Das Wittenbacher Seniorentaxi kämpft mit leeren Sitzen – trotzdem sind die Betreiber voller Zuversicht

Der Wittenbacher Fahrservice für Senioren kämpft mit tiefen Passagierzahlen. Dies sei aber gar kein Problem.

Fabio Fornito
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Werner Steinlin, Postautofahrer und einer der Köpfe hinter dem Taxiservice.

Werner Steinlin, Postautofahrer und einer der Köpfe hinter dem Taxiservice.

Bild: Ralph Ribi (5.12.2019)

Der Van des Alterszentrums Kappelhof ist auch an diesem Dienstagmorgen nur halb gefüllt. Trotzdem sind Werner Steinlin und Ruedi Gautschi bester Laune. Sie scherzen und lachen, während sie nach und nach die einzelnen Stationen ihrer Route abfahren. Ein normaler Tag als Fahrer im Fahrservice für ältere und gehbehinderte Menschen. Man hilft Passagieren beim Einsteigen, plaudert mit ihnen über dieses und jenes und lädt sie bei der Migros ab, wo bereits weitere Freiwillige darauf warten, den Senioren beim Einkaufen behilflich zu sein. Was die beiden an diesem Tag nicht wissen:

Es ist das letzte Mal, dass sie dies tun.

Das Projekt Taxiservice wird allerdings nicht beendet. Anstelle von starren Routen werden diese aber nach den jeweils telefonisch gewünschten Orten der Passagiere zusammengestellt. Das entscheiden die Verantwortlichen des Projekts bei der Sitzung am nächsten Tag. Sie hatten sich zusammengefunden, um eine erste Bilanz über den seit Dezember andauernden Versuch zu ziehen, der noch bis Mai geht. Mit dabei bei dem breitgestützten Projekt: Werner Steinlin, Ideengeberin Marianne Klimstein, freiwillige Helfer, Gemeindepräsident Oliver Gröble sowie Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, der Obvita und des Alterszentrums Kappelhof.

Das Ziel ist der Reisebus

Bisher war die Nachfrage noch nicht zufriedenstellend. Ein paar Plätze blieben bei den Fahrten, die jeweils am Dienstagmorgen stattfinden, leer. Werner Steinlin bleibt aber zuversichtlich: «Ein neues Angebot zu etablieren, braucht Zeit und Geduld.» Er glaubt daran, dass die Passagierzahlen bis Mai noch steigen werden. Steinlin sagt schmunzelnd:

«Ziel ist es, dass wir bald einen Bus mieten müssen, weil der Van zu klein ist.»

Egal ob es dem Fahrservice gelingt, in den nächsten Monaten mehr Personen anzulocken oder nicht, die Verantwortlichen ziehen jetzt schon eine positive Bilanz: Das Projekt habe bewiesen, sagt Marianne Klimstein, dass man in Wittenbach auf die Bevölkerung höre und zusammen etwas auf die Beine stellen könne. Oliver Gröble vergleicht das Ganze mit einem Start-up, Werner Steinlin nennt es «ein Partnerprojekt auf Initiative eines Gemeindemitglieds». Ausserdem hätten sich zahlreiche Freiwillige gemeldet. Das zeige, dass die Wittenbacher Bevölkerung nicht nur hinter dem Projekt stehe, sondern aktiv daran teilnehmen wolle, sagt Marianne Klimstein.

Passagiermangel zeigt: Versorgung klappt bereits

Und wenn auch in Zukunft wenig Interesse für den Fahrdienst existiert und man den Fahrdienst bei Ende des Pilotprojekts einstellen muss? Steinlin: «Dann zeigt das, dass ältere und gehbehinderte Menschen bereits bestens organisiert sind.»