Der berufene Verwalter: Wittenbacher Gemeindepräsidiumskandidat Norbert Näf im Porträt

Norbert Näf sieht sich als Brückenbauer mit Vorwärtsdrang.
Als Gemeindepräsident will er innovativ sein, sich aber auf das Machbare konzentrieren.

Adrian Lemmenmeier
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«Politik ist die Kunst des Machbaren» – Norbert Näf vor dem Alterszentrum Kappelhof. Bild: Hanspeter Schiess

«Politik ist die Kunst des Machbaren» – Norbert Näf vor dem Alterszentrum Kappelhof. Bild: Hanspeter Schiess

Norbert Näf parkiert sein Auto vor dem Glaspalast der Firma Abacus. Er kenne CEO Claudio Hintermann, sagt Näf. Nämlich aus Heiden, wo beide wohnen und Näf zehn Jahre lang Gemeindepräsident war.

Gemeindepräsident werden will Norbert Näf nun auch in Wittenbach. «Mich fasziniert hier das Spannungsfeld zwischen Eigenständigkeit und Stadtnähe», sagt er. Deshalb habe er als Startpunkt für den gemeinsamen Spaziergang die IT-Firma unweit der Grenze zu St. Gallen gewählt. Aber nicht nur deshalb: «Abacus steht für mich für Innovation.» Und Innovation sei Näf wichtig, auch in der Verwaltung. «Ich denke an den Sozialbereich», sagt er und biegt vom Weiherweg links ab in den Wald. «Wittenbach hat eine der höchsten Sozialhilfequoten im Kanton.» Man könne neue Möglichkeiten prüfen, Leute von der Sozialhilfe in den Arbeitsmarkt zu integrieren – «vielleicht in Zusammenarbeit mit einer Hochschule.»

Der Mann für das Machbare

Der Weg führt einem Bächlein entlang auf eine Wiese bei der Böhlstrasse. Von hier sieht man ganz Wittenbach, am Horizont den Bodensee. «Politik ist die Kunst des Machbaren», sagt Näf auf die Frage, welche Vision er für die Gemeinde habe. Wer grosse Pläne hege, werde oft von der Realität eingeholt. Ideen hat Näf dennoch. «Ich würde zum Beispiel sämtliche Verträge der Gemeinde auf ihr Sparpotenzial prüfen», sagt Näf. Bei einer Gemeinde dieser Grösse sei das sicher eine dreistellige Anzahl Verträge. «Sparen beginnt nicht an der Budgetsitzung.»

Statt von Visionen spricht Näf lieber von Herausforderungen. Er erwähnt die Einheitsgemeinde, ein Thema, das man mit Berg und Muolen ausführlich besprechen müsse. Auch die Finanzierung des Schulhauses Sonnenrain sei noch eine offene Baustelle. Wie die Gemeinde aus den Parzellen, die ihr im Zuge der Abstimmung von der Schulgemeinde überschrieben wurden, Kapital schlage, sei noch weitgehend unklar. «Hier wäre ich offen für verschiedene Lösungen», sagt Näf. Die IG Denkmal, die dafür plädiert, die Grundstücke nicht bedingungslos an Investoren zu verkaufen, habe er bereits angehört – ohne ihre Meinung vollends zu teilen.

Auf einer Brücke über dem Studerswilenbach bleibt Norbert Näf stehen. «Diese Brücke verbindet ein Einfamilien- mit einem Mehrfamilienhausquartier.» Sie stehe somit für den Zusammenhalt – und natürlich stehe sie auch für seine politischen Anliegen: Leute zusammenbringen, Grenzen überwinden. Er sei überzeugtes CVP-Mitglied, sagt Näf. «Für mich ist aber klar, dass ich als Gemeindepräsident das Parteibüchlein ablege und für die Leute da sein werde.» Das Amt sei für ihn nicht nur Beruf, sondern auch Berufung.

"Dossiersicher" und "offen"

Dieser Berufung ist Näf bereits einmal gefolgt. 2005 bis 2015 präsidierte er die Gemeinde Heiden, gab dann den Rücktritt, um für die Kantonsregierung zu kandidieren. Im liberal dominierten Ausserrhoden schaffte er als CVPler den Sprung allerdings nicht. Vor seiner Zeit in Heiden war Näf Gemeindeschreiber in Eschlikon. «Ja, ich bin in der Verwaltung gross geworden, als Verwaltungsrat der Elektrizitätswerks Heiden AG kenne ich aber auch die Privatwirtschaft.»

Fragt man Politiker aus Heiden über Norbert Näf, hört man von links bis rechts vorwiegend Positives. SP-Kantonsrat Hannes Friedli beschreibt Näf als «sehr erfahren und versiert». Alexander Rohner von der SVP als «dossiersicheren, menschlichen Profi». Norbert Näf habe Heiden aus dem Dornröschenschlaf geweckt, sagt Susann Metzger, Vizegemeindepräsidentin. Paul Weder allerdings zweifelt Näfs Führungsqualitäten an. Weder arbeitete ein Jahr mit Näf im Gemeinderat, ehe er sich 2006 zurückzog. 2007 wurde er aus dem Kantonsrat abgewählt.

In Wittenbach ist für Norbert Näf noch manches neu. «Als mich die Findungskommission anfragte, kannte ich gerade mal zwei Leute in Wittenbach», sagt er. Jetzt würden es täglich mehr. «Ich bin ein offener Typ mit Vorwärtsdrang», sagt Näf über sich. Er sei kein grosser Sportler, aber ein leidenschaftlicher Wanderer und immer gern in der Natur.

Der Spaziergang endet beim Alterszentrum Kappelhof. Es gefalle ihm, dass in Wittenbach das Alterszentrum mitten in der Gemeinde stehe, sagt Näf. «Hier würde auch ich mich als Senior wohlfühlen.»

Kandidaten unterwegs

Georges Gladig (FDP), Norbert Näf (CVP) und Oliver Gröble (parteilos) kämpfen um das Amt des Wittenbacher Gemeindepräsidenten. Die Redaktion stellt die drei Kandidaten auf Rundgängen durch Wittenbach vor. Die Kandidaten entscheiden selber, welche Stationen sie auf welche Weise ansteuern wollen – und erzählen, was das über sie aussagt. (red.)

Hinweis:
«Tagblatt»-Podium mit den Kandidaten: Di, 4. September, 19.30

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