Glosse

Auch der FC St.Gallen spielt mit der U21 – und zwar schon die ganze Saison

Die Diskussionen um die Einsätze des U21-Teams des FC Zürich gegen Basel und allenfalls auch gegen die Young Boys sind müssig. Schliesslich ist der FC St.Gallen drauf und dran, mit einer verstärkten U21-Mannschaft Meister zu werden.

David Gadze
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Cedric Itten, Jérémy Guillemenot, Ermedin Demirovic, Betim Fazliji und Miro Muheim bejubeln ein Tor gegen den FC Sion - keiner von ihnen ist älter 23.

Cedric Itten, Jérémy Guillemenot, Ermedin Demirovic, Betim Fazliji und Miro Muheim bejubeln ein Tor gegen den FC Sion - keiner von ihnen ist älter 23.

Michel Canonica (5. Juli 2020)

«Skandal!» «Manipulation!» «Wettbewerbsverzerrung!» Die Reaktionen auf den Entscheid, dass der FC Zürich die Spiele gegen Basel und heute gegen die Young Boys mit dem U21-Team bestreiten muss, damit die Saison wie geplant zu Ende gespielt werden kann, waren heftig. Erst recht in der Ostschweiz, da ausgerechnet diese beiden Mannschaften – die einzigen St.Galler Rivalen im Titelkampf – davon profitieren.

Sie kommen gegen eine Nachwuchsmannschaft, die ihre Saison wegen der Coronakrise schon längst beendet hat, zu Gratispunkten und können ihre Tordifferenz verbessern. Und der FCSG, der schon durch den Spielplan benachteiligt ist, trifft nächste Woche auf das ausgeruhte Fanionteam des FCZ. Und falls der FC Zürich nach Ablauf der zehntägigen Quarantäne, während der er auch nicht trainieren durfte, bereits heute wieder mit der ersten Mannschaft antritt, ist sie für das Duell mit dem FC St.Gallen eingespielt.

Eines der jüngsten Teams in ganz Europa

Klar, das kann man so sehen. Man kann es aber auch so sehen: Auch der
FC St.Gallen spielt mit einer verstärkten U21-Mannschaft. Mit einem Durchschnittsalter von 23,7 Jahren stellt er das jüngste Team der Super League. Leonidas Stergiou: 18. Yanis Letard: 21. Betim Fazliji: 21. Miro Muheim: 22. Captain Silvan Hefti: 22. Ebenso die Stürmer Boris Babic, Ermedin Demirovic und Jérémy Guillemenot. Allesamt Stammspieler und Leistungsträger. Und Topskorer Cedric Itten, mit 15 Toren die Nummer zwei der Liga, ist auch erst 23. Das Besondere daran: Der FC St.Gallen spielt nicht bloss mit einer besseren U21-Mannschaft, er steht auf Platz eins und spielt mit ihr um den Meistertitel. Und baut schon die ganze Saison auf dieses Gerüst. Entsprechend waren beim Saisonstart (vor fast auf den Tag genau einem Jahr) alle diese Spieler ein Jahr jünger.

Dass das Alter kein Nachteil sein muss, beweist auch folgende Statistik: Der FC St.Gallen stellt gemäss einer Studie des International Centre for Sports Studies (CIES) europaweit eines der jüngsten Teams. Von den rund 400 Mannschaften in den höchsten Ligen gehören die «Espen» zu den zehn jüngsten – und zu den treffsichersten. Beim 4:0-Heimsieg gegen den FC Thun Ende September standen sieben Spieler in der Startformation, die 21 Jahre alt waren oder jünger.

Die Jungen Buben alt aussehen lassen

Man sollte sich also gar nicht allzu sehr über die Partien der U21 des
FC Zürich aufregen. Sondern darauf vertrauen, dass die U21 des FC St.Gallen die verbleibenden fünf Spiele mit derselben Entschlossenheit und Souveränität absolviert wie die meisten bisher. Dann ist die Chance gross, dass es der ganzen Ostschweiz nach dem letzten Saisonspiel am 3. August völlig egal sein kann, mit welchem Team der FCZ und alle anderen Mannschaften angetreten sind.

Es war jedenfalls beeindruckend, mit welcher Energie der FCSG am Donnerstag im Spitzenspiel der beiden besten Mannschaften des Jahrs über den FC Luzern hinweggefegt ist – wohlgemerkt ebenfalls eines der jüngsten Teams der Liga. Dennoch liessen die St.Galler die Luzerner ziemlich alt aussehen. Was sie im Saisonendspurt hoffentlich auch mit den Jungen Buben aus Bern machen werden.

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Patricia Loher