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Denk-Bar in der St.Galler Altstadt kämpft ums Überleben

Die Denk-Bar schreibt seit Jahren rote Zahlen. Vergangenes Jahr stand sie gar vor dem Aus. Nur knapp konnten die Genossenschafterinnen und Genossenschafter den Treffpunkt für Kultur und Gespräche retten.
Marlen Hämmerli
Noch ist die Denk-Bar offen: Doch der Vorstand hat Massnahmen lanciert, um sie zu retten. (Bild: Urs Bucher - St.Gallen, 4. Juni 2019)

Noch ist die Denk-Bar offen: Doch der Vorstand hat Massnahmen lanciert, um sie zu retten. (Bild: Urs Bucher - St.Gallen, 4. Juni 2019)

Die Denk-Bar steht vor dem Konkurs. Eigentlich. Doch die Genossenschafterinnen und Genossenschafter wollen weiterkämpfen, das haben die anwesenden Mitglieder am Montagabend beschlossen.

Die Zahlen sind schon länger tiefrot. 2017 schloss mit einem Minus von knapp 70'000 Franken. 2018 gar mit einem Minus von gut 94'800 Franken. Und das obwohl der Vorstand vergangenen Sommer die Reissleine gezogen hatte. Im Juni war der Gründervorstand zurückgetreten (siehe Kasten unten am Text). Dieser hatte zuvor Darlehen um Darlehen aufgenommen, um die ständig leere Kasse zu füllen. Nächstes Jahr werden die ersten Rückzahlungen fällig.

Nach zweieinhalb Monaten gab der Vorstand auf

Von diesen Problemen ahnten die neuen Vorstandsfrauen anfangs kaum etwas. Mit Elan traten sie an – und sahen sich einer schier unmöglichen Aufgabe gegenüber: Die Denk-Bar in die schwarzen Zahlen zu führen. Nach nur zweieinhalb Monaten kündigte der Vorstand an, die Denk-Bar zu schliessen, denn der Personalaufwand – der grösste Ausgabeposten – war immens, das Budget illusorisch. Ende September hatten die Personalkosten bereits den Wert von 2017 erreicht, dabei sollten sie gemäss Budget 2018 sinken, bei steigendem Umsatz. «Dass man mit weniger Leuten nicht mehr erwirtschaften kann, ist eigentlich logisch», kommentierte Genossenschaftspräsidentin Agnes Haag diese Zahlen am Montag. «Trotzdem haben wir alle dieses Budget abgenickt.» Wie das passieren konnte? «Wir haben dem Gründervorstand vertraut, der unbestritten wichtige Aufbauarbeit geleistet hat.»

Genossenschaftspräsidentin Agnes Haag. (Bild: PD)

Genossenschaftspräsidentin Agnes Haag. (Bild: PD)

Noch im Herbst kam es zu einer ausserordentlichen Generalversammlung. Ein neuer Vorstand übernahm, der dritte im Jahr 2018. Im Dezember öffnete die Denk-Bar wieder, vorerst mit reduzierten Öffnungszeiten.

Nur knapp konnte sich die Genossenschaft retten. In den vergangenen sieben Monaten wurden 77 Anteilscheine gezeichnet und 31 neue Genossenschafterinnen und Genossenschafter traten bei. Mit dem Geld wurden die laufenden Rechnungen und ausstehende Sozialgelder bezahlt. Doch das finanzielle Polster fehlt: «Es ist weiterhin wichtig, dass ihr neue Mitglieder wirbt, wenn wir weitermachen wollen», sagte Haag.

Es wurde schlecht gehaushaltet

Weitermachen, oder nicht? Das war die Frage des Abends, verpackt in den Antrag des Revisors Fridolin Schwitter, die drei Vorstände nicht zu entlasten und die Rechnung 2018 nicht zu genehmigen. Denn: «Wir geben auf, wenn ihr keine Decharge erteilt.», sagte Haag. «Sie dem ersten Vorstand nicht zu erteilen, wäre nur Symbolik. Wer forscht schon nach, ob etwas falsch gelaufen ist?» Es habe nie jemand in die eigene Tasche gewirtschaftet. «Es wurde schlecht gehaushaltet. Das ist alles.» Dass sich das nun ändern soll, wurde deutlich: Die anwesenden Genossenschafterinnen und Genossenschafter lehnten die Anträge des Revisors ab und genehmigten das Budget 2019 und damit die Zukunftspläne des Vorstands.

Crowdfunding wird demnächst lanciert

Demnächst lanciert der Vorstand ein Crowdfunding, womit er 40000 Franken einnehmen will. Zudem wurden Kanton und Stadt St.Gallen um Subventionen angegangen. Eine Zusage hat der Vorstand bisher nicht.

In den Sommerferien wird eine Lüftung eingebaut, erst dadurch kann in der Denk-Bar richtig gekocht und das Angebot ausgebaut werden. Das Hauptproblem aber bleibt: Die Räume sind zu klein. «Es ist nicht möglich, genügend Umsatz zu erwirtschaften», sagte Haag. Deshalb müssen die Personalkosten sinken. Geplant ist, dass auf zwei bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eine freiwillige Person kommt. Ob die Denk-Bar so gerettet wird, ist offen. Vorstandsmitglied Gerda Göbel-Keller formulierte es so: «Für uns ist nicht der Moment, aufzugeben.»

Denk-Bar organisisert anregende Anlässe

Die Genossenschaft Denk-Bar wurde Ende 2012 gegründet. Regelmässig veranstaltet sie kulturelle, philosophische und gesellschaftspolitische Anlässe sowie Diskussionsrunden.

Die Idee geht zurück auf ein Frauennetzwerk. Bis 2016 war die Denk-Bar eine «Barfuss-Bar»: Die Veranstaltungen fanden an verschiedenen Orten in der Stadt statt. Dann zog die Tourist Information um und die Räume an der Gallusstrasse 11 wurden frei. Seither betreibt die Genossenschaft auch das Café Denk-Bar.

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