Der alte St.Galler Stadtfriedhof zu St.Mangen: Wäsche aufhängen verboten

Von Anfang April bis Ende Juni haben Archäologen Reste des alten Stadtfriedhofs St.Mangen an der Kirchgasse ausgegraben. Viele Details zur Geschichte dieser Anlage in der nördlichen St.Galler Altstadt sind unklar. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass es keine Untersuchung über den Friedhof gibt. Er wurde jeweils bei Arbeiten über die Kirche höchstens in ein, zwei Nebensätzen erwähnt.

Reto Voneschen
Drucken
Teilen
Kirche und Friedhof zu St.Mangen auf einer Aufnahme des bekannten St.Galler Fotohauses Zumbühl. Die Aufnahme dürfte aus den 1880er- oder 1890er-Jahren datieren. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Kirche und Friedhof zu St.Mangen auf einer Aufnahme des bekannten St.Galler Fotohauses Zumbühl. Die Aufnahme dürfte aus den 1880er- oder 1890er-Jahren datieren. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Darauf, dass die Menschen früher eine andere Beziehung zum Tod – und wohl auch zu Friedhöfen – hatten, weisen nicht nur einzelne Beobachtungen der Archäologen vor dem Gewerbeschulhaus an der Kirchgasse hin. Es gibt auch entsprechende Anekdoten aus der langen Geschichte des Friedhofs St.Mangen.

In einem neuen Friedhofsreglement wurde beispielsweise 1833 verboten, auf den drei Friedhöfen der Stadt St.Gallen – das waren St.Mangen, St.Leonhard und Linsebühl – Wäsche aufzuhängen sowie Hühner, Schafe und Ziegen weiden zu lassen.

Beerdigungen gab es in St.Mangen schon vor 1388

Die Kirche St.Mangen und der dazugehörige Friedhof vom Unteren Graben her. (Bild: Stadtarchiv OG St.Gallen)

Die Kirche St.Mangen und der dazugehörige Friedhof vom Unteren Graben her. (Bild: Stadtarchiv OG St.Gallen)

Anders als die Geschichte der gleichnamigen Kirche ist jene des Friedhofs St.Mangen nicht umfassend erforscht. Er kam nur in Nebensätzen zu Ehren, wenn die Kirche beschrieben wurde. Klar ist, dass es vor 1388 Beerdigungen in St.Mangen gab. Der ehemalige Stadtarchivar Ernst Ziegler zitiert in seinen Publikationen nämlich aus Belegen, die zeigen, dass der Friedhof in jenem Jahr erweitert wurde.

1567 beschloss der Kleine Rat der Stadt St.Gallen, den Friedhof St.Laurenzen aufzugeben. Teile seiner Überresten wurden 2009 von der Kantonsarchäologie unter der Gallusstrasse zwischen Kirche und Stadthaus der Ortsbürger entdeckt. Ab 1567/68 fungierte St.Mangen als Stadtfriedhof. Die Kirchgasse war sein Hauptzugang und hiess daher bis ins 19. Jahrhundert hinein auch Totengässlein.

Das 1911/12 gebaute Gewerbeschulhaus an der Kirchgasse 15 auf einer 1915 gelaufenen Ansichtskarte. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Das 1911/12 gebaute Gewerbeschulhaus an der Kirchgasse 15 auf einer 1915 gelaufenen Ansichtskarte. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Der Friedhof St.Mangen wurde bis in die 1870er-Jahre hinein benutzt. 1842 wurde gemäss Peter Röllin die bereits stark verfallene Stadtmauer bei St.Mangen abgebrochen und der Friedhof erweitert. 1859 war St.Gallen die letzte grössere Schweizer Stadt mit einem Friedhof innerhalb der ehemaligen Stadtmauern.

Ab 1876 keine Beerdigungen mehr in St.Mangen

Ab 1876 fanden Beerdigungen nur noch im neuen Friedhof Feldli auf Gebiet der damals unabhängigen Gemeinde Straubenzell statt. Vom Friedhof zum Pärklein an der Schwelle zum 20. Jahrhundert 1896 ging der Friedhof St.Mangen an die politische Gemeinde St.Gallen über.

Gemäss Théo Buff wurde er 1897 offiziell aufgehoben. 1898/99 wurde er zum Pärklein umgestaltet. 1907 wurde das Pärklein für die Bevölkerung geöffnet. 1911/12 wurde dann auf dem westlichen Teil des ehemaligen Friedhofs St.Mangen das Gewerbeschulhaus gebaut. Der östliche Teil ist bis heute eine Grünfläche.

Das Pärklein neben der St.Mangen-Kirche in neuerer Zeit. Zwischen 2000 und 2015 hatte es als Treffpunkt für Jugendliche, die dem Alkohol zusprachen, einige Jahre einen schlechten Ruf. Der damals gängige Begriff «Pärklisaufen» wurde hier geprägt.  (Bild: Reto Voneschen - 14. Juli 2010)

Das Pärklein neben der St.Mangen-Kirche in neuerer Zeit. Zwischen 2000 und 2015 hatte es als Treffpunkt für Jugendliche, die dem Alkohol zusprachen, einige Jahre einen schlechten Ruf. Der damals gängige Begriff «Pärklisaufen» wurde hier geprägt.  (Bild: Reto Voneschen - 14. Juli 2010)

Ein Zeitzeuge der Schulgeschichte

An der Kirchgasse 15 steht ein Jugendstilgebäude, das vor hundert Jahren, Anfang 1913, bezogen wurde. Es handelt sich um das älteste Gewerbeschulhaus der Stadt St. Gallen. Einst gab es grossartige Pläne für einen Ausbau.
Claudia Schmid

Bewährtes gegen «Pärklisaufen»

Mit den ersten Frühlingstagen hat die Zeit der jungen Nachtschwärmer begonnen, die es sich in den Gassen und Parks der Stadt gemütlich machen. Sozialarbeiter, Anwohner und Stadtpolizei suchen auch dieses Jahr den Dialog mit ihnen.
Anina Rütsche