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Rorschacher Arzt über Demenz: «Demente kann man nur mit Empathie behandeln»

Norbert Moll war lange Hausarzt in Rorschach. Über die Jahre hat er viele Demenzpatienten und ihre Angehörigen begleitet. Am Mittwoch spricht er in Mörschwil über seine Erfahrungen mit der Krankheit.
Interview: Elena Fasoli
Norbert Moll engagiert sich für das Thema Demenz. (Bild: Benjamin Manser)

Norbert Moll engagiert sich für das Thema Demenz. (Bild: Benjamin Manser)

Sie halten am Mittwoch gemeinsam mit Ihrem Sohn einen Vortrag zum Thema Demenz. Worum geht es im Referat genau?

Norbert Moll: Es geht nicht nur um Demente, sondern auch um Angehörige. Dies ist wichtig, da vor allem Angehörige anwesend sein werden. Im ersten der drei Teile wird mein Sohn Lukas Moll, der ebenfalls Hausarzt ist, über die Diagnostizierung und Behandlung sprechen. Im zweiten Teil spreche ich von der Begleitung von Demenzpatienten durch die Angehörigen. Ich erkläre jedoch auch, was nicht Demenz ist.

Wie meinen Sie das?

Wenn eine betagte Person den Autoschlüssel vergisst oder sich bei einer Geburtstagsfeier zurückzieht, weil sie nicht mehr so gut hört, muss man nicht sofort Demenz befürchten und zum Arzt.

Worum geht es noch im Vortrag?

Im letzten Teil geht es um Institutionen für Demenzkranke. Marko Prietzel vom Pflegeheim Pelago in Rorschacherberg erzählt von seinen Erfahrungen als Leiter einer Dementen-Station im Pflegeheim.

Was für berufliche Erfahrungen haben Sie mit Demenzkranken gemacht?

Ich habe zahlreiche Patienten behandelt. Wenn Demente bei der Diagnose noch urteilsfähig sind, ist es wichtig, mit ihnen über Vorsorge, Patientenverfügung und Erbe zu sprechen. Der zeitliche Aufwand, um Angehörige zu unterstützen, ist jedoch viel grösser. Sie zu begleiten ist wichtig, damit sie bei Fragen auch wirklich anrufen. Man darf nicht vergessen, dass es sich oft um betagte Frauen handelt, die ebenfalls eingeschränkt in ihren Ressourcen sind. Der Umgang mit Demenzpatienten ist auch für mich immer noch anspruchsvoll, denn es gibt keine Routine.

Wie können Angehörige Demenzpatienten begleiten?

Bei Demenz spielt es eine grosse Rolle, das Umfeld zu aktivieren. Ein Gespann von Söhnen, Töchtern und Lebenspartner muss den Demenzpatienten begleiten und ihm Assistenz bieten. Man soll ihn fördern, aber auch fordern. Wenn der Demenzkranke im Keller Karotten holen soll, wird er zunächst mit Kartoffeln zurückkommen. Beim zweiten Mal wird er mit leeren Händen nachfragen, was er bringen sollte.

Wie reagiert man in solchen Situationen?

Man muss ruhig und freundlich bleiben und die Bitte wiederholen. Das ist schwierig. Das Problem ist, dass Demenzkranke 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche betreut werden müssen.

Wann wird es Zeit, einen Patienten einer Institution zu übergeben?

Viele Leute versprechen ihrem Ehepartner, dass man sich nicht gegenseitig «abschieben» wird. Wenn es nicht mehr anders geht, ist die Angst vor dem Abgeben riesig. Es ist wichtig zu wissen, dass die Angehörigen weiterhin beim Dementen bleiben können. Sie dürfen ihn jederzeit besuchen und mit ihm hinausgehen. Ich habe von Leuten gehört, die nach dem Tod eines Verwandten noch immer seine Abteilung im Pflegeheim besucht haben, weil sie dort alle Patienten kannten.

Warum ist Ihnen das Thema Demenz persönlich wichtig?

Die Anzahl an Dementen entwickelt sich rasant. Es tönt unglaublich, aber es kann wirklich jeden treffen. Ich finde es eindrücklich, wie sich Menschen verändern, wenn sie an Demenz erkranken. Bei anderen Krankheiten kann ich Medikamente verschreiben. Wenn bei einem Hochdruck-Patienten der Blutdruck gesunken ist, weiss ich, dass ich meine Arbeit gut gemacht habe. Doch bei Dementen gibt es keine Routine, man kann sie nur mit Empathie behandeln. Deshalb bin ich so engagiert in diesem Bereich.

Hinweis

Vortrag zum Thema Demenz, Mittwoch, 20 Uhr, Adlersaal Mörschwil

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