Kommentar

Der CVP fehlt es an Nachwuchs: Die 62-jährige Trudy Cozzio soll den Sitz im St.Galler Stadtrat zurückerobern

Die Christlichdemokraten der Stadt St.Gallen steigen mit der 62-jährigen Trudy Cozzio in die Stadtratswahlen. Das könnte sich als kluger Schachzug herausstellen.

Daniel Wirth
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Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion.

Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion.

Bild: Ralph Ribi

Würde Trudy Cozzio in den Stadtrat gewählt, wäre sie am Ende der Legislatur 2021-2024 im Pensionsalter. Die Frage, weshalb die CVP versucht, mit einer 62-jährigen Kandidatin einen Sitz in der Stadtregierung zurückzuerobern, ist einfach zu beantworten: Der einst stärksten politischen Kraft fehlt es an Nachwuchs, der bereit und gewillt ist, in eine Kampfwahl zu steigen.

Trudy Cozzio als Alibikandidatin zu bezeichnen, wäre falsch. Sie hat politische Erfahrung und ist in der Stadt bestens vernetzt. Bei den Kantonsratswahlen im März machte sie im Wahlkreis St.Gallen-Gossau ein gutes Resultat und landete auf dem ersten Ersatzplatz hinter fünf Wiedergewählten. Kurz: Trudy Cozzio hat intakte Chancen, in den St.Galler Stadtrat gewählt zu werden.

Ihre Nomination könnte sich für die CVP gar als kluger Schachzug herausstellen. Trudy Cozzio verbinden viele Wähler mit ihrem 2017 verstorbenen Ehemann und Stadtrat Nino Cozzio, der über die Partei- und Stadtgrenze hinaus Anerkennung genoss. Der Name Cozzio zieht, unabhängig vom Alter der CVP-Kandidatin. Dass Trudy Cozzio nicht für das Stadtpräsidium kandidiert, spricht für ihren Realitätssinn. Schafft sie es in den Stadtrat, gewinnt die CVP Zeit, ihren Nachwuchs aufzubauen.