Der Geist, den sie riefen: Bei der Andwiler Thearteria liegen die Nerven blank

Die Laientheatergruppe bringt das Publikum mit der Komödie «The Revival» zum Gruseln. Im positiven Sinn.

Meret Bannwart
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Die britische Gruselkomödie ist von schrulligen Charakteren bevölkert. (Bild: Ralph Ribi, Andwil, 23. Oktober 2019)

Die britische Gruselkomödie ist von schrulligen Charakteren bevölkert.
(Bild: Ralph Ribi, Andwil, 23. Oktober 2019)

Es hat gespukt im Schulhaus Ebnet in Andwil, an der Premiere am Mittwochabend. Die Laiengruppe Thearteria verwandelt den Mehrzwecksaal des Schulhauses in ihre Theaterbühne. Und dort geht es mal gruslig, mal lustig zu und her. Aufgeführt wird die deutschsprachige Erstaufführung des Krimis «The Revival» des Briten James Cawood, der das vor vier Jahren verfasst hatte.

Schlechte Stimmung im Ensemble

«The Revival» ist ein Theaterstück im Theaterstück. Es erzählt die Geschichte einer Schauspieltruppe bei der Hauptprobe einen Tag vor der Premiere. Die Nerven liegen blank. Sogar Regisseur Michael Prentice (Marcel Sieber) bezeichnet sein Ensemble als «panisch und unterprobt». Unter den Schauspielern herrscht schlechte Stimmung. Der Regisseur hat die Hauptrolle der Betsy Grey mit der naiven und talentfreien Sophie Essenheimer (Michelle Koch) besetzt. Alle verdächtigen ihn, sie nur wegen der schönen langen Beine und des knackigen Hinterns engagiert zu haben.

Auch bei der Beleuchtung ist der Wurm drin

Auch auf das aufzuführende Theaterstück «Zu Tode erschrocken» hat das Ensemble keine Lust. Niemand kennt es. Das Stück handelt von einem Geist und einer Geisterbeschwörung; Regisseur Michael kann sich als Einziger dafür begeistern. Die Premiere ist gerade einmal zu zwölf Prozent ausgebucht, und dann ist auch noch in der Beleuchtung der Wurm drin. Langsam kommen Zweifel auf, ob bei der Geisterbeschwörung in der Probe nicht möglicherweise ein echter Geist gerufen wurde.

Das Andwiler Laientheater hat bereits eine über 100-jährige Tradition. Bereits zum achten Mal führt Christian Fink Regie. Ihm gelingt der Spagat zwischen Grusel und Komödie.

Dem Publikum schaudert es, wenn der Geist im Hintergrund auftaucht oder sogar zwischen den Publikumsstühlen durchschleicht. Für Lacher sorgt unter anderem die gekonnte Darstellung von Michelle Koch als Sophie Essenheimer. Man nimmt ihr das talentfreie Dummchen mit schwäbischem Dialekt ab, das verkrampft versucht, in seiner Rolle als Betsy Grey ein astreines Hochdeutsch zu sprechen, jedoch immer wieder scheitert.

Reich an exzentrischen Figuren

Schnell ins Publikumsherz geschlossen ist der Elektriker Victor (Hakan Aslantas), der viel zu spät bei der Arbeit auftaucht und sich ausschweifend dafür entschuldigt, mit seinem charmanten ausländischen Akzent. Petra Führer überzeugt als überhebliche Diana South, die in «Zu Tode erschrocken» die theatralische Geisterbeschwörerin Zelma van Tanzen spielen soll. Auch die Schauspieler der weniger exzentrischen Figuren sind für ihre Darbietung zu loben. Fast könnte man vergessen, dass es sich um ein Laientheater handelt. Einzig die Rolle des Theaterhistorikers fällt durch die schweizerdeutsche Aussprache etwas ab.

Doppeltes Spiel: Was ist echt, was erdacht?

Die Verwischung zwischen Schauspiel und Schauspiel im Schauspiel, die Regisseur Christian Fink beabsichtigte, ist geglückt. Der Geist des Stückes «Zu Tode erschrocken» wird in «The Revival» real und schafft es, auch dem Andwiler Publikum einen Angstschauer einzujagen. Es wird auf mehreren Ebenen mit der Frage gespielt, was echt ist, was erdacht. So ist bis zum Schluss kaum zu erahnen, welche Figur ein doppeltes Spiel spielt.

Weitere Aufführungen: Morgen Sa 20 Uhr, So 16 Uhr. Weitere Daten: www.thearteria.ch