Naturschutzverein kritisiert Stadt St.Gallen fürs «Schneckentempo» bei Bachoffenlegung im Tal der Demut

Schon vor drei Jahren wollte die Stadt den eingedolten Weierweidbach im Tal der Demut offenlegen. Nun nimmt sie einen zweiten Anlauf. Der Naturschutzverein findet, das habe viel zu lange gedauert.

Christina Weder
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Der Weierweidbach im Tal der Demut soll offen gelegt werden. (Bild: Urs Bucher)

Der Weierweidbach im Tal der Demut soll offen gelegt werden. (Bild: Urs Bucher)

Vom Weierweidbach ist im Tal der Demut nicht viel zu sehen. Der Bach verläuft grösstenteils unterirdisch. Doch das soll sich ändern. Die Stadt hat seit längerem Pläne, ihn auf einer Länge von 400 Metern offenzulegen und zu renaturieren. Nun liegt ein entsprechendes Projekt im Amtshaus an der Neugasse 1 öffentlich auf.

Es ist der zweite Anlauf, den die Stadt unternimmt. Ein erstes Auflageprojekt wurde 2015 erarbeitet. Damals gingen zwei Einsprachen dagegen ein. In der Folge nahm die Stadt Einigungsverhandlungen auf. Das Projekt verzögerte sich und liess auf sich warten – sehr zum Ärger von Robert Schmid, dem Präsidenten des Naturschutzvereins Stadt St.Gallen und Umgebung.

Kritik am «schleppenden Vorgehen»

Die Bachoffenlegung im Tal der Demut liegt Schmid am Herzen. Denn der Naturschutzverein hatte sie einst initiiert und einen Betrag von 25000 Franken aus der eigenen Kasse für ein Vorprojekt aufgewendet. Ziel war, die Biodiversität zu erhöhen und das Gebiet aufzuwerten. «Nun ist das Vorhaben endlich auf gutem Weg», sagt Schmid. Doch bis es so weit war, habe es ihn Nerven gekostet.

In den letzten drei Jahren hat der Naturschutzverein wiederholt das schleppende Vorgehen der Stadt in Bezug auf die Bachoffenlegung kritisiert. «Es ging im Schneckentempo vorwärts», sagt Schmid im Rückblick. «Man könnte uns vorwerfen, ungeduldig zu sein.» Doch das Projekt sei wiederholt ad acta gelegt worden, x-mal sei er mit Verweis auf Fristen und Gesetze vertröstet worden. Er spricht von einem «grossen Ärger», der noch nicht verraucht sei.

«Abklärungen brauchten Zeit»

Darauf angesprochen, warum zwischen dem ersten und dem zweiten Auflageprojekt drei Jahre verstrichen sind, begründet Stadtingenieur Beat Rietmann schriftlich: «Die notwendigen Abklärungen und Anpassungen sowie die Ausarbeitung eines Sondernutzungsplans im Rahmen der Einspracheverhandlungen erforderten den entsprechenden Zeitbedarf.» Zudem sei durch den Einbezug der verschiedenen Fachstellen eine umfassende Koordination nötig gewesen.

Das ursprüngliche Projekt sei in verschiedenen Punkten angepasst worden. Neu ist vor allem der Erlass eines Sondernutzungsplans «Weierweidbach, Tal der Demut», mit dem die dortigen Grundeigentümer verbindliche Rahmenbedingungen für die spätere Entwicklung ihres Gebiets erhalten.

Das ganze Gebiet soll aufgewertet werden

Kernstück des Projekts ist nach wie vor die Offenlegung des Weierweidbachs. Sein Wasser soll künftig mäandrierend durch die Mitte des Tals der Demut geführt werden. Im Bach- und Uferbereich sind Nischen, Hohlräume, Vertiefungen und Wurzelstöcke vorgesehen, die Tieren einen Lebensraum bieten. Am Ufer sollen Stauden und einheimische Gehölze wachsen und Blumen auf einer Magerwiese blühen. Das ganze Gebiet soll aufgewertet werden.

Unter anderem ist geplant, den stark zugewachsenen Flachwassertümpel, der sich in der Nähe der Sporthalle befindet, wieder zu vergrössern. Zudem soll ein neuer Weg von der Demutstrasse zum Waldweg im Falkenwald führen. Spaziergänger werden sich auf Sitzbänken ausruhen können. «Die Bachöffnung und die Aufwertungsmassnahmen stellen eine wesentliche Verbesserung der ökologischen und freiräumlichen Qualitäten für das Landschafts- und Naherholungsgebiet dar», erklärt Beat Rietmann das Ziel.

Die Stadt beziffert die Kosten für das Projekt auf rund 490000 Franken. Subventioniert wird es mit 270000 Franken vom Kanton, 50000 Franken steuert der Naturschutzverein Stadt St.Gallen und Umgebung bei. Die Stadt übernimmt ihrerseits die noch verbleibenden knapp 170000 Franken. Die Auflagefrist dauert noch bis zum 20.Dezember. Gehen keine Einsprachen ein, rechnen die Verantwortlichen mit einem Baubeginn im kommenden Frühjahr bis Sommer.