«Das wurmt mich schon ein bisschen»: Robert Egli wird an diesem Chläusler in Gossau zum ersten Mal keine Grittibänzen verkaufen

Wenn am Sonntag wieder der traditionelle Warenmarkt lockt, wird ein Stand fehlen: Jener von Bäcker Robert Egli. Nach 68 Jahren ist Schluss.

Melissa Müller
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Rückzug auf Raten: Robert Egli steht mit 68 immer noch in seiner Gossauer Backstube. (Bild: Urs Bucher (20. November 2019))

Rückzug auf Raten: Robert Egli steht mit 68 immer noch in seiner Gossauer Backstube. (Bild: Urs Bucher (20. November 2019))

Kein anderer Marktfahrer war länger am Chläusler als die Bäckerei Egli. Seit 1950 betrieb sie ihren Stand vor dem Restaurant Toggenburg. Nach 68 Jahren ist Schluss: Am Sonntag, wenn sich die Strassen in Gossau wieder mit Weihnachtsständen füllen, wird Robert Egli keine Grittibänzen mehr verkaufen. «Das wurmt mich schon ein bisschen», sagt der 68-Jährige. Der Aufwand sei jedoch zu gross.

«Allein schaffe ich das nicht.»

Der Chläusler bedeute einen Kraftakt: Die ganze Nacht knetete Egli Teig, bestrich Grittibänzen mit Eigelb und schob Biberli in den Ofen. Morgens lieferte er die Köstlichkeiten zum Stand, den zwei Angestellte hüteten. Seine Frau Ursula, seine Söhne Thomas und Manuel, Tochter Denise, die Schwiegertochter, Aushilfen, Enkel, alle mussten helfen. «Der Chläusler war eine Freude, ein Ereignis, aber er bedeutete auch viel Arbeit, schon klar», sagt Egli mit leiser Wehmut.

Bei einem Bewerber hatte er kein gutes Gefühl

Längst hat das Ehepaar Egli das Pensionsalter erreicht. Sohn Thomas wollte den Betrieb übernehmen. Er litt jedoch unter Ekzemen und tränenden Augen – eine Mehlallergie. Sohn Manuel hat zwar ebenfalls Bäcker-Konditor gelernt, arbeitet aber bei einer Sicherheitsfirma. «Leider haben wir keinen Nachfolger gefunden», sagt der Vater.

An Interessenten mangelt es nicht. Doch bei einzelnen hatte Egli kein gutes Bauchgefühl. Zu Recht: Jene Bewerber übernahmen die Bäckerei Köppel in Romanshorn und gingen schon nach kurzer Zeit pleite.

Robert Egli hat sich für einen langsamen Rückzug entschieden. Seit Januar hat er seine Bäckerei nur noch samstags von 6 bis 11 Uhr mit einem reduzierten Sortiment offen. «Ich muss doch noch ein bisschen etwas machen», sagt Egli und klopft sich das Mehl von dem Schoss. Sein Vater Robert Egli Senior, der im Dezember 100-jährig verstarb, sei noch mit 90 Jahren in der Backstube gestanden.

Chläusler-Marktchef Armando Zanella bedauert, dass Egli dieses Jahr keinen Stand mehr betreiben wird. «Er ist so ein fröhlicher, aufgestellter Mann und seine speziellen Grittibänzen mit den Pfeifen waren ein Renner.» Davon verkaufte Egli am zweitägigen Markt über 1000 Stück. «Ich verwendete für die Grittibänzen einen weichen Süssteig, mit wenig Mehl», sagt der Bäcker. Auch Brot verkaufte er am Chläusler in rauen Mengen, weil die Kunden in den trüben Novembertagen Lust auf Fondue verspürten.

Robert Egli packte schon als Bub beim Chläusler mit an. Er pinselte die Lebkuchen mit Gummi Arabicum ein und lieferte mit dem Velo Brot aus. «Es war logisch, dass ich die Bäckerei übernehme. Obwohl ich sah, dass man viel arbeiten muss, hat mir das gefallen.»

Sturm blies fast den ­Marktstand davon

Ab 1992 betrieb Robert Egli Junior auch den adventlichen Bäckerstand. «Das Wetter war natürlich immer ein Thema.» Einmal wütete ein solch heftiger Sturm, dass zwei Angestellte den Stand festhalten mussten. «Ich bin gespannt, wer dieses Jahr unseren Platz vor dem Restaurant Toggenburg bekommt», sagt Robert Egli. Er freue sich darauf, durch den Markt zu flanieren und Bekannte zu treffen.

Der Chläusler wird das Gossauer Zentrum am Sonntag und Montag beleben. Auf die Gäste warten 270 Aussteller, ein Jahrmarkt und Festwirtschaften. Der traditionelle Warenmarkt gehört laut Marktchef Armando Zanella zu den grössten der Ostschweiz.