Der «Appenzeller Volksfreund» wird das neue Gossauer Stadtmagazin herausgeben

Die Stadt Gossau will eine neue Publikation, die sowohl gedruckt als auch online erscheint. Dazu hat sie Anfang Jahr den Auftrag öffentlich ausgeschrieben. Dieser geht nun an die Druckerei Appenzeller Volksfreund Genossenschaft. Der Verlag habe das überzeugendste Konzept eingereicht. Die Stadt bedauert aber, dass kein Gossauer Anbieter das Rennen gemacht hat.

Perrine Woodtli
Drucken
Teilen
Auch die Cavelti AG hat sich um den Zuschlag der Stadt Gossau bemüht - erfolglos. Wie es mit dem Gratisblatt Goinside nun weitergeht, ist unklar.

Auch die Cavelti AG hat sich um den Zuschlag der Stadt Gossau bemüht - erfolglos. Wie es mit dem Gratisblatt Goinside nun weitergeht, ist unklar.

Urs Bucher

Gossau erhält schon bald eine neue Zeitung. Weil die lokale Berichterstattung immer weniger Platz in den privaten Printmedien findet, hat der Stadtrat Anfang Jahr den Auftrag für ein neues «unabhängiges Stadtmagazin» ausgeschrieben. Bis am 9. März hatten Interessierte Zeit, Offerten einzureichen. Acht Angebote von Unternehmen aus der Ostschweizer Kommunikationsbranche gingen ein.

Am Donnerstag wurde nun bekannt, dass die Druckerei Appenzeller Volksfreund Genossenschaft den Zuschlag von 230'000 Franken erhält, wie auf der kantonalen Publikationsplattform sowie von der Stadt zu erfahren ist.

Zum Unternehmen gehören unter anderem der «Appenzeller Volksfreund», das Onlineportal «appenzell24.ch», die Appenzeller Druckerei AG sowie die Appenzeller Webagentur «Anderthalb».

Beim Verlag ist die Freude über den neuen Auftrag gross, wie Alexandro Isler, Mitglied der Geschäftsleitung, auf Anfrage sagt.

Alexandro Isler, Mitglied Geschäftsleitung Druckerei Appenzeller Volksfreund Genossenschaft.

Alexandro Isler, Mitglied Geschäftsleitung Druckerei Appenzeller Volksfreund Genossenschaft.

PD
«Wir freuen uns riesig und sind dem Gossauer Stadtrat dankbar für das Vertrauen.»

Das Unternehmen richte sich bereits seit 1875 auf Lokalmedien aus. Das passe also gut, sagt Isler. «Wir sind überzeugt, ein hochstehendes Produkt herausgeben zu können.»

Preis war nicht ausschlaggebend

Begründet wird der Entscheid auf der Publikationsplattform wie folgt: «Das ausgewählte Angebot erweist sich insgesamt als das wirtschaftlich günstigste, weshalb es den Zuschlag erhält.» Es gibt aber weitere Gründe.

Der «Appenzeller Volksfreund» habe «ein absolut stimmiges Konzept für ein crossmediales Produkt unterbreitet», schreibt die Stadt. Mit «etablierten Publikationen» und der Newsplattform «appenzell24.ch» beweise der Verlag die «Praxistauglichkeit» seines Konzepts.

Dieses erfülle die Ziele sehr gut, wonach beim Stadtmagazin die digitalen Kanäle den Takt vorgeben sollen. Digital sind gemäss Mitteilung Website, Social Media und App vorgesehen. Die gedruckte Ausgabe soll alle zwei Wochen erscheinen. Die Inhalte sollen weitgehend zwei Journalisten liefern, die Gossau «bestens kennen».

Urs Salzmann, Kommunikationsbeauftragter Gossau

Urs Salzmann, Kommunikationsbeauftragter Gossau

Ralph Ribi

Die Stadt hat ihre finanzielle Beteiligung auf 50'000 Franken für die Lancierung des Magazins und auf jährlich 250'000 Franken limitiert. Der «Appenzeller Volksfreund» beanspruche diese Beträge nicht in vollem Umfang. Wahrscheinlich könne er von vergleichbaren Publikationen profitieren, die er bereits heute produziere, schreibt die Stadt.

Die Kosten seien zu dreissig Prozent massgebend für den Entscheid gewesen, sagt der Kommunikationsbeauftragte Urs Salzmann. Der ausgewählte Verlag habe in diesem Punkt aber nicht den ersten Platz belegt. Dafür in den meisten anderen Kategorien.

Wie geht es weiter mit «Goinside»?

Wer sich sonst alles für den Auftrag beworben hat, bleibt geheim. Bekannt ist aber, dass der Gossauer Cavelti-Verlag mit «Goinside» eine Offerte eingereicht hat. Herausgeberin Franziska Cavelti machte nie einen Hehl daraus, dass der Verlag auf die Mitfinanzierung der Stadt hofft.

Franziska Cavelti, Herausgeberin «Goinside».

Franziska Cavelti, Herausgeberin «Goinside».

PD

Auch im «Goinside» tönte sie mehrmals an, dass man die finanzielle Unterstützung brauche, um längerfristig zu bestehen, und die Submission entscheidend für die Zukunft von «Goinside» sei.

Ob sie nun enttäuscht vom Entscheid des Stadtrates sei und wie es mit «Goinside» weitergeht, dazu will sich Franziska Cavelti auf Anfrage nicht äussern.

Cavelti konnte zu wenig punkten

Dass der Auftrag nicht an ein Gossauer Unternehmen geht, sei zwar bedauerlich, schreibt die Stadt. In der Mitteilung heisst es:

«Der Bezug der Anbieter zu Gossau spielte beim Vergleich der Angebote selbstverständlich eine Rolle.»

Dieser Punkt habe denn auch für die Cavelti AG gesprochen. Im Vordergrund sei jedoch gestanden, dass die Gossauer ein modernes Stadtmagazin erhalten, das «vom guten Zusammenspiel zwischen digitaler und gedruckter Form lebe». Diesbezüglich hätten andere mehr gepunktet.

Parlament muss Kredite gutheissen

Gegen den Entscheid kann nun innert zehn Tagen Beschwerde erhoben werden. Zudem muss das Gossauer Stadtparlament noch über den Rahmenkredit abstimmen. Es muss die 50'000 Franken für die Lancierung des Magazins sowie die wiederkehrenden jährlichen Kosten von je 250'000 Franken (2021 und 2022) und je 275'000 Franken (2023 bis 2026) genehmigen.

Wenn das Gossauer Stadtparlament wieder tagt, muss es über den Rahmenkredit für das neue Stadtmagazin abstimmen.

Wenn das Gossauer Stadtparlament wieder tagt, muss es über den Rahmenkredit für das neue Stadtmagazin abstimmen.

Urs Bucher

Dass der Kredit ab dem Jahr 2023 höher ausfällt, hat laut Urs Salzmann mit der unsicheren Medienlandschaft zu tun.

«Wir können heute nicht abschätzen, wie stark sich diese verändert. Deshalb beantragt der Stadtrat diesen Spielraum.»

Der Rahmenkredit werde allenfalls für die Junisitzung traktandiert. Läuft alles nach Plan, kann der Vertrag mit dem «Appenzeller Volksfreund» im Spätsommer unterzeichnet werden. Anfang Januar 2021 soll das Stadtmagazin erstmals erscheinen.

Ein nächster wichtiger Schritt wird es sein, den Lenkungsausschuss ins Leben zu rufen, schreibt die Stadt. Dieser werde Bindeglied zwischen den Gossauern und der Redaktion sein. Die im Ausschuss vorgesehenen Anspruchsgruppen würden durch den Stadtrat nach der Vertragsunterzeichnung direkt kontaktiert. Der Aufruf zur Bewerbung für einen Einsitz im Ausschuss werde ausserdem öffentlich ausgeschrieben.

Mehr zum Thema