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Der Gossauer Hund Chinook lässt sich in Altersheimen streicheln - und tut damit Gutes

Keine Tiere in Altersheimen – das war einmal. Wann immer die Gossauerin Ruth Tanner mit Chinook zu Besuch kommt, sind Streicheleinheiten garantiert. Aber der tierische Mitarbeiter kann noch mehr.
Corinne Allenspach
Ruth Tanner (rechts) mit Hund Chinook im evangelischen Pflegeheim Bruggen. «Er ist so ein Lieber», findet die demente Bewohnerin. (Bild: Thomas Hary, 7. November 2018)

Ruth Tanner (rechts) mit Hund Chinook im evangelischen Pflegeheim Bruggen. «Er ist so ein Lieber», findet die demente Bewohnerin. (Bild: Thomas Hary, 7. November 2018)

Chinook kann keine Krankheiten heilen. Etwas gelingt dem Mischling aus Labrador und Border-Collie aber besser als manchem Arzt: Der Therapiehund kann Trost spenden und bei alten Menschen in Sekundenschnelle die Stimmung heben.

So auch an diesem Morgen, als Ruth Tanner mit ihm im evangelischen Pflegeheim Bruggen zu Besuch ist. Wie alle zwei Wochen, seit acht Jahren. «Jöö, so herzig», rufen Bewohner wie Pflegepersonal auf jedem Stock. «Der liebt mich», freut sich ein Senior und streichelt Chinook minutenlang über den Kopf. «Jo hoi du», begrüsst eine Seniorin den Hund am Nebentisch und streckt sofort die Hand aus, um ihn zu streicheln. Sie habe immer einen Hund daheim gehabt, erzählt sie. Über den Besuch von Chinook freut sie sich darum besonders. Er sei einfach «än herzige, än liäbe Kerli».

Der Hund ist selber im Pensionsalter

In der Tat ist Ruth Tanners Therapiehund die Sanftheit auf vier Pfoten. Er knurrt nicht, er bellt nicht, er bleibt in jeder Situation gelassen und spürt auch, wenn jemand keine Hunde mag. Mit seinen elf Jahren wäre er eigentlich selber schon pensioniert, sagt Ruth Tanner und lacht. «Aber solange er seine Arbeit mit einer solchen Begeisterung ausübt, machen wir weiter.»

Und die Freude scheint tatsächlich gegenseitig zu sein. Sobald jemand mit Streicheln aufhört, stupft Chinook die Person an oder legt ihr den Kopf aufs Bein, als wollte er sie zum Weitermachen anregen.

Wie es Chinook geht, weiss Ruth Tanner immer ganz genau. Bei einem schwarzen Hund sehe man auch sofort, wenn er im Stress sei. Dann beginne das Fell zu schuppen.

Manchmal fliessen sogar Tränen

Dass Ruth Tanner mit ihrem Hund so freudig empfangen wird, war nicht immer so. Im Jahr 2001 hat die heute 62-Jährige ihren ersten Therapiehund ausgebildet. «Damals musste ich viel Überzeugungsarbeit leisten», sagt die ehemalige Kirchenpräsidentin der Pfarrei Abtwil-St.Josefen. In den meisten Heimen habe es geheissen: Keine Tiere. Heute ist das Gegenteil der Fall. Therapiehunde sind gesucht.

«Es gibt sogar Wartelisten von Heimen, die möchten, dass man vorbeikommt.»

Sie besucht abwechselnd zwei Heime: Nebst jenem in Bruggen auch das Dreilinden in der Gemeinde Herisau. Die Besuche seien jedes Mal ganz unterschiedlich, oft aber sehr emotional. Kürzlich habe ihr eine Altersheimbewohnerin gesagt, sie habe noch nie in ihrem Leben einen Hund gestreichelt. Und manchmal brechen die Bewohner sogar in Freudentränen aus.

Auch Ruth Tanner geben die Besuche viel. «Ich habe gerne alte Menschen», sagt sie. Ihnen ein bisschen Freude zu schenken, tue ihr gut.

«Es ist schön, wenn die Leute zu strahlen anfangen, wenn sie Chinook und mich sehen.»

Zudem lerne man sich auch mit Demenz auseinanderzusetzen und mit dem Thema Sterben.

Tiere streicheln beruhigt den Puls

Im nächsten Zimmer trifft Ruth Tanner auf eine schlafende Bewohnerin, die zwei Stofftiere fest umklammert. Als die demente Frau Chinook erblickt, hellt sich ihre Stimmung augenblicklich auf. «Jöö, er ist so ein Lieber», sagt’s und die Frau hört nicht mehr auf zu kraulen, bis der Hund genug hat und sich hinlegt.

Studien belegen, dass das Streicheln von Hunden, Katzen oder anderen Tieren bei Menschen den Blutdruck senken und das Immunsystem stärken kann. Es genügten bereits acht Minuten Streicheln, um den Puls zu beruhigen. Diese Erkenntnis nutzen heutzutage auch viele Heime.

Im Pflegeheim Bruggen wurde vor einigen Jahren sogar auf jedem Stock eine Katze gehalten. Katzen eignen sich allerdings nur bedingt als Heimtiere, da sie sich die Menschen aussuchen, mit denen sie sich umgeben möchten und zudem Auslauf im Freien benötigen. Oder in den Worten von Ruth Tanner ausgedrückt:

«Hunde sind sozial und willig, Katzen unabhängig und eigenwillig.»

Ausbildung für Mensch und Tier

Ruth Tanner und Chinook sind Mitglied des Vereins Therapiehunde Schweiz, der 1994 gegründet wurde und heute 666 aktive Therapiehunde-Teams zählt. Die Grundidee ist gemäss Webseite: Die bedingungslose und wohltuende Liebe, die ein Therapiehund geben kann, soll sich jeder leisten können. Darum sind die Besuche kostenlos. Die Ausbildung dauert ein halbes Jahr. «Für Mensch und Tier», sagt Ruth Tanner. Denn es nütze nichts, wenn der Hund gut sei, aber am anderen Ende der Leine ein Mensch stehe, der keine Empathie zeigen könne. Ruth Tanner war 15 Jahre lang im Kirchenverwaltungsrat der Pfarrei Abtwil-St. Josefen tätig, davon sieben Jahre als Präsidentin. Noch heute präsidiert sie den Gospelchor Gaiserwald. Vor vier Jahren zügelte sie von Abtwil nach Gossau. Seit 2010 ist sie mit Chinook praktisch jede Woche eine Stunde lang auf Altersheimbesuch und besucht jeweils etwa zehn Personen. (cor)

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