Dieser «geheime Bauinspektor» dokumentiert einschneidende Eingriffe: So rasant verändert Gossau sein Gesicht

Seit 25 Jahren fotografiert der 78-jährige Hans Bösch bauliche Veränderungen in Gossau. Erstmals stellt er die eindrücklichen Zeitdokumente in der Buchhandlung Gutenberg aus.

Vanessa Mengel
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Perfektionist Hans Bösch achtet bei seinen Vorher-Nachher-Aufnahmen von Bauwerken auf jedes Detail. Vorher: Die Butterzentrale am Gossauer Bahnhof zeugte von der Wichtigkeit der Milchwirtschaft in Gossau. Nachher: 2009 wurde an der Stelle der Butterzentrale die Überbauung Perron 3 eröffnet.
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Perfektionist Hans Bösch achtet bei seinen Vorher-Nachher-Aufnahmen von Bauwerken auf jedes Detail. Vorher: Die Butterzentrale am Gossauer Bahnhof zeugte von der Wichtigkeit der Milchwirtschaft in Gossau. Nachher: 2009 wurde an der Stelle der Butterzentrale die Überbauung Perron 3 eröffnet.
Perfektionist Hans Bösch achtet bei seinen Vorher-Nachher-Aufnahmen von Bauwerken auf jedes Detail. Vorher: Die Butterzentrale am Gossauer Bahnhof zeugte von der Wichtigkeit der Milchwirtschaft in Gossau. Nachher: 2009 wurde an der Stelle der Butterzentrale die Überbauung Perron 3 eröffnet.

Perfektionist Hans Bösch achtet bei seinen Vorher-Nachher-Aufnahmen von Bauwerken auf jedes Detail. Vorher: Die Butterzentrale am Gossauer Bahnhof zeugte von der Wichtigkeit der Milchwirtschaft in Gossau. Nachher: 2009 wurde an der Stelle der Butterzentrale die Überbauung Perron 3 eröffnet.

Bild: Benjamin Manser Bild: Hans Bösch Bild: Hans Bösch

Das Gossauer Stadtbild hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Insbesondere die älteren Bürgerinnen und Bürger können dies bezeugen: Wo freie Flächen waren oder kleine Altbauten standen, thronen heute markante Neubauten wie das Perron 3, die Wohnblocks an der Ringstrasse oder das Casa Solaris. In vielen Quartieren musste Altes Neuem weichen. Hans Bösch hat es sich zum Hobby gemacht, die Veränderungen fotografisch festzuhalten. Entstanden ist eine umfangreiche Dokumentation von 130 Bauobjekten, beginnend in den 90er Jahren.

Dieser alte Schopf ist längst vom Erdboden verschwunden...

Dieser alte Schopf ist längst vom Erdboden verschwunden...

Hans Bösch
... und dem Altersheim Casa Solaris gewichen.

... und dem Altersheim Casa Solaris gewichen.

Hans Bösch

Im Alter kommt die ­Wertschätzung

Begonnen hat alles in seiner Jugendzeit: Mit 17 Jahren kaufte Bösch seinen ersten Fotoapparat – damals noch mit Film zum Einlegen und nur in schwarz-weiss. «Nicht viele in meinem Umfeld hatten damals eine Kamera.» Woher seine Leidenschaft für die Fotografie käme, wisse er nicht genau. «Aber einmal angefangen, hatte ich grosse Freude daran.» Zunächst lichtete er vor allem das Familienleben und gemeinsame Ferien ab. Die Fotos klebte er in Alben.

«Auch wenn die Relevanz eines Fotos im Moment der Aufnahme vielleicht belanglos erschien, weiss ich heute, wie wertvoll es sein kann, alles festzuhalten.»

Sobald man älter würde, wisse man gerade die Momentaufnahmen zu schätzen.

Der Winkel jedes Fotos muss identisch sein

Schon immer habe er sich für Bauwerke interessiert. «Nicht so sehr am Baustil, aber an der Tatsache, dass etwas gebaut oder verändert wird.» Ende der 80er wurde der Mechaniker Zeuge zahlreicher Abrisse in Gossau. Die Wandlung der Schauplätze faszinierte ihn so sehr, dass er auf die Idee kam, Vorher-Nachher-Bilder davon aufzunehmen. «Dabei ging es mir aber nie um die öffentliche Anerkennung.» Vielmehr habe er aus Eigeninteresse und Vergnügen damit begonnen, Informationen zu Bauprojekten zusammenzutragen und Fotos davon zu machen. Der 78-Jährige sagt:

«Damals gab es kein Internet, also habe ich einfach mein eigenes Internet in Ordnern erstellt.»

Im Bauamt der Stadt Gossau ist Bösch ein bekannter Gast. Laufend informiert er sich im Internet über die Baugesuche in Gossau. Ist ein Interessantes dabei, macht er einen Spaziergang ins Bauamt, um sich die Pläne anzuschauen.

Für die Fotos bedeutend sei vor allem, die Höhe des neugeplanten Bauwerks zu bestimmen, um später den richtigen Winkel für das Foto zu wählen. Als Perfektionist achtet Bösch dabei auf jedes Detail. «Es ist mir wichtig, dass das Vorher und Nachher denselben Ausschnitt zeigen, auch wenn Jahre dazwischenliegen.» Sogar Bäume und Strassenschilder sollen möglichst eins zu eins zu sehen sein. «Am liebsten wäre es mir sogar, wenn immer gleiches Wetter wäre», sagt er und lacht.

Gleicher Winkel, gleiches Wetter: Hobby-Fotograf Hans Boesch achtet bei seinen Vorher-Nachher-Fotos auf jedes Detail.

Gleicher Winkel, gleiches Wetter: Hobby-Fotograf Hans Boesch achtet bei seinen Vorher-Nachher-Fotos auf jedes Detail.

Benjamin Manser

Für seine Ausstellung hat er nun 45 markante Objektfotos ausgesucht, die in den kommenden zwölf Tagen in der Gutenberg Buchhandlung ausgestellt werden. Wie zum Beispiel den Abriss der alten Butterzentrale und den Neubau des Perron 3 an der Bahnhofstrasse. Zur Ausstellung bewogen hat ihn der Inhaber der Buchhandlung, André Wigger. «Eigentlich waren meine Fotos nie für die Öffentlichkeit bestimmt», sagt Bösch. «Da André Wigger aber in der Dokumentation einen grossen Mehrwert für die Allgemeinheit sieht, habe ich gerne eingewilligt.»

Ausstellung bis Sa, 29.Februar, Gutenberg Buchhandlung. Am 18. und 27. Februar, jeweils ab 14 Uhr, ist Hans Bösch persönlich anwesend.