20 Jahre sind genug: Der Rorschacher Andreas Hartmann (FDP) tritt nicht mehr als Kantonsrat an

Andreas Hartmann vertritt den Wahlkreis Rorschach seit 2000 im Kantonsrat. Nun räumt er den Sessel für den FDP-Nachwuchs. Auch die Grünen bringen sich nach dem nationalen Wahlerfolg in Position.

Jolanda Riedener
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Andreas Hartmann wirkt seit bald 20 Jahren als Kantonsrat.

Andreas Hartmann wirkt seit bald 20 Jahren als Kantonsrat.

Bild: Regina Kühne (Oktober 2016)

Der Rorschacher Hausarzt Andreas Hartmann (FDP) wurde im Jahr 2000 in den Kantonsrat gewählt. Als amtsältester Kantonsrat im Wahlkreis Rorschach tritt er für die kommende Legislatur jedoch nicht mehr an. Am Mittwoch hat die FDP Regionalpartei ihre zehn Kandidatinnen und Kandidaten für die Kantonsratswahlen im März nominiert. Mit vier Frauen und sechs Männern habe man einen ausgewogenen Altersmix, deren Durchschnittsalter 40 Jahre beträgt, heisst es in einer Mitteilung der FDP.

Dass Andreas Hartmann nicht mehr zur Wahl antrete, sei kein Spontanentscheid gewesen. Er habe sich schon seit längerer Zeit mit dem Rücktritt auseinandergesetzt. «Den Entscheid habe ich vor etwa einem Jahr gefasst», sagt Hartmann. Ein halbes Jahr später habe er seine Pläne innerhalb der Partei kommuniziert. Er sagt:

«Es ist an der Zeit, Platz für jüngere Kräfte zu machen.»

Wenn Andreas Hartmann seine letzte Session im Mai abhält, ist er 64 und war während 20 Jahren im Kantonsrat tätig. Seine Tätigkeit als Präsident des Kantonalen Gewerbevereins wolle er aber vorerst behalten. Von 2003 bis 2011 war er Fraktionspräsident. Vor allem die Spital-, Finanz- und Steuerpolitik beschäftigten ihn, wobei er stets die Anliegen der Region vertreten habe. Auch die Verkleinerung des Rats auf 120 Mitglieder sei aus heutiger Sicht sinnvoll gewesen. Raphael Frei, ebenfalls FDP-Kantonsrat, sagt:

«Andreas Hartmann hat die ganze Partei lange mitgeprägt.»

Als Wahlkampfleiter gebe er zum Schluss nochmals Vollgas. «Er hat die Sicht von Gewerbe und Wirtschaft eingebracht, das war sehr wertvoll für die Partei.»

Philipp Friedli, Mörschwil (von links), Prisca Fol, Goldach; Felix Kuster, Goldach; Raphael Frei, Rorschacherberg; Charlene Lanter-Dornbierer, Rorschacherberg; Kathrin Metzler, Goldach; Valentin Meichtry, Rorschach; Fabienne Bünzli, Berg SG; Robert Raths, Thal; Ronnie Ambauen, Rorschach.

Philipp Friedli, Mörschwil (von links), Prisca Fol, Goldach; Felix Kuster, Goldach; Raphael Frei, Rorschacherberg; Charlene Lanter-Dornbierer, Rorschacherberg; Kathrin Metzler, Goldach; Valentin Meichtry, Rorschach; Fabienne Bünzli, Berg SG; Robert Raths, Thal; Ronnie Ambauen, Rorschach.

Bild: PD

Aus vorübergehend elf werden zehn Kantonsräte

Ziel der FDP ist es, Hartmanns Sitz zu verteidigen. Neben den bisherigen Raphael Frei und Thals Gemeindepräsident Robert Raths, stehen auf der Liste Ronnie Ambauen (Stadtrat Rorschach), Charlene Lanter-Dornbierer (Gemeinderätin Rorschacherberg), Kathrin Metzler (Goldach), Valentin Meichtry (Schulrat, Rorschach), Philipp Friedl (Mörschwil), Prisca Fol (Goldach), Felix Kuster (Präsident Regionalpartei, Goldach) und Fabienne Bünzli (Berg SG).

Interessenbindungen

Andreas Hartmann ist Facharzt für Allgemeine Medizin FMH und führt eine Arztpraxis in Rorschach. Er ist Verwaltungsratspräsident der Medizinischen Zentrum Rorschach AG. Als Verwaltungsrat wirkt er bei der Genossenschaft Konzert und Theater St.Gallen. Ausserdem ist er Präsident des Heilpädagogischen Vereins (HPV) Rorschach und Stiftungsrat bei der Blumenau-Léonie Hartmann-Stiftung.

Hartmann ist Präsident des Kantonalen Gewerbeverband St.Gallen, Präsident der Aufsichtskommission der Geschäftsstelle des Gewerbeverbandes St.Gallen, sowie Verwaltungsratspräsident bei den Gewerblichen Liegenschaften AG St.Gallen. Beim Schweizerischen Gewerbeverband ist er Kammernmitglied und beim kantonalen Hauseigentümerverband Vorstandsmitglied. Die Ausgleichskasse Gewerbe St. Gallen sowie die Gewerbliche Familienausgleichskasse St. Gallen präsidiert er ebenfalls.

Wie Andreas Hartmann vertreten auch andere Kandidaten ihren Sitz seit Jahren erfolgreich. Etwa SVP-Fraktionspräsident Michael Götte. Der Gemeindepräsident von Tübach wurde 2003 in den Rat gewählt. Beinahe so lange ist auch Felix Bischofberger (Altenrhein, CVP) dabei, nämlich seit 2004. Für die Amtszeit 2020/24 gibt es allerdings einen Sitz weniger zu besetzen. Denn Dominik Gemperli wurde im Wahlkreis St.Gallen gewählt und ist inzwischen nach Goldach umgezogen, wo er 2016 als Gemeindepräsident gewählt worden ist. Gemperli ist erst in diesem Jahr in den Kantonsrat nachgerückt.

Auch Luzia Krempl (CVP, Goldach), welche die abgetretene Monika Lehmann in diesem Frühjahr ersetzte. FDP-Präsident Raphael Frei aus Rorschacherberg beerbte 2018 den Sitz von Jürg Bereuter, Andrea Schöb (SP, Thal) politisiert seit 2017 an der Stelle von Jacqueline Schneider.

Andere Regionalparteien haben ihre Kandidaten noch nicht bekanntgegeben. SVP-Präsidentin Sabina Revoli verrät nur so viel: Die bisherigen Michael Götte, Sandro Wasserfallen (Rorschacherberg) und Mäge Luterbacher (Steinach) kandidieren wieder.

Grüne gehen mit eigener Liste ins Rennen

Da zum Teil noch Listenplätze leer sind, wartet man mit der Bekanntgabe. Erstmals eine eigene Kantonsratsliste wollen die Grünen auf die Beine stellen, bestätigt Präsident Richard Faust. Bisher ist die Partei eine Listenverbindung mit der SP eingegangen. Er selbst stand bei den vergangenen Kantonsratswahlen auch auf der Liste. Nach dem landesweiten Erfolg bei den Nationalratswahlen wollen die Grünen nun auch im Wahlkreis Rorschach punkten.

Auch die CVP hat ihre Liste beinahe beisammen, eine Vakanz gebe es noch zu besetzen. Man bemühe sich, noch eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu finden. Die SP gibt ihre Kandidaten bekannt, sobald letzte Fragen bezüglich Listenverbindungen geklärt sind.

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