg gar nicht wegzudenken. Seit 28 Jahren leitet er dort unter anderem das Einwohneramt. Heute, mit 62 Jahren, geht er in Pension. Mit zwei lachenden Augen, wie er betont. Sein Blick zurück fällt nicht ohne Kritik aus.
Rudolf Hirtl
So kennt ihn die Bevölkerung von Rorschacherberg seit beinahe 30 Jahren. Ruedi Tobler ist leidenschaftlich gern mit dem Rennrad unterwegs. (Bild: Rudolf Hirtl)

So kennt ihn die Bevölkerung von Rorschacherberg seit beinahe 30 Jahren. Ruedi Tobler ist leidenschaftlich gern mit dem Rennrad unterwegs. (Bild: Rudolf Hirtl)

Das weisse Rennrad ist sein Markenzeichen. Es müsste schon mit dem Teufel zu- und hergehen, würde er den Arbeitsweg nicht mit seinem Stahlross in Angriff nehmen. Das Wetter spielt dabei keine Rolle. Und seine anderen Markenzeichen, die kennt jeder, der schon mal mit dem Einwohneramt zu tun hatte. Und das sind vermutlich so ziemlich alle Bewohner vom Rorschacherberg. Sie haben Bekanntschaft gemacht, mit seinem ansteckenden Lachen und seiner langen Männe, die an den grossartigen französischen Schauspieler Pierre Richard erinnert.

Sein Lächeln legt er nur selten ab. Zum Beispiel, wenn ein «Kunde» sich am Schalter etwas gar rüpelhaft verhält. Dann hilft meistens ein Gespräch auf Augenhöhe, wie Ruedi Tobler mit einem Schmunzeln sagt, um die Situation zu entspannen. Dies komme aber zum Glück doch sehr selten vor. Er ist gern für die Bürgerschaft da, schätzt den Kontakt mit den Menschen.

Zuerst hatte er eine andere Laufbahn ins Auge gefasst. Er besuchte in Rorschach das Lehrerseminar. «Auch darum», gibt er lachend zu, «weil Lehrer am meisten Ferien haben.» Nach drei Jahren stellt er damals fest, es ist doch nicht das Richtige. Es folgt eine Verwaltungslehre auf der Gemeinde Wittenbach, die er 1979 abschliesst. Nach dem Militärdienst, den 500sten Tag in Uniform feiert er mit einem grossen Fest, arbeitet er auf dem Einwohneramt der St. Galler Randgemeinde.

«Es musste noch nicht gedoodelt werden»

In der Folge wächst die Lust auf eine Veränderung. Da kam das Stelleninserat von Rorschacherberg genau richtig. Am 1. Oktober 1990 habe er dort mit Freude die Aufgabe als Chef Einwohneramt, Sektionschef und Zivilschutzstellenleiter angetreten, sagt Tobler und ergänzt: «Ich kam in ein eingefleischtes Team, das sich nach der Arbeit oft zusammensetzte. Es musste noch nicht gedoodelt werden, um sich zu treffen. Man war spontan – bei der Arbeit und auch in der Freizeit – mit einem damals integren Chef, der einem Rückendeckung gab.»

Er erinnert sich auch gerne an den Umbau 1991/1992. «Viele arbeiteten im Sommer oder Winter in Containern. Unter dem Motto ‹he rein spaziert› wurde der gelungene Bau dann mit einem zweitägigen Fest gefeiert. Alle Mitarbeiter hatten ihre Ämtli. Meines war’s, den Bier-Zapfhahn zu bedienen und den durstigen Kehlen Gerstensaft auszuschenken.» Die Bevölkerung habe damals grosses Interesse gezeigt, was sich leicht beim Besuch im Festzelt habe feststellen lassen.

Veränderungen nicht einfach hinnehmen

In den vergangenen Jahren habe sich vieles getan. Was gut gewesen sei, hätten neue Angestellte verändert. «Vielleicht wollten sie so ihr Gebiet markieren», sagt Tobler lachend. Zu Beginn seiner Berufskarriere konnte man sich vor allem im Einwohneramt keine Fehler erlauben. Es musste beim siebenschichtigen Durchdruckformular auf jeden Buchstaben geachtet werden, wollte man nicht wieder von vorne beginnen. Heute dominiert im neuen Frontoffice, die moderne Technik. Er denke da etwa an den Wechsel vom Telefon auf Skype for Business, das viel könne, aber zu anfällig sei. Er bedauert zudem das Verschwinden des Wappens auf Briefpapier und Haltestellen der Gemeinde. «Heute sind wir im Frontoffice die erste Anlaufstelle, dienen Leuten als Blitzableiter für ihren Ärger und sind Telefonisten. Der direkte Weg zu den Gemeindebediensteten ist den Bürgern verwehrt», so Tobler nachdenklich.

«Ich war gerne für die Bürgerschaft da und denke, mein Bestes gegeben zu haben. Die stetigen Veränderungen sind für einen alternden Knaben aber nicht mehr so einfach hinzunehmen, was meine Entscheidung zu einem etwas verfrühten Abgang stark beeinflusst hat.» Er könne daher auch nicht sagen, er gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. «Bei mir lachen beide Augen.» Nun freue er sich auf den dritten Lebensabschnitt mit seiner Frau Betty. Natürlich werde er radeln, was das Zeug hält und viel Zeit im Tessin verbringen. Ausserdem gebe es auf dem Globus noch ein paar Flecken, die sie noch nicht bereist hätten.

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