Den Planern schlägt bei der Gestaltung der «Stadtlandschaft» Mooswies in Gossau Skepsis entgegen

Trügerische Idylle beim Abendspaziergang für Anwohner, Landwirte und Parlamentarier: Die Direktbetroffenen haben keine Freude am Naherholungsgebiet, das die Stadt auf der Mooswies realisieren will.

Johannes Wey-Eberle
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Georg L'Homme, Projektleiter bei der Stadtenwicklung Gossau, führt den Rundgang über die Mooswies an.

Georg L'Homme, Projektleiter bei der Stadtenwicklung Gossau, führt den Rundgang über die Mooswies an.

Johannes Wey (30. September 2020)

Die Meinungen sind schon auf dem Rundgang gemacht: «Damit schafft man sich nur Probleme», «fehlt nur noch ein Getränkeautomat» und «Abfall ohne Ende». So kommentieren Anwohnerinnen und Anwohner die Pläne, welche die Stadt Gossau auf der Mooswies in die Tat umsetzen möchte.

Die knapp acht Hektaren grosse Wiese im Herzen von Gossau ist eine Grundwasserschutz- und Grünzone. 2015 entstand im Rahmen des Projekts «Stadtlandschaften» des Agglomerationsprogramms die Idee, die Wiese zu einem Naherholungsgebiet aufzuwerten. Später wurde die «sanfte Aufwertung» auch im Stadtentwicklungskonzept festgehalten.

Nun hat die Stadt ihre Idee dazu den Direktbetroffenen sowie Mitgliedern des Stadtparlaments präsentiert – bereits zum zweiten Mal: Das erste Konzept, mit zahlreichen Bäumen, Wegen und sogar einem künstlichen Hügel, wurde nach Widerstand fallengelassen.

Rundweg und drei Orte für den Aufenthalt

Die Stadt plant im Wesentlichen einen Rundweg auf dem trapezförmigen Gelände und drei Orte für den Aufenthalt. Im Nordosten ein «Begegnungsort», der insbesondere den Anwohnerinnen und Anwohnern dienen soll. Im Südosten ein «Ort der Ruhe», um von der erhöhten Lage den Ausblick zu geniessen oder die Mittagspause im Grünen zu verbringen. Und im Südwesten ein Platz für Bewegung und Spiel.

Auf der Erhebung an der Mooswiesstrasse sieht die Stadt einen «Ort der Ruhe» vor.

Auf der Erhebung an der Mooswiesstrasse sieht die Stadt einen «Ort der Ruhe» vor.

Johannes Wey (30. September 2020)

Das geht für viele der rund 80 Teilnehmenden über eine «sanfte Nutzung» hinaus, wie sich nach dem Rundgang im «Werk 1» zeigt. Die Anwohnerinnen und Anwohner fürchten mehr Nachtruhestörungen und Abfall, die Landwirte, die das Land pachten, den Verlust von Nutzfläche.

Der «Ort der Ruhe» werde viel eher noch mehr Partylärm mit sich bringen und ohnehin könne angesichts der Lage direkt an der Mooswiesstrasse von Ruhe keine Rede sein.

Viele sehen keinen Bedarf

Für Stadtpräsident Wolfgang Giella ist die Mooswies hingegen der einzige Ort in Gossau, wo sich «ein Parkerlebnis» realisieren lasse. Angesprochen auf die Kosten hielt er fest, dass diese in keinem Verhältnis zu den Investitionen in Strassen stünden. Erst auf Nachfrage nennt er die Summe von 1,2 Millionen Franken, von denen der Bund im Rahmen des Agglomerationsprogramms maximal 350'000 Franken übernehmen würde.

Stadtpräsident Wolfgang Giella (Mitte) mit Pächterin Seline Heim und Stadtparlamentarier Stefan Harder (Flig).

Stadtpräsident Wolfgang Giella (Mitte) mit Pächterin Seline Heim und Stadtparlamentarier Stefan Harder (Flig).

Johannes Wey (30. September 2020)

In der Diskussion in Kleingruppen kristallisiert sich aber schnell heraus, dass viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer keinen Bedarf nach einem «Stadtpark» sehen. In Gossau gebe es mit dem Andreaspark, der Bundwiese und den geplanten Sportanlagen schon viele Grünflächen, zudem sei man von überall innert fünf Minuten im Grünen.

Zuzüger wundert sich über fehlenden Weg

Das wichtigste Anliegen, das man in den bisherigen Workshops geäussert habe sei, dass man die Wiese seltener gülle und öfter mähe. Denn dann werde sie schon heute als Spielwiese genutzt, sagt eine Anwohnerin.

Es gibt aber auch Zuspruch. Ein kinderwagentauglicher Rundweg wäre schon etwas, sagt ein Teilnehmer. Und ein anderer, der seit acht Jahren am Rand der Wiese wohnt, hatte sich schon damals gewundert, weshalb es das nicht schon längst gebe.

Mit gelegentlichem Lärm von Jugendlichen könne er sich arrangieren:

«Wenn sie zu laut sind, kann man ja die Polizei rufen.»

Anfang 2021 entscheidet das Parlament

Wie Georg L'Homme von der Stadtenwicklung den Zeitplan schilderte, soll es mit dem Projekt schnell vorangehen. Am 16. November findet ein weiterer Informationsanlass statt. Dann ist die Baukommission des Parlaments bereits mit der Beratung der Vorlage beschäftigt. Abstimmen soll das Stadtparlament Anfang 2021.

Bei einem Ja soll die Mooswies in drei Etappen aufgewertet werden. Allerdings dürfte der Vorlage ein rauer Wind entgegenwehen, wie Voten des guten halben Dutzends anwesender Parlamentsmitglieder zeigen.