Karibikwetter am Bodensee: Der Februar wird tendenziell wärmer und trockener

Es gibt noch Hoffnung auf einen ruppigen Nachwinter in der Region Rorschach. Der Meteorologe Christoph Frauenfelder spricht im Interview über die Wettertrends im Februar.

Rudolf Hirtl
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Beinahe im Viertelstundentakt wechseln sich Sonne, Nebel, Regen und gelegentlich ein paar Schneeflocken ab – das Wetter erinnert aktuell auch in der Region Rorschach eher an den launigen April, als an den normalerweise beständigen Februar.

Christoph Frauenfelder, die Wetterphänomene häufen sich, was haben wir vom Februar in der Region Rorschach zu erwarten?

Christoph Frauenfelder: Das herausragende Merkmal wird einmal mehr die Wärme sein. Die ersten drei Tage des Februars wiesen einen Temperaturüberschuss von 10 Grad gegenüber dem jahreszeitlichen Mittel auf. Ebenso deuten die Langfristprognosen auf einen überdurchschnittlich warmen Februar hin. Da auch der Dezember und der Januar deutlich zu warm ausfielen, könnte sich der Winter 2019/2020 (Dezember bis Februar) temperaturmässig in die vorderen Ränge mausern.

Wärmer und trockener, danach sieht es momentan nicht aus. Welche Ursachen hat das aktuell doch sehr regenreiche Wetter?

Wärmer und trockener ist der langjährige Trend des Februarwetters der letzten Jahre. Doch diesmal folgte zum Auftakt des Februars gleich ein Querschläger. Aus der Karibik floss sehr milde und feuchte Luft nach Europa. Sie wurde über dem Golfstrom warm gehalten. Bei uns entledigte sie sich ihrer Feuchtigkeit in Form eines sehr warmen Dauerregens bis auf 2000 Meter. Nun ist aber diese Wärmezufuhr abrupt abgebrochen worden. Vorübergehend hat sich Winterwetter eingestellt.

Wechselhaft ist es auch beim Hafen Rorschach.

Wechselhaft ist es auch beim Hafen Rorschach.

Oceandesign@bluewin

Was sagen Ihre Aufzeichnungen, wie könnte der restliche Monat in der Region Rorschach wettermässig aussehen?

Das winterliche Flair wird hier unten am Bodensee nur von kurzer Dauer sein. Bald wird es wieder wärmer und der Rest der Woche inklusive Wochenende verläuft weitgehend trocken. Mitte Februar meldet sich hin und wieder ein ruppiger Nachwinter. Die Fröste häufen sich wieder und manchmal werden erst in dieser Zeit die tiefsten Temperaturen des Jahres gemessen. Diese Chance besteht insbesondere, weil die Temperaturen in diesem Winter bisher nicht unter -5 Grad sanken.

Erste Schneeglöckchen sind schon sichtbar, wann wird es richtig Frühling werden in der Region am See?

Im letzten Februardrittel verabschiedet sich normalerweise der Nachwinter. Die ankommenden Stare künden laut Volksmund den ersten zaghaften Frühlingsvorstoss an. Dem ist in der Tat so. In den Gärten blühen die Frühlingsboten und die Temperaturen steigen an. Trotzdem ist die Zeit der Morgenfröste noch nicht vorbei. So richtig Frühling ist aber erst im April zu erwarten, wenn die Apfelbäume blühen.