Der Gossauer Stadtrat unterstützt eine neue Fuss- und Veloquerung am Bahnhof: Ende Juni könnte das Parlament darüber abstimmen

Im März hat die CVP Gossau-Arnegg die Volksinitiative «Fuss- und Veloquerung Bahnhof Gossau» eingereicht. Die Initiative will, dass der Stadtrat innert drei Jahren nach Annahme ein baureifes Projekt vorlegt. Wie der Stadtrat am Dienstag mitteilt, unterstützt er die Initiative. Am 30. Juni könnte diese ins Parlament kommen. Die CVP zeigt sich optimistisch.

Perrine Woodtli
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Die Bahnhofunterführung in Gossau darf nicht mit dem Velo befahren werden. Eine zweite Unter- oder Überführung soll Abhilfe schaffen.

Die Bahnhofunterführung in Gossau darf nicht mit dem Velo befahren werden. Eine zweite Unter- oder Überführung soll Abhilfe schaffen.

Bild: Urs Bucher (14. Oktober 2019)

884 Unterschriften hat die CVP Gossau-Arnegg zusammen mit ihrer «Volksinitiative Fuss-und Veloquerung Bahnhof Gossau» Mitte März eingereicht. Nun ist die Partei mit ihrem Wunsch nach einer zusätzlichen Langsamverkehrsquerung einen Schritt weiter: Der Gossauer Stadtrat hat am Dienstag mitgeteilt, dass er das Vorhaben unterstützt und dem Stadtparlament beantragt, die Initiative anzunehmen. Bestandteil der Initiative ist ein Projektierungskredit in der Höhe von 450'000 Franken.

Die CVP-Initiative will, dass der Stadtrat innert drei Jahren nach Annahme ein baureifes Projekt für eine neue Unter- oder Überführung vorlegt.

Martin Pfister, Birgit Frei-Urscheler und Patrik Mauchle von der CVP Gossau-Arnegg haben die Initiative und die Unterschriften am 16. März Stadtschreiber Toni Inauen (von links) übergeben.

Martin Pfister, Birgit Frei-Urscheler und Patrik Mauchle von der CVP Gossau-Arnegg haben die Initiative und die Unterschriften am 16. März Stadtschreiber Toni Inauen (von links) übergeben.

Bild: Johannes Wey

Die heutige Situation ist nach Ansicht der CVP unbefriedigend. Die Bahnhofunterführung sei dunkel und dürfe nicht mit dem Velo befahren werden. Gerade bei Zugankünften sei sie regelmässig überlastet. Velofahrer müssten darum entweder den Umweg über die Herisauerstrasse nehmen, das Velo durch die Unterführung schieben oder trotz Verbot dort hindurchfahren.

Gute Erreichbarkeit ist Teil des Stadtentwicklungskonzepts

Der Stadtrat begründet seinen Entscheid damit, dass sich mit einer neuen Fuss- und Veloquerung am Bahnhof die Sport- und Freizeitanlagen südlich der Bahn einfacher erreichen liessen. Die gute Erreichbarkeit der Anlagen sei eine Zielsetzung des Stadtentwicklungskonzepts, schreibt der Stadtrat. Und weiter:

«Die heutige reine Fussgängerquerung erfüllt diese Erwartung nicht.»

Mit der Realisierung der geplanten Sportanlagen im Gebiet Buechenwald werde eine attraktive Querung für Radfahrer und Fussgänger noch bedeutender. Zudem liesse sich mit dieser Unter- oder Überführung die Linienführung des kantonalen Radwegs optimieren.

Es könnte zur Volksabstimmung kommen

Wann die Initiative ins Parlament kommt, ist noch nicht ganz klar. Möglich und wahrscheinlich ist, dass es schon an der nächsten Parlamentssitzung vom 30. Juni soweit sein wird. Die zu behandelnden Geschäfte legt das Parlamentspräsidium am 16. Juni fest.

Dadurch, dass der Stadtrat dem Parlament beantragt, die Initiative anzunehmen, stehen diesem zwei Wege offen: Folgt es dem Antrag und nimmt es die Initiative an, hat der Stadtrat den Auftrag, die Projektierung anzugehen. Dafür wäre auch der Projektierungskredit von 450'000 Franken bewilligt.

Die Parlamentarier werden am 30. Juni nach knapp vier Monaten wieder ihre Stimmkarten zücken - und vielleicht auch über die CVP-Initiative entscheiden.

Die Parlamentarier werden am 30. Juni nach knapp vier Monaten wieder ihre Stimmkarten zücken - und vielleicht auch über die CVP-Initiative entscheiden.

Bild: Urs Bucher (4. April 2019)

Für diesen Fall beantragt der Stadtrat einen zusätzlichen Kredit von 20'000 Franken. Für die Begleitung dieses Projektes müsse das städtische Tiefbauamt externe personelle Unterstützung beziehen, so die Begründung.

Lehnt das Stadtparlament die Initiative ab, wird eine Volksabstimmung erforderlich. Dies wäre auch der Fall, wenn das Parlament nicht zum Vorstoss Stellung nimmt.

Positives Feedback von links bis rechts

Bei der CVP ist man wie erwartet zufrieden mit dem Entscheid. «Wir freuen uns sehr, dass der Stadtrat die Initiative unterstützt», sagt Patrik Mauchle vom Initiativkomitee.

Patrik Mauchle, CVP Gossau-Arnegg.

Patrik Mauchle, CVP Gossau-Arnegg.

Bild: PD
«Das zeigt, dass der Stadtrat die Bedürfnisse der Unterzeichnenden sieht.»

Ebenfalls positiv sei, dass man die Antwort des Stadtrates relativ zügig erhalten habe, so Mauchle.

Das Initiativkomitee wünschte sich im April in einer Medienmitteilung noch vor den Sommerferien eine Parlamentsberatung, sofern der Betrieb im Juni wieder aufgenommen werden kann. Dass das Geschäft nun am 30. Juni behandelt werden könnte, sei erfreulich, sagt Mauchle. Man hoffe natürlich, dass die Initiative angenommen werde. Es sei schwierig, abzuschätzen, wie die anderen Parteien zu dieser stehen würden.

«Wir haben aber von links bis rechts positives Feedback erhalten und sind deshalb optimistisch.»

Die Initiative annehmen wird sicher die SP Gossau-Arnegg. Die Partei setzt sich selber bereits seit Jahren für eine zweite Unter- oder Überführung am Bahnhof ein. Die Sozialdemokraten nahmen die Initiative der CVP damals mit grossem Erstaunen zur Kenntnis. Die CVP bediene sich «unverfroren eines Themas, für das sich die SP Gossau-Arnegg seit vielen Jahren einsetzt», hiess es in einem Communiqué .

Die SP hatte erwartet, dass die CVP im Vorfeld auf sie zukommen würde, und empfand das Vorgehen als merkwürdig und unfair. Man hätte den Weg gerne gemeinsam beschritten.