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«Weiss nicht, wie es weitergehen soll»: Deponie Tüfentobel senkt Annahme-Limite – Bauunternehmer bangen um Existenz

Auf der Deponie Tüfentobel zwischen St.Gallen, Abtwil und Engelburg kann künftig massiv weniger Aushub abgeladen werden als in den Jahren zuvor. Alternativen gibt es wenige. Die Bauunternehmer sind besorgt.
Marion Loher
Höchstens 60 000 Tonnen pro Jahr: Auf der Deponie Tüfentobel wird die Lieferlimite für sauberes Material beschränkt. (Bild: Urs Bucher)

Höchstens 60 000 Tonnen pro Jahr: Auf der Deponie Tüfentobel wird die Lieferlimite für sauberes Material beschränkt. (Bild: Urs Bucher)

Ab April können auf der Deponie Tüfentobel zwischen St.Gallen, Abtwil und Engelburg nur noch 60'000 Tonnen sauberen Aushubs pro Jahr abgeladen werden. Das ist knapp ein Fünftel von dem, was im 2018 an Material mit geringem Schadstoffgehalt ins Tüfentobel gebracht wurde. Gleichzeitig wird auch die Liefermenge in der Deponie Unterbüel in Mörschwil beschränkt.

Für die Bauunternehmen der Region bedeutet dies eine starke Einschränkung. «Viele wissen nicht mehr wohin mit ihrem sauberen Material», sagt René Engetschwiler, Geschäftsführer des St.Galler Baumeisterverbands. Die Zahl der Deponien im Kanton sei jetzt schon knapp und die weiten Wege, die nun in Kauf genommen werden müssten, seien ökologisch und ökonomisch unbefriedigend.

«Es wird zusätzliche finanzielle Aufwände geben»

Adrian Dieziger, Geschäftsleiter der Dieziger Bauunternehmung in St.Gallen, hat ausgerechnet, dass ihn die Umwege zu anderen Deponien jährlich bis zu eine Million Franken mehr Kosten. Er sagt:

«Das ist für uns existenzbedrohend.»

Auch Marcel Santeler, Geschäftsführer der Hastag St.Gallen Bau AG, ist besorgt: «Es wird zusätzliche finanzielle Aufwände geben, die vom Auftraggeber nicht übernommen werden.»

Das Bauunternehmen Dieziger ist nach eigenen Angaben der grösste Kunde der Deponie Tüfentobel und jener in Mörschwil. «In den vergangenen Jahren haben wir durchschnittlich 150'000 Tonnen oder 95'000 Kubikmeter sauberen Aushub pro Jahr gebracht», sagt Dieziger.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres hat die Firma bereits 50'000 Tonnen Material abgeladen und damit das Kontingent, das ab April für alle Kunden im Tüfentobel und pro Jahr gilt, alleine bereits fast ausgeschöpft.

«Ich weiss nicht, wie es weitergehen soll.»

Keine einvernehmliche Lösung gefunden

Das Tüfentobel gehört zu den grösseren Deponien im Kanton und wird vom Entsorgungsamt der Stadt St.Gallen betrieben. In den vergangenen Jahren hat die Menge des Materials, die in der Deponie angeliefert wurde, zwischen 120'000 und 810'000 Tonnen pro Jahr variiert. 2018 waren es 451'000 Tonnen. Den grössten Teil des Deponieguts machen die Abfälle mit geringem Schadstoffgehalt aus (2018: 309'500 Tonnen). Deren Liefermenge wird nun massiv reduziert. Dies teilte die Stadt den Deponie-Kunden Mitte März in einem Brief mit.

Grund für die Einschränkung ist ein hängiges Enteignungsverfahren. Man habe 2003 vergessen, mit den Grundeigentümern privatrechtliche Abgeltungsverträge und Grundbucheinträge zu vereinbaren, hiess es vergangene Woche seitens Stadt. Mit allen Landeigentümern, ausser einem, habe die Stadt einvernehmliche Lösungen gefunden. Damit nicht plötzlich ein Annahmestopp verhängt werden müsse, sei nach Absprache mit dem Kanton die Einschränkung erlassen worden.

Ausweichmöglichkeit im Ausland

Für die regionale Bauwirtschaft heisst das, sie muss sich nach Ausweichmöglichkeiten umsehen. Doch das ist nicht einfach. Private, die eine eigene Deponie betreiben, bräuchten den Platz selber, sagt Adrian Dieziger, der auch immer wieder selber nach Standorten sucht, was aber «zeit- und kostenintensiv» sei.

«Grosskonzerne wollen, dass wir in einem vergleichbaren Gegengeschäft Kies kaufen. Das aber kommt für unser Unternehmen, das vor allem im Tiefbau tätig ist, nicht in Frage.»

Eine Alternative ist das Ausland. Marcel Santeler von der Hastag AG hat den sauberen Aushub auch schon über Österreich nach Deutschland exportieren lassen. «Das Bewilligungsverfahren ist aber ziemlich kompliziert», sagt er. Zudem sei es eine Kostenfrage. Adrian Dieziger hat über diese Möglichkeit auch schon nachgedacht. «Eigentlich ist es ein ökologischer und ökonomischer Blödsinn», sagt er. «Aber wohin soll ich sonst mit all dem Aushub?»

Zwölf Standorte in drei Jahren

Der Kanton St.Gallen sucht seit Jahren nach alternativen Deponiestandorten. «In den vergangenen drei Jahren haben wir zwölf neue Standorte in den kantonalen Richtplan aufgenommen», sagt Tensing Gammeter, Leiter Sektion Abfall und Rohstoffe beim Kanton. In der Region St.Gallen gehören unter anderem Rütiholz-Au in Häggenschwil sowie die beiden Gebiete Radmoos und Nutzenbuech in Gossau sowie die Standorte Aachen und Riederen in Mörschwil dazu. Alle Projekte werden durch Private vorangetrieben und sind unterschiedlich weit fortgeschritten. «Von der Aufnahme in den Richtplan bis zu einer allfälligen Inbetriebnahme der Deponie kann es im Minimum fünf Jahre dauern», sagt Gammeter. Doch immer wieder scheitern Projekte. Das letzte grosse Deponieprojekt, das nicht zustande kam, war jenes im Steinachtobel 2017. (mlo)

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