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«Das wird weh tun»: Die katholische Kirche im Riethüsli wird abgerissen

Im Riethüsli gibt es ein neues Gotteshaus für mehrere Konfessionen: Die paritätische Kirche ist ein Daheim für evangelisch-reformierte und katholische Christen geworden.
Daniel Wirth
Die zeltförmige katholische Kirche wurde in den 1980er-Jahren von den katholischen Quartierbewohnern mit viel Eigenleistung gebaut. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Die zeltförmige katholische Kirche wurde in den 1980er-Jahren von den katholischen Quartierbewohnern mit viel Eigenleistung gebaut. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Er sei schmerzvoll gewesen, der Umzug von der katholischen Kirche im Riethüsli in die nur einen Steinwurf entfernte evangelisch-reformierte Kirche, vor allem für ältere Kirchbürger. Denn die zeltförmige katholische Kirche an der Gerhardtstrasse sei in den 1980er-Jahren von den katholischen Quartierbewohnern mit viel Eigenleistung, finanziell und mit körperlicher Arbeit, gebaut worden. «Und es wird noch einmal wehtun», sagt Barbara Stump, Pfarreibeauftragte der Pfarrei Riethüsli. Nämlich dann, wenn die Bagger auffahren und die katholische Kirche im Riethüsli zurückbauen werden. Wann dies sein wird, ist gemäss Stump noch unklar. Wahrscheinlich im nächsten Jahr. Noch sei nicht bestimmt, was mit der Orgel und den Kirchenglocken geschehe, sagt Barbara Stump.

Sie sagt das leicht wehmütig, aber auch mit einem versöhnlichen, fast freudigen Unterton. Denn es herrscht so etwas wie Aufbruchstimmung. Im Mai beschloss das Parlament der katholischen Kirchgemeinde St.Gallen den Rückbau des 32 Jahre alten Gotteshauses. Die Schäden am Holzbauwerk der «Behelfskirche» sind derart gross, dass eine Sanierung aus finanziellen Gründen nicht angemessen erschien.

Mit dem Beschluss des Rückbaus sagte das Kirchenparlament ohne Diskussion und einstimmig Ja zu einer Verwaltungsvereinbarung über die paritätische Nutzung der Kirche und des ökumenischen Zentrums Riethüsli. Die Gebäude bleiben im Besitz der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde. Für die rund 1200 Katholiken im Kirchkreis Riethüsli-Hofstetten entstehen jährliche Kosten von 130000 Franken.

Den Tabernakel und das Ewige Licht gezügelt

Was beschlossen und auf Papier festgehalten ist, ist das Eine, wie das Ganze gelebt wird, ist das Andere. Barbara Stump sagt, es sei gut angelaufen mit der paritätischen Kirche. Daniel Bertoldo, Diakon der evangelisch-reformierten Kirche, pflichtet ihr bei. Er habe Widerstand befürchtet, sagt Bertoldo, und Vorbehalte gegenüber einem weiteren Schritt des Zusammen­gehens, was er nun aber spüre, sei eine fruchtbare Offenheit.

Barbara Stump und Daniel Bertoldo in der Gebetsecke. (Bild: Ralph Ribi / 8. Oktober 2019)

Barbara Stump und Daniel Bertoldo in der Gebetsecke. (Bild: Ralph Ribi / 8. Oktober 2019)

In der paritätischen Kirche wurde eine Gebetsecke eingerichtet, mit dem Tabernakel, mit dem Ewigen Licht und mit der Muttergottes. «Das war wichtig für die verschiedenen Gebetsgruppen», sagt Stump. Auch die Taube als Symbol des Heiligen Geistes sei prominent platziert worden. Der Heilige Antonius und das Weihwasser-Geschirr hätten ebenso Platz gefunden im interkonfessionellen Gotteshaus, das im August seiner Bestimmung übergeben wurde.

Ein Gottesdienst pro Wochenende geplant

Im Riethüsli befindet sich nicht die erste Kirche auf Stadtgebiet für mehrere Konfessionen. In der Halden gibt es schon lange eine ökumenische Kirche. Daniel Bertoldo sagt, man habe sich dort schon früh erkundigt, wo es allenfalls Klippen gebe bei einem Zusammenschluss. Kopiert habe man das Halden-Modell nicht. Es werden auch künftig katholisch und reformiert geprägte Gottesdienste gefeiert.

Bertoldo sagte Ende September für ein Quartier-Porträt in dieser Zeitung, er hoffe, die paritätische Kirche im Riethüsli werde ein sichtbarer und spürbarer Ort. Wie Barbara Stump sagt, sind die Zeichen dafür gut. Für Bertoldo ist das Zusammenwachsen ein langfristiger Prozess. Wenn am Samstagabend ein katholischer Gottesdienst stattfinde, müsse nicht zwingend am Sonntag des gleichen Wochenendes ein evangelisch-reformierter abgehalten werden. Er gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass auch Katholiken einmal einen evangelisch-reformierten Gottesdienst besuchen oder Reformierte eine katholische Eucharistiefeier besuchen und etwas mitnehmen werden. Die Ökumene werde im Riethüsli schon lange gelebt, sagen Stump und Bertoldo unisono. Jetzt gehe es darum, das Gemeinsame zu betonen.

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