Nest am Rorschacher Seeufer: «Den Schwänen fehlt der Platz»

An der Rorschacher Seepromenade brütet derzeit ein Schwanenpaar. Die Höckerschwäne sind keine Unbekannten, denn sie nisten jedes Jahr am selben Ort. Dort laufen sie Gefahr, ihr Nest ans Wasser zu verlieren.

Marco Cappellari
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Das Höckerschwanenpaar sucht sich jedes Jahr den selben, gefährlichen Brutplatz aus. (Bild: Marco Cappellari)

Das Höckerschwanenpaar sucht sich jedes Jahr den selben, gefährlichen Brutplatz aus. (Bild: Marco Cappellari)

Das wohl bekannteste Pärchen Rorschachs ist zurück und nistet erneut direkt am Seeufer, unweit der Badhütte. Das Höckerschwanenpaar, das sich jedes Jahr denselben Brutplatz aussucht, hat es über die Stadtgrenze hinaus zu Berühmtheit gebracht. Denn direkt an der Seepromenade sind die werdenden Vogeleltern und ihre acht Eier nicht nur den Passanten ausgesetzt, die immer wieder stehen bleiben, um die Lokalberühmtheiten zu fotografieren; das Paar riskiert auch, ihr Nest an den steigenden Pegel des Bodensees zu verlieren. So geschehen im vergangenen Jahr.

Was bringt die Tiere dazu, jedes Jahr an einer offensichtlich gefährlichen Stelle zu brüten? Das fragt sich auch die Boulevardpresse, die etwa titelt «Sind die Schwäne eigentlich blöd?». Eine Frage, die Christian Müller, Präsident der Voliere-Gesellschaft St. Gallen verneint. «Schwäne sind halt Gewohnheitstiere», sagt er. So leben sie auch oft das Leben lang mit demselben Partner.

Zu wenig Lebensraum

Schuld an der kuriosen Wahl des Brutplatzes habe aber der Mensch. «Die Schwäne haben im ganzen Bodenseeraum immer weniger Platz zum Brüten.» Besonders auf der Schweizer Seite sei so viel gebaut worden, dass die Tiere heute kaum noch Schilf vorfänden. Gäbe es genügend davon, hätten die Schwäne nicht nur geeignetere Brutplätze, «falls vorhanden, nutzen sie das Schilf auch für den Bau schwimmender Nester, die nicht so leicht weggespült werden», wie Müller sagt.

Noch befindet sich das Schwanennest nicht in der Gefahrenzone. «Sollte der Wasserspiegel aber steigen, läuft es wieder Gefahr, weggespült zu werden», befürchtet Müller. Er empfehle, die Situation auf jeden Fall im Auge zu behalten und notfalls einzuschreiten, wie vor drei Jahren, als Müller höchstpersönlich das Nest versetzt hat, um es so vor dem Versinken zu retten. «Aber eigentlich bräuchte es künstliche Inseln auf dem See, dort könnte das Schwanenpaar in Ruhe brüten.» Ansonsten niste es im nächsten Jahr wohl wieder an derselben Stelle.

Die Stadt beobachtet die Situation, wie Stadtschreiber Marcel Aeple sagt. «Wir stehen mit dem Wildhüter in Kontakt und werden gegebenenfalls eingreifen.»

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