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Neue Ausstellung auf Schloss Dottenwil: Der Wittenbacher Urs Hochuli dokumentiert gefährdete Objekte

Urs Hochuli war Designer bei Bischoff Textil. Nun stellt er auf Schloss Dottenwil Zeichnungen aus.
Urs-Peter Zwingli
Urs Hochuli beim Aufhängen seiner Zeichnungen. Bild: Ralph Ribi (31. Juli 2019)

Urs Hochuli beim Aufhängen seiner Zeichnungen. Bild: Ralph Ribi (31. Juli 2019)

Mit seinem Hund und einem Skizzenbuch streift Urs Hochuli täglich durch die Wälder und Hügel um Wittenbach, hinunter zur Sitter und bis hoch zum Peter und Paul. Mit schnellen Bleistiftstrichen fängt er am Wegrand Bilder ein: Wuchernde Baumwurzeln, alte Scheunen mit Holundergebüsch, den Alpstein in der Abendsonne. Eine Auswahl davon wird ab dem kommenden Wochenende in der Kellergalerie von Schloss Dottenwil gezeigt. «Ich bin kein Künstler, ich will die Welt nicht verändern», stellt der 85-jährige Hochuli gleich zu Beginn eines Rundgangs durch die Ausstellung klar. Ihm gehe es darum, Details der Welt, «die jeder sehen kann, wenn er will», festzuhalten.

Das Zeichnen sei für ihn in erster Linie ein Handwerk – eines, das Hochuli lange professionell ausgeübt hat. Auf eine Ausbildung zum Textilentwerfer in den 1950er-Jahren folgten 40 Jahre als Designer bei der St.Galler Traditionsfirma Bischoff Textil AG. Bereits damals fand Hochuli seine Inspiration oft in der Natur: «In natürlichen Objekten wie beispielsweise Steinen oder im Fell oder Gefieder von Tieren finden sich Ornamente, also abstrakte Muster. Aus diesen kann man Elemente entnehmen und für die Gestaltung verwenden.»

Bilder der Ausstellung, die Hochuli in den 1980er- und 1990er-Jahren gezeichnet hat, zeugen von dieser Vorgehensweise: Wellenlinien auf versteinerten Muscheln, das rautenförmige Gefieder von Papageien, Knopfaugen und Schnauze eines Hermelins: Sie werden kopiert, teils verfremdet und zu Ornamenten zusammengefügt. Weil Hochuli auch während rund 40 Jahren Schüler an der Schweizerischen Textilfachschule im Natur- und Ornamentzeichnen ausbildete, hatte er damals vollen Zugang zur Sammlung des Naturmuseums St.Gallen. «Ein wunderbarer und riesiger Fundus», sagt er.

Den Wittenbacher Umbruch festhalten

Seit 1961 wohnt Hochuli mit seiner Frau in Wittenbach, das sich seither rasant verändert hat. «Es geht mir mit meinen Bildern unter anderem darum, gefährdete Objekte zu dokumentieren.» So finden sich neben den Naturbildern Zeichnungen von Jugendstilhäusern, alten Bauernhöfen mit kunstvoll gemauerten Fronten und Riegelhäusern. Hochuli arbeitet immer mit Blei- oder Farbstiften, die Bilder mit den feinen Strichen wirken teils fast fotorealistisch.

In seiner neusten Serie hat sich Hochuli auf das Wurzelwerk von Bäumen konzentriert. Tatsächlich hebt er damit ein Detail der Welt hervor, das bei einem gedankenverlorenen Spaziergang tatsächlich oft übersehen wird: Die Wurzelgeflechte sind unglaublich komplex, seltsam und schön. Ein Bild zeigt einen riesigen Wurzelstock am Waldrand. «Darin bin ich bereits als Kind herumgeklettert», sagt der Zeichner, der im St.Galler Heiligkreuzquartier aufgewachsen ist. «Und heute ist es immer noch so, dass bei schönem Wetter eigentlich immer Kinder dort am Spielen sind.»

Den Baum vor dem Fällen nochmals festhalten

Als er letztes Jahr gehört habe, dass einer der Bäume wegen einer Krankheit gefällt werden müsse, habe er ihn rasch noch abgezeichnet. «Ich bin in einem Alter, in dem man sich plötzlich wieder daran erinnert, wie die Dinge früher waren und welche davon unwiderruflich vorbei sind. Damit meine ich aber nicht, dass früher alles besser war, es ist einfach eine Feststellung.»

Hinter den detailreichen Bildern steht viel Arbeit. «Nach einer ersten Skizze gehe ich oft noch mehrere Male zum Baum, um Details zu überprüfen.» Wenn er Zeit habe, sei er den ganzen Tag auf der Suche nach Sujets und am Zeichnen. Und obwohl er sich als Dokumentarist sieht, hält er sich nicht zwingend an das, was er sieht. «Wenn es für die Bildkomposition besser ist, ändere ich ab und zu ein Detail.» Obwohl er sich nicht als Künstler sieht: «Diese Gestaltungsfreiheit nehme ich mir.»

«Baumgespenst und Wurzelspuk», 10. August (Vernissage 17 Uhr) bis 6. Oktober, Kellergalerie Schloss Dottenwil.

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