Gossauer bei der Schweizergarde: «Seit ich im Vatikan arbeite, setze ich mich intensiver mit meinem Glauben auseinander»

Seit vier Monaten ist René Bremgartner Hellebardier bei der Schweizergarde. Anlässlich seines ersten Heimaturlaubs berichtet der Gossauer von seinen Erlebnissen im Dienste des Papstes.

Marco Cappellari
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René Bremgartner mit seinem ganzen Stolz, der berühmten Uniform. (Bild: PD/Katarzyna Artymiak)

René Bremgartner mit seinem ganzen Stolz, der berühmten Uniform. (Bild: PD/Katarzyna Artymiak)

Am Sonntagmorgen war er noch als Wache für eine Messe auf dem Petersplatz eingeteilt, am Abend war er bereits wieder in der Schweiz: Kürzlich durfte der Gossauer Hellebardier René Bremgartner den ersten Heimaturlaub seit Beginn seiner Ausbildung im vergangenen Oktober antreten. Anfang Mai war er bei der Schweizergarde im Vatikan vereidigt worden (Ausgabe vom 14. Mai). Nach vier Monaten im Dienst des Papsts blickt er zurück auf eine spannende Zeit.

Zuhause stand nach so langer Abwesenheit als erstes ein Fest mit Nachbarn, Verwandten und Freunden auf dem Programm. «Ausserdem bin ich viel mit dem Töff gefahren und auf den Säntis wandern gegangen», erzählt der 23-Jährige. Die zehnstündige Reise vom Vatikan nach Gossau hat er im Zug zurückgelegt. Für die Rückreise nach Rom benutzt er sein Motorrad. Ein KTM Duke 690 R. «Sobald ich das Nummernschild erhalte, werde ich damit auch im Vatikan fahren dürfen», freut sich Bremgartner.

Den Papst persönlich bewacht

«Der Glaube hat mir immer etwas bedeutet», sagt Bremgartner. «Jetzt, da ich im Vatikan arbeite, setze ich mich aber viel intensiver damit auseinander.» Ausserdem lerne er gerne und viel über die Geschichte der Schweizergarde. «So habe ich dann auch etwas zu erzählen, wenn ich bald Besuch erhalte.» Im September werden nämlich zwei Tanten und zwei Cousinen für ein Wochenende in die Vatikanstadt reisen. «Und im Oktober wird mich mein Bruder besuchen. Ich werde ihm dann eine Führung geben und auch die Basilika zeigen können.»

René Bremgartner war schon früh klar, dass er der Schweizergarde beitreten möchte. Bei seiner Firmung hielt ein Ex-Gardist einen Vortrag. Für seine Abschlussarbeit an der Berufsschule wählte er anschliessend die Garde als Arbeitsthema und interviewte den Ex-Gardisten. Es folgten weitere Recherchen und schliesslich eine Schnupperwoche. «Ich war von Anfang an begeistert», erinnert er sich.

Die Begeisterung hält bis heute an. Doch obwohl ihm seine Aufgabe sehr viel Spass macht, ist es eine grosse Verantwortung, die Bremgartner trägt. «Zu wissen, dass man die letzte Verteidigungslinie zwischen einer möglichen Gefahr und dem Papst ist, erfüllt einen mit Stolz, aber auch Ehrfurcht.» Bremgartner durfte bereits den Papst persönlich bewachen. Damit die Garde immer in Topform ist, werden monatlich Geschwadertage abgehalten. Dabei üben Bremgartner und seine Kollegen den Schusswaffengebrauch, verbessern ihre Selbstverteidigungsfähigkeiten und treiben Sport. «Und jedes Mal gehört auch ein Test dazu.» Bei diesem gilt es, wichtige Personen erkennen zu können. Schliesslich ist die Schweizergarde nicht nur für die Sicherheit des obersten Katholiken zuständig, sondern auch für die der zahlreichen Kardinäle, die im Vatikan leben und arbeiten.

Die Uniform nach Hause nehmen

Normalerweise arbeite ein Hellebardier bei der Schweizergarde sechs Tage am Stück und hat dann drei Tage frei. Aufgrund der Nachwuchsprobleme bei der Garde könne es momentan aber auch vorkommen, dass man einen halben Tag mehr arbeiten müsse. Die etwa 110 Hellebardiere seien eine bunt durchmischte Truppe. Abgesehen davon, dass alle Schweizer, männlich, grösser als 1,74 Meter, zwischen 19 und 30 Jahre alt und katholisch sind.

Nach seiner Zeit in Rom möchte René Bremgartner wieder als Koch arbeiten. Er könne sich vorstellen, bei der Garde bis zum dritten Dienstjahr weiterzumachen. «Vielleicht bleibe ich auch fünf Jahre. Dann dürfte ich nämlich die Uniform mit nach Hause nehmen.»