Der Fuchs geht um: In Waldkirch werden auch am Tag Füchse gesichtet

In Waldkirch werden immer wieder Füchse gesichtet. Den Besucher kennt man auch in anderen Gemeinden.

Laura Widmer
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Füchse sind Allesfresser. Kleine Nagetiere, Fallobst oder Regenwürmer gehören zur Nahrung, ebenso wie Essensreste aus dem Hauskehricht. (Bild: pd)

Füchse sind Allesfresser. Kleine Nagetiere, Fallobst oder Regenwürmer gehören zur Nahrung, ebenso wie Essensreste aus dem Hauskehricht. (Bild: pd)

Wer bereits am Abend seinen Kehricht auf die Strasse stellt, kann am nächsten Morgen eine böse Überraschung erleben. Der Plastiksack ist zerfetzt, die Essensreste und Abfälle sind im Garten verteilt. Manchmal sind Katzen oder Hunde die Übeltäter, häufig handelt es sich aber um Füchse.

In den vergangenen Wochen gingen rund zehn Meldungen bei der Gemeinde Waldkirch ein. Das sind mehr als im vergangenen Jahr, bestätigt Gemeindepräsident Aurelio Zaccari. Jemand erwischte einen Fuchs in seinem Garten, ein anderer beobachtete regelmässig Tiere, die zwischen Bernhardzell und Waldkirch am helllichten Tag die Strasse überquerten. Nun hat die Gemeinde in Absprache mit den Jagdgesellschaften im Mitteilungsblatt eine Information zum richtigen Umgang mit den Wildtieren veröffentlicht.

Bestand hat sich auf hohem Niveau eingependelt

Füchse sind Allesfresser. Kleine Nagetiere, Fallobst oder Regenwürmer gehören zur Nahrung, ebenso wie Essensreste aus dem Hauskehricht. Sogar Komposthaufen und Miststöcke nutzt das hungrige Tier als Nahrungsquelle. «Das Phänomen ist in vielen Dörfern und Städten bekannt», sagt Stefan Dudli, Obmann der Jagdgesellschaft Tannenberg-Sitter. Der Fuchs sei wie der Marder ein typischer Kulturfolger: Er fühlt sich auch in einer sich ausbreitenden Siedlungslandschaft wohl. Ihm gelingt es dank seiner Anpassungsfähigkeit, unterschiedliche Lebensräume zu besiedeln.

Dass der Fuchs die Dörfer und Städte erobert, ist kein neues Phänomen. Das Nahrungsangebot ist für das Wildtier in der Nähe des Menschen riesig. «In manchen Gegenden, etwa in Zürich, gibt es Füchse, die fast ausschliesslich in der Stadt leben», sagt Arno Puorger, Fachmitarbeiter Jagd beim Amt für Jagd, Natur und Fischerei des Kantons St. Gallen.

In den vergangenen Jahren hat sich der Fuchsbestand in der Region auf relativ hohem Niveau eingependelt. Aktuell ist Puorger keine andere Gemeinde bekannt, in der sich die Meldungen über Füchse häufen.
Zur Regulierung des Bestandes werden ausserhalb der Schonzeit Füchse geschossen. Diese dauert im Kanton St. Gallen vom 1. März bis zum 15. Juni. Sie wird vom Bund erlassen, kann aber, falls nötig von den Kantonen verlängert werden.

Infektionsrisiko ist klein

Manche Menschen, die sich bei der Gemeinde Waldkirch meldeten, sorgten sich auch wegen Krankheiten, die vom Fuchs übertragen werden, etwa dem Fuchsbandwurm oder der Staupe. Wie häufig der Fuchsbandwurm beim Menschen vorkommt, ist nicht genau bekannt.

Die Symptome können lange unbemerkt bleiben, sodass man die Krankheit erst spät diagnostiziert. Das Infektionsrisiko für Menschen ist jedoch gering, schreibt das Bundesamt für Gesundheit. Schätzungen zufolge gibt es in der Schweiz pro Jahr etwa 10 bis 20 Neuerkrankungen.

Es reicht schon, Lärm zu machen

Füchse sind nicht aggressiv, verlieren aber schnell ihre Scheu. Der Umgang mit den Wildtieren hat einen grossen Einfluss auf ihr Verhalten. «In den vergangenen Wochen haben wir viele Gespräche mit Anwohnern geführt», sagt Dudli. Es komme immer wieder vor, dass Füchse gefüttert werden oder dass sie sich am Futternapf für die Katzen bedienten. «Damit tut man Wildtieren aber keinen Gefallen», warnt Dudli. Besser ist es, sie zu verscheuchen. Es reicht schon, Lärm zu machen oder mit einem Besen auf sie zuzugehen. Dudli sagt:

«Füchse sind schlaue Tiere, sie merken schnell, wenn sie nicht willkommen sind.»


Gut möglich ist, dass die Zahl der beobachteten Füchse bald von selbst zurückgeht. Im Mai und Juni suchen Muttertiere nach Nahrung für ihre Jungen. «Ihr Nachwuchs kennt dann noch keine Scheu», sagt Dudli. Mit der Zeit lernten auch die Jungfüchse, dass sie einen grösseren Abstand zu den Menschen wahren müssen. «Dann werden die Beobachtungen bei Tageslicht automatisch weniger werden», ist Dudli überzeugt.

Der St.Galler Wald

Die Ortsbürgergemeinde St. Gallen ist der viertgrösste Waldbesitzer im Kanton. Zwei Revierförster sind gemeinsam mit vier Forstwarten und zwei Forstwartlehrlingen verantwortlich für das Forstrevier St. Gallen mit rund 1396 Hektaren Waldfläche. 1161 Hektaren davon gehören der Ortsbürgergemeinde St. Gallen und liegen im Gebiet von zwölf politischen Gemeinden. 235 Hektaren sind private und kleinere öffentliche Wälder auf Stadtgebiet. (lw)